Orientierungslauf - wohin gehst Du ...
... oder besser: Wo stehst Du?
Erlebnisse der letzten Jahre, eine Änderung der eigenen sportlichen Schwerpunkte, das Studium mehrerer Diskussionen in ausländischen OL-Zeitungen zu diesem Thema und die Beobachtung der Entwicklung sowohl anderer Freizeitsportarten bei uns als auch des OL in anderen Ländern, wo er viel später als in Österreich etabliert wurde, veranlassten mich, folgende Überlegungen in einem Artikel niederzuschreiben und auch beim ÖFOL-Seminar in Linz zur Diskussion zu stellen.
Es ist zunächst eine bewußt subjektiv empfundene Darstellung, jedoch Gespräche mit anderen in der Jugendarbeit tätigen OLern zeigten, dass durchaus einige im ganzen Land ähnlich empfinden wie ich.
Es geht um nichts geringeres, als um die Zukunft des Orientierungssportes in Österreich! Wollen wir eine abgekapselte Gruppierung fernab der Medien bleiben mit dem verdächtigen Touch von Elite, Spezialistentum und überhöhtem geistigen Anspruch.
Oder wollen wir endlich die wahren Qualitäten unserer Life-Time-Sportart unter die Leute bringen im Sinne von Spaß, Gesundheit, Natur und ein bißchen Abenteuer zum Ausgleich computerisierter Arbeits- und Freizeiteintönigkeit. Und nicht zuletzt damit endlich die Vorteile der anderswo überbordenden Fun- und Wellnessbewegung mitnützen.
Meine provokante These ist daher, es gibt wie die E- und U-Musik auch im OL zwei konkurrierende Strömungen eines E- und U-Orientierungslaufes, und diese beiden Welten möchte ich in der Folge skizzieren:
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Klassischer Orientierungslauf (Ich glaube inzwischen, dass sogar das Wort Orientierungslauf unter Laien und in der Öffentlichkeit nicht nur positiv besetzt ist)
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Fun-Orienteering (wir brauchen unbedingt eine Bezeichnung und ein Logo, dass den Freizeitsportlern signalisiert: wir haben die selben Intentionen von Freude und Erlebnis)
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Der ÖFOL hat nach wie vor ein Wettkampfmonopol. Dass heißt, der nationale und regionale Wettkampfkalender zwingt zu langen Anreisen, fast immer geht es um Austragung von Meisterschaften. Hat ein Familienmitglied einen OL-Termin, ist oft die Familie für den ganzen Sonntag oder länger zerrissen.
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Wenn man im österreichischen OL-Zirkus nicht mitmachen will oder kann (Zeit, Leistungsniveau, Bedürfnis der Familie, Berufsstress) bleibt man an so manchem Wochenende zu Hause und hat keine organisierte Möglichkeit seinen geliebten Sport auszuüben. Der normal motivierte Laie geht dann nicht in den nächsten Wald, selber Posten klauben, sondern wechselt zu einer anderen Sportart.
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Dabei muss jeweils ein hoher Veranstaltungsaufwand geboten werden, um die beteiligten Läufer zufriedenzustellen (man reist ja auch so weit an)
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Der Aufwand muss nicht so groß und perfekt sein. Auch die Sportler treiben ihn nicht auf die Spitze und sind auch einmal im Trainingsanzug oder mit Wanderschuhen unterwegs
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Die Werbung kommt oft zu kurz und im Veranstaltungsstress werden vorbereitende Trainings mit örtlichen Schulen und Vereinen vernachlässigt und oft bleiben nach dem Abräumen der letzten Posten motivierte, aber ratlose Newcomer zurück.
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Gerade aus Trainingsgruppen und Schulaktivitäten können kleine Events entstehen, die neue Interessenten anlocken. Und gerade dann ist die Kontinuität in der Betreuung eher gesichert.
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Der Ablauf einer durchschnittlichen österreichischen OL-Veranstaltung ist absolut nicht anfängerfreundlich. Meist ist der Start mit den Profis zusammen, man muss sich an eine vorbestimmte Startzeit halten und die alleine in professionellen Gewändern umherhirschenden OLer provozieren negativen Gruppendruck.
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Ein lockerer Rahmen ist gefragt, keine zu strikten Kategoriebestimmungen und Gruppenbewerbe (Familien, Grätzel etc)
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Wenn man als Außenstehender des OL-Zirkus mit den Augen eines Anfängers zu einem OL kommt und nicht in der Betreuung eines Vereinsbetreuers anreist, gibt es kein Leitsystem, dass einen sicher ans Ziel der Anmeldung führt und angstfrei vom scheinbar routiniertem Wirbel der Profis trennt (Nonverbal wird fast immer signalisiert, das Nach- und Spontannennungen ein Stress für den Veranstalter sind).
