MTBO Austria Cup: Saisonbeginn in Slowenien

von  Michael Melcher,

erstellt am 21.04.2017
Kategorie: MTBO, Austria Cup

Am 8. & 9. April fand bei angenehmem Frühlingswetter die erste Station des MTBO Austria Cup 2017 statt. Im Anschluss absolvierte der MTBO-Kader einen dreitägigen Trainingskurs im südlichen Nachbarland.

Insgesamt werden heuer 12 MTBO-AC-Bewerbe zur Durchführung gelangen. Im Hinblick auf die Heim-WM 2018 ein bedeutender, aber auch notwendiger Schritt, um den Fokus auf dieses Highlight setzen zu können.

Durchgeführt wurde das erste AC-Wochenende vom OK Slovenj Gradec unter der Leitung von Gregor Raj, der in den vergangenen Jahren bereits für viele großartige Veranstaltungen verantwortlich gezeichnet hat. Sein Vereinskollege Gregor Andrejc sorgte für die Bahnen.

Wieder war das Wettkampfzentrum in Slovenj Gradec (Windischgrätz) nahe der Grenze zu Kärnten (Bleiburg/Lavamünd) gelegen. Das Gelände rund um diese Kleinstadt (ca. 20.000 Einwohner) zählt zu den technisch anspruchsvollsten, und ist mit der "Wurzelhölle" von Faak am See zu vergleichen.

Auch heuer wurde den Erwartungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmern Rechnung getragen und es wurden zwei äußerst unterschiedliche Bewerbe in den Wald gezaubert. Neben dem Austria Cup wurden auch slowenische Meisterschaften sowie zwei ungarische Cup-Bewerbe ausgetragen. Somit gaben Fahrerinnen und Fahrer aus 6 Nationen (Österreich, Slowenien, Ungarn, Italien, Großbritannien, Serbien) der Veranstaltung einen internationalen "Touch". Insgesamt nahmen ca. 150 Starterinnen und Starter an diesen zwei Tagen teil,  davon etwa 85 aus Österreich.

Am Samstag, 8. April wurde der 1. Austria Cup in Form eines verlängerten Sprints durchgeführt. Das Wettkampfgebiet lag direkt am Stadtrand und wurde vor drei Jahren letztmalig verwendet. Die Karte wurde neu aufgenommen und hatte Top-Qualität; das Terrain hatte unbedeutende Höhenmeter aufzuweisen, dafür aber viele ruppige Wege. Hauptkriterium waren viele Posten auf kurzen Distanzen, mit permanenten Richtungsänderungen. Schnelles Erfassen der Situation, ein guter Vorausblick auf das Wurzelwerk am Weg und möglichst volles Tempo führten zum Erfolg.

Die Herren Elite hatte eine Strecke von 7,2 km Luftlinie mit 115 Hm bei 28 Posten zurückzulegen. Die Tagesbestzeit erzielte Kevin Haselsberger (Naturfreunde Villach) in 38:51; er war damit um 43 Sekunden schneller als der zweitplatzierte Tobias Breitschädel (ASKÖ Henndorf, 39:34). Platz 3 ging an den ehemaligen Weltmeister und mehrfachen WM-Medailliengewinner Luca Dallavalle (Italien), der 40:37 benötigte. Drittbester Österreicher wurde an diesem Tag Bernard Schachinger (HSV Ried, 41:07).

Die Streckendaten der Damen Elite lauteten: 6,3 km Luftlinie mit 100 Hm und 24 Posten. Der Tagessieg ging hier nach Ungarn: Anna Füzy erzielte eine Zeit von 42:31, und war somit um 12 Sekunden schneller als die bester Österreicherin, Sonja Zinkl (LZ OMAHA, 42:43). Ebenfalls knapp dahinter mit nur 38 Sekunden Rückstand auf die Tagessiegerin war Marina Reiner (NF Villach) in 43:09 Dritte in der Tageswertung (2. Rang im Austria Cup), dahinter wurde Lisi Sandrisser (NF Villach, 49:11) drittbeste Österreicherin (4. Rang in der Tageswertung).

Getrübt wurde dieser Wettkampftag durch zwei entwendete Posten, die ein unbekannter Waldbenutzer versteckte. Einige Kategorien waren davon nicht betroffen, andere (etwa die Damen und Herren 21- Elite) gleich doppelt. Allerdings war die Vomarkierung (mit Nummer) deutlich erkennbar, und die meisten fuhren nach Feststellung des Sachverhalts gleich weiter. Es wurde auch von niemandem ein Protest eingelegt, weswegen der Bewerb vorläufig in der Wertung verbleibt, bis der Verband eine finale Entscheidung diesbezüglich fällt.

