Premiere im Europapark
Lucie Böhm und Jan Zazgornik die ersten Staatsmeister im Sprint-OL
Ungewohntes Ambiente für einen Orientierungslauf: im Strandbad Klagenfurt trafen sich
am 17.Mai 2003 an die 600 Wettkämpfer zum 3.Ranglistenlauf des Jahres und zur ersten Staatsmeisterschaft
in der neu geschaffenen Disziplin Sprint-OL. Statt Schienbeinschoner und Schuhen mit Dobb-Spikes
waren ausnahmsweise normale Laufschuhe und kurze Hosen angesagt.
Die Mitglieder der SU Klagenfurt - allen voran Markus Buchtele - hatten viel Zeit in die Vorbereitung investiert. Das Ziel:
ein Rennen, das sowohl für die Wettkämpfer als auch für die Zuschauer viel Spannung versprechen sollte.
Der komplette Europapark wurde zum Sperrgebiet erklärt und so konnte das Strandbad nur durch einen
speziell für die Wettkämpfer geöffneten Eingang betreten werden. Dieser wurde mit etwas
Verspätung um 14:30 Uhr geschlossen. Dann konnten die Posten in Sichtnähe des Zielbereichs gesetzt werden.
Und als Schmankerl - als sich gegen 14:45 Uhr die Eliteläufer im Startbereich einfinden mussten -
wurden mitten im Strandbad direkt auf der Liegewiese noch einige Posten gesetzt. Die Zuschauer waren
somit direkt ins Geschehen eingebunden.
Pünktlich um 15.00 ging es - beginnend mit Felix Meitzer (MTV Hernals) und Camilla Hellström
(OLC Graz) - im Minutentakt los. Durch ein Tor am Nordende des Strandbads ging es direkt
in den Europapark. Und gleich auf den ersten Metern sahen sich die Läufer nicht nur
mit einer Karte im ungewohnten 1:3500 Maßstab konfrontiert, sondern auch mit zahlreichen
Posten, die den Weg säumten. Da war höchste Konzentration gefordert, um sich nicht
von falschen Posten ablenken zu lassen oder etwa den falschen zu stempeln! Auch der Maßstab
forderte seine Opfer: Karte nehmen, loslaufen und der Versuch sich auf den ersten Metern
einzulesen - schon war man am ersten Posten vorbeigelaufen. Und auch extrem kurze Postenstrecken
stellten eine große Herausforderung an die Läufer dar: ein Blick zu lange auf die Karte
und schon waren auf einer Strecke von 10 Sekunden wertvolle Sekunden verloren.
Während die ersten Läufer ins Ziel kamen und sich dort in einem reservierten Bereich
aufhalten mussten, gingen immer mehr Favoriten ins Rennen. Bei den Damen stellte
am Anfang Julia Polzer (SU Klagenfurt) eine Bestzeit auf, die bis zu den drei letzten Starterinnen hielt: Brie Gschöpf (WAT),
Lisi Hohenwarter (Leibnitzer AC) und Lucie Böhm (ASKÖ Henndorf) gingen als letzte im Minutentakt auf
die Strecke. Brie begann verhalten und nach einem kleinen Fehler bei Posten 6 hatte Lisi schon 20 Sekunden
wettgemacht. Den drohenden Sichtkontakt konnte aber Brie auf auf der folgenden Route quer durch den Park
abwenden und den Abstand auf eine Minute wiederherstellen. Blieb bis Posten 12 Lisi immer mit bis zu 15 Sekunden
voran, zündete danach Brie den Turbo: auf der Pflichtstrecke neben dem Campingplatz schloss sie zeitmäßig auf und im
Campingplatz nahm sie Lisi weitere 15 Sekunden ab. Dass Lisi nach dem Zuschauerposten am Zaun noch leicht patzte,
vergrößerte schließlich weiters den Abstand zwischen den beiden.
Als große Favoritin ging Luci Böhm als letzte ins Rennen. Sie übernahm am Weg zum Posten 1 die Führung
und gab sie bis zum Schluß nicht mehr ab. Lediglich