MTBO-Nachwuchs testet für die Junioren-EM

von  Michael Melcher,

erstellt am 06.04.2018
Kategorie: MTBO, Leistungssport

Gelände und Karte in Ungarn

Ein kläglicher Versuch, dem "Patsch'n-Teufelchen" zu entkommen ...

So wie alle ÖFOL-Leistungssport-Kader absolvierte auch das MTBO-Nachwuchs-Team ein Saison-Vorbereitungstrainingslager im nahen Ausland. Als Trainingsort wurde die Gegend südwestlich von Budapest gewählt, vor allem, um sich auf die örtlichen Gegebenheiten der bevorstehenden Großereignisse vorbereiten zu können.

Da das Waldviertel (Jugend-EM & Junioren-WM) zu dieser frühen Jahreszeit noch zu winterlich erschien, wurde das Terrain des zweiten Jahreshöhepunktes (Junioren-EM) für diesen Oster-Kurs ausgewählt. Von 26. Juni bis 1. Juli finden diese Nachwuchs-Titelwettkämpfe zusammen mit den MTBO-Europameisterschaften und den World Masters Championships (Senioren-WM) im Raum Budapest statt.

Da der heurige Winter extrem lange dauerte, gab es bisher kaum Möglichkeiten in den heimischen Wäldern zu biken, oder MTBO-spezifisch trainieren zu können. Das Herz von Ungarn erschien daher prädestiniert, um einen warmen, trockenen und auch kostengünstigen MTBO-Saisonstart hinzubekommen.

Der Fokus dieses Trainingskurses lag somit vorwiegend im Anfahren möglichst vieler Posten und so viel Kartentraining wie nur möglich.

Glücklicherweise ist die Kartenauswahl in der Budapester Umgebung sehr groß, wodurch man diesbezüglich aus dem Vollen schöpfen konnte. Es wurde auch Wert darauf gelegt, dass möglichst jedes Training in einem anderen Geländetyp und mit unterschiedlichen Vegetationsarten durchgeführt werden konnte. Vom flachen, sandigen, schnellen Stadtwald (geplant EM-Sprint) bis hin zum steilen, steinigen Gebirgsterrain (geplant EM Long) reichte diese Palette.

Alle Gebiete hatten allerdings eines gemeinsam: Lange ungarische Dornen, die ein wahres Schreckgespenst für jeden MTBOler sind! Und dieses Dornengewächs war fast überall zu finden; auch dort, wo man es nicht erwartete. In den ersten drei Trainingstagen gab es nur wenige Fahrer, die ohne "Patsch'n" das Ziel erreichten. Erst am vierten Tag schaffte man endlich ein Training ohne Defekt über die Bühne zu bringen. Der Versuch, dem Dornenteufel Herr zu werden, erinnert fast an Don Quijotes vergeblichen Kampf gegen die Windmühlen.

Ausgangsort des Trainingskurses (24.-29. März) war der Velencer-See (Ortschaft Sukoro), der zwischen Budapest und dem Balaton liegt und touristisch etwas weniger populär ist, als dessen größere Bruder, der Plattensee.

Wichtigster Helfer von ungarischer Seite war Tamas Janko (dieser startet seit Jahren für den HSV Pinkafeld), der dankenswerterweise sämtliche gewünschten Karten organisieren konnte. Als Gegenleistung nahmen einige ungarische MTBOler an den Trainings des österreichischen MTBO-Teams teil und sie waren von der hohen Qualität unserer Trainings restlos begeistert; also eine wirkliche österreichisch-ungarische OL-Kooperation. Die Trainingsleitung auf österreichischer Seite oblag dem Trainer-Team Finder-Melcher-Hnilica. Nach 8 harten und langen MTBO-Trainings mit vielen Höhenmetern und einigen extrem langen und kniffligen Routenwahlen konnte jeder die Osterfeiertage regenerativ geniessen.

Die Trainer konnten erfreulicherweise feststellen, dass alle Kaderfahrerinnen und -fahrer in sehr guter körperlicher Verfassung sind und sich die vielen harten Wintertrainingseinheiten auf dem Ergometer oder auf der Walze sichtlich ausgezahlt haben. Nun gilt es bis zu den Saisonhöhepunkten auch die O-technischen Komponenten zu festigen und auszubauen.

Die ersten MTBO-Wettkämpfe stehen bereits an; in diesen sollen auch in den Ergebnislisten die Trainings-Fortschritte feststellbar sein. So finden an diesem Wochenende – parallel zum Fuß-OL-AC in Eisenstadt – MTBO-Events in Italien (Mussolente) und Frankreich (Besancon) statt. In Frankreich stehen erstmals zwei Bewerbe zur neu geschaffenen "Youth & Junior European-MTBO-Series" (Young-Guns-Trophy) an. Initiiert wurde diese Rennserie – die MTBO-spezifisch ist – von IOF-Commission-Mitglied Keith Dawson.

Da Österreich im internationalen MTBO-Nachwuchsbereich einen sehr guten Ruf und eine ebenso gute Position zu verteidigen hat, will man diese Rennserie zur Gänze bestreiten und auch Top-Platzierungen erreichen.

Hoffnungen auf Top-6-Platzierungen können sich das Geschwisterpaar Jana und Lea Hnilica sowie Tobias Micko machen. Letzterer ist nach einer Knieoperation noch nicht ganz fit und lässt die erste Rennserie aus. Große Fortschritte haben die Jugendfahrer Georg Koffler, Jakob Kratky und Hannes Hnilica gemacht; ihr Ziel sind Top-10-Platzierungen bei Großereignissen. Mit Lena Schnetz, Martin Illig und Benjamin Gaudernak gibt es einige neue Talente, die es für die Zukunft aufzubauen gilt.

Im Zuge der Vorbereitung auf die Heim-EM/WM im Sommer wird es im heurigen Jahr eine Reihe von MTBO-Spezialtrainings, organisiert durch die Nachwuchs-Kadertrainer geben. Interessierte MTBO-Freunde können auf Eigenkosten und mit  freiwilliger Spende gerne daran teilnehmen. Informationen dazu (Datum, Trainingsorte und Treffpunkte) können bei Michael Melcher (mapbobo1nospam@spamschutz.gmail.com) erfragt werden.


Fotos: Michael Melcher

Jana Hnilica im Hindernisparcour

Lea Hnilica auf einem Uphill-Trail

Jakob Kratky

Hannes Hnilica übt Bike-Technik


« zurück