Sonntag, 9. April fand 10 Kilometer weiter südlich rund um die Ortschaft Brda der 2. MTBO Austria Cup in Form einer Mitteldistanz statt. Es wurde die gleiche Karte wie bei den vorjährigen ACs verwendet; die Schwierigkeiten blieben aber dieselben. Noch mehr ruppige Wege, dafür aber mit mehr Höhenmetern und äußerst schwierige Postenstandorte, dazu etliche knifflige Routenwahlen. Auch an diesem Tag herrschte wunderbares warmes Frühlingswetter, mit trockenem Terrain, was zur Freude aller Starterinnen und Starter beitrug.

Die Strecke der Damen Elite war an diesem Tag 9,8 km (Luftlinie) lang und hatte 165 Hm und 20 Posten aufzuweisen. So knapp das Ergebnis am ersten Tag war, so deutlich erfolgte die Entscheidung am zweiten Tag. Marina Reiner – derzeit konditionell die Nummer 1 im Damenteam – wurde ihrer Favoritenrolle gerecht und gewann diesen Austria-Cup-Bewerb in 58:30. Der zweite Platz in der Tageswertung ging an Anna Füzy in 59:36. Sonja Zinkl – als nächstbeste – hatte bereits mehrere Minuten Rückstand (65:58). Den dritten Platz im 2. AC sicherte sich auch an diesem Tag Lisi Sandrisser (71:28).

Bei den Herren wurden die 20 Elite-Starter mit einer 12,1 km (Luftlinie) langen Mitteldistanz-Strecke und 190 HM mit 23 Posten beglückt. Bernhard Schachinger (58:48) und Tobias Breitschädel (58:53) waren zeitmäßig stets gleichauf; im Ziel entschieden jedoch 5 Sekunden zugunsten des Oberösterreichers. Dritter im Tages-Ranking wurde diesmal Andreas Waldmann (OLT Transdanubien) in 61:32; am Vortag hatte er wertvolle Zeit beim fehlenden Posten verloren. Vierter bzw. Fünfter in der Tageswertung wurden die beiden Italiener Luca Dallavalle (62:25) und Piero Turra (62:59), die sich auch an diesem Tag nicht ganz auf dieses schwierige Terrain einstellen konnten.

In den anderen Kategorien dominierten großteils die österreichischen Fahrerinnen und Fahrer: In 19 ausgetragenen Kategorien gab es in nur in zwei keine östereichische Siegerin / keinen österreichischen Sieger.

Wiederum war der einheitliche Tenor aller MTBOler, dass man möglichst bald wieder herkommen könne, denn Slovenj Gradec hat noch eine Reihe von sehr selektiven Wäldern und Karten, auf denen man gerne wettkämpfen würde!

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Während die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer zufrieden nach Hause fuhren, verblieben die Kaderfahrerinnen und -fahrer der Elite und des Nachwuchses vor Ort, um einen drei-tägigen Trainingskurs im Raum Slovenj Gradec und Bleiburg zu verbringen.

Das zur Verfügung gestellte Kartenmaterial sollte den IOF-Major-Events 2017 in Litauen (WM) und Frankreich (EM) halbwegs entsprechen und somit eine gute O-technische Vorbereitung auf die Saison bieten. Zusammen mit einigen Gästen, die auf Eigenkosten mittrainierten, waren es 26 Personen, die an diesem ersten gemeinsamen ÖFOL-Trainingslager teilnahmen.

Der Fokus wurde auf viele anzufahrende Posten, Routenwahlen und auf schnelles Stempeln gelegt. Vor allem zwei verlängerte Sprint-Trainings (auf den Stadt-Karten von Ravne und Meciza) hatten es in sich; aufgrund mancher steiler Pfade wurde auch das Downhillfahren unter Wettkampfbedingungen bestens trainiert. Diese beiden Sprints, sowie ein Einerstaffel-Training in Bleiburg-Heiligengrab (ÖM 2015), wurden mit dem berührungslosen Stempelsystem SI Air+ durchgeführt, um auf kommende IOF-Events gut vorbereitet zu sein.

Die besten Nachwuchsfahrer wie Tobias Micko oder Lea und Jana Hnilica und auch die Gastfahrer konnten sich so direkt mit Elitefahrern wie Kevin Haselsberger, Andi Waldmann, Sonja Zinkl oder Marina Reiner duellieren und wertvolle Tipps erhalten. Geleitet wurde dieser Kurs vom Trainertrio Gaby Finder, Michael Melcher und Thomas Hnilica.

Als spezielle Regenerationseinheit gab es einmal ein zwei-stündiges Stollenbiken mit Führer, in ehemaligen Bergwerksstollen direkt unter der Petzen.

Weitere gemeinsame Trainings sollen folgen, um die Zusammenarbeit von Elite und Nachwuchs zu vertiefen; vor allem im Hinblick auf die kommende Heim-WM 2018.


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