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Wir bräuchten Österreichweit geltende Signale und Hinweisschilder und leicht verwirklichbare Regeln, die uns die Aufnahme der Anfänger erleichtert und diese als besonders willkommene Gäste herausstreicht.
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Und dann ist da noch das lange Warten auf die Siegerehrung, die oft sehr kommunikationstötend ist.
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Anfänger brauchen keine Siegerehrung und kennen sowieso nicht die Protagonisten auf dem Stockerl. Sie wollen für ihre persönliche Leistung eine Anerkennung und Belohnung. Eine sofort abgegebene Urkunde oder Sammelplakette ist da viel geeigneter (oder ein OL-Prospekt, Spiel, Ansichtskarten u.a. Souvenirs...)
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Der zeitliche Aufwand nur bei einem Landes-Cup-Ol von 8 - 14 Uhr ist 6 Stunden und dabei 40-60 Minuten der eigentliche Sport.
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Wesentlicher Rahmen für Fun-Orienteering muss ein kurzer zeitlicher Rahmen sein, max. 30 Minuten Anfahrt, 2 Stunden Aktivität alles in allem, da kann ich dann noch Baden fahren oder Faulenzen oder etwas erledigen. Alle anderen Hobbysportarten (Tennis, Hallenkick etc) zum persönlichen Ausgleich funktionieren auch so. Provokant gesagt: Newcomer, die im normalen OL-Betrieb diesen schönen Sport betreiben wollen, sind gezwungen auf Freizeit zu verzichten.
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Für Außenstehende sind wir sicher in Ritualen erstarrt, die uns zwar bequeme Sicherheit gibt, aber neu Hinzugekommene sich als Außenseiter fühlen läßt. Dass rot-weiße Postenquadrat ist nicht unbedingt ein aufrüttelndes Signal für den Nichtorientierungsläufer. Hoffentlich wird es nicht zum Stigma für die E-OL'er! Sogar die Medienberichterstattung ist ein Ritual (wenn überhaupt vorhanden): eine Zeile in der Tagesankündigung der Veranstaltungen, 3 Zeilen in der Montagsausgabe mit ein paar Zeiten für die Insider (und eben nur die, aber die waren ja selbst dort!).
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Fun-Orienteering muss raus aus den seit Anbeginn eingeschlagenen Trampelpfaden. Der Begriff muss lebendig neu mit positiven Assoziationen besetzt werden, auch extrovertierte Sportinteressenten ansprechen und raus aus der öden österreichischen Sportberichterstattung hinein in die Gesundheits-, Fun- und Wellness-Seiten einschlägiger Magazine und Zeitungsbeilagen. Aber Achtung: Wenn ihr dort kein ständig laufendes Angebot anbieten könnt, seid ihr auch in Gefahr, in das Ritual der medialen Sternschnuppe (einmal ganzseitig mit Farbfoto, ach wie nett!) hineinzufallen.
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Mein Schluß daraus ist daher: Es muss eine alternative OL-Szene aufgebaut werden. Und alle die Einzelinitiativen im ganzen Land von Schul-Kleinveranstaltungen, Familienstaffeln, Schnupperläufen, Firmen-OLs, Frauenlauf-Rahmenbewerb, Gusto-Cup®, usw. sollten endlich zusammenfinden, Ideen austauschen und voneinander lernen. Der ÖFOL sollte dies kanalisieren und logistisch unterstützen.
Das Motto zukünftiger OL-Aktivitäten sollte für immer mehr Menschen lauten: Rund ums ganze Jahr und oft genug gleich ums Eck. Einfach, einfacher geht's am Anfang gar nicht.
Ideal wäre, wenn sich an einem Wochenende in der Früh die Frage stellt: "Gehen wir heute Radfahren, Kicken oder Orientieren?"
Reaktionen sind bewußt erwünscht. Beim ÖFOL-Seminar haben sich schon einige Breitensportförderer geoffenbart: Barbara Tobler übernimmt die Koordination, Richard Werner plant einen Ideen-Rundbrief, Hannes Irk propagiert die 1,- € Mitgliedschaft als Breitensportindikator und Erich Simkovics stellt seine Erfahrung mit dem WOLV-Cup zur Verfügung. Wir wissen aber, dass es viele weitere Initiativen gibt, die noch dazu etwas beitragen könnten.
Wieder einmal auf nichtmedizinischen OL-Abwegen wünscht sich eine heftige produktive Diskussion:
Michael Wendler, Schreiber dieser Zeilen.
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