Es zählt nur der Sieg - Alles andere ist primär
Ganz schön steil war die Staatsmeisterschaft in Grimmenstein (NÖ), und daher standen zwei ganz oben am Treppchen, denen steile Anstiege und noch mehr steile Abfahrten gerade recht kommen. Thomas Krejci (TV Fürstenfeld) untermauerte seine Vormachtstellung trotz einer Suchaktion kurz vor dem Ziel, Elisabeth Hohenwarter (NF Villach) führte das Feld überlegen an, als ihr ein Protest kurz gefährlich wurde.
9.81 m/s2. Unerbittlich wirkt sie auf alle gleich, die Schwerkraft. Besonders unerbittlich wirkt sie auf einen Orientierungsläufer, der einen 45 Grad steilen Hang hinauf muss. In der Regel muss er nicht, aber bei der Staatsmeisterschaft im verregneten Grimmenstein standen fast ausschließlich steile und steilste Hänge zur Bewältigung an, obwohl Bahnleger Claus Herrmann sein Bestes gab.
Zwei Kilometer Routenwahl
Mit den Gegebenheiten fand sich der Dominator der letzten Jahre, Thomas Krejci, noch am besten zurecht: Österreichs bester Bergläufer unter den Orientierungsläufern fand am Start nicht die Optimalroute auf der 2,1 km langen Routenwahl zum ersten Posten und konnte sich erst nach der ersten Zwischenzeit an die Spitze schieben. "Den schnellsten Weg habe ich am Start nicht gesehen und gleich drei Minuten Rückstand auf Jan ausgefasst," wundert sich der Steirer, der sonst Experte für die richtigen Routenwahl ist. "Ich habe daraufhin versucht, konzentriert weiterzulaufen."
Auf der zweiten langen Routenwahl, mit 2,5 km noch länger als die erste und über den ganzen Kulmriegel gelegt, war das Unternehmen Titelverteidigung schon erfolgreich abgehakt. Doch trotz der größten Sicherheit im Gelände, auch auf eine Spitzenathleten lauert der Fehlerteufel draußen in den feuchten Buchenwäldern der Buckligen Welt.
"Beim viertletzten Posten der 12,8 km bin ich zu hoch auf das Rinnensystem gestoßen, und dann war ich auch schon am rotieren rund um den Posten. War alles ein bissl diffus, aber nach zwei Platzrunden hat mich dann Bernhard Fink gerettet, weil er gleich richtig lag mit seiner Strecke im Postenraum."
Zazgornik: Abfahrtstar aus Baden
Lange Zeit in Führung lag der früh gestartete Jan Zazgornik, der - gestärkt von der guten Leistung beim WM-Kurzstreckenlauf in Finnland - vom Start weg den richtigen Rhythmus fand und sich gleich 150 Höhenmeter ins Tal stürzte. Nach der zweiten Routenwahl lief er auf den wieder sehr starken Martin Brandner auf, der sich bescheiden zum Ziel genommen hatte, endlich einen Elitelauf 2001 zuende zu bringen. Am ende reichte es für den WC-Sieger von 1992 zum sechsten Rang, Zazgornik pendelte sich auf Rang zwei ein und war sehr zufrieden mit seiner Saison. "Bergauf hat mich Bänsch gezogen, da ist er immer noch sehr gut drauf. Bergab lief´s bei mir besser. Aber ich bin zufrieden, die fehlende Goldmedaille werde ich mir schon noch holen."
Wie die meisten anderen WM-Teilnehmer, litt Norbert Helminger unter der langen Saison. Während es aber für den einen Salzburger noch zu Bronze reichte, setzte es für die Garde der Henndorferinnen eine herbe Enttäuschung. Mit Heda Perner war am Wettmarkt viel Geld zu verdienen, denn auf ihren driten Platz war sie sichtlich stolz.
Im Gegensatz zu Andrea Eisl: Für die favorisierte PÄDAK-Studentin setzte es eine herbe Enttäuschung, besonders nach ihren herausragenden Resultaten bei der WM in Finnland war mit Besserem als einem vierten Platz gerechnet worden. Als die ersten Tränen schon getrocknet waren, gestand Eisl ein: "Ich hab schon geahnt, dass ich nicht vorne mitlaufen kann. Seit Tagen kann ich keinen Fuß vor den anderen setzen."
Erster Titel für Lisi Hohenwarter
Als Letzte gestartet, überholte die 21-jährige Villacherin ihre Konkurrentin unbemerkt und landete mit überlegener Bestzeit im schmucken Stadion des SV Grimmenstein. Nur der Protest des WAT brachte den verdienten Erfolg kurz ins Wanken: Denn wie schon so oft war die Nennung ihres Vereins Naturfreunde Villach zu spät eingelangt, womit die Wertung gegen die Wettlaufordnung verstieß.
Auch bei den Damen lagen mit Brie Gschöpf (WAT) und Heda Perner (ASKÖ Henndorf) zwei Athletinnen auf den Medaillenrängen, die nicht im WM-Team für Finnland standen. "Ich freue mich auch über den zweiten Platz. Denn endlich eine ganze Saison ohne Krankheit und Schmerzen zu beenden, ist mir im Grunde wichtiger. Lisi war schneller, also hat sie den Titel verdient," so Brie als faire Zweite.
Es zählt zwar nur der Sieg, alles andere ist primär, sprach in anderem Zusammenhang der große Fussballphilosoph Hans Krankl. Manchmal kommt der Vorbereitung doch ein wenig Bedeutung zu. Über verspätete Nennungen wird in nächster Zeit nicht zu berichten sein, kann man annehmen.
Auch wird zu berichten sein, dass im nächsten Jahr nicht die halbe Meisterschaft auf Forstwegen ausgetragen wird wie in vielen Klassen (H35). Denn in Allentsteig schlägt das wilde Waldviertel unerbittlich zu - ganz ohne Wege. Und dann kommen auch die Orienterer unter den Orientierungsläufern wieder auf ihrer Rechnung.
Ergebnisse im Detail
Bericht von Michael Grill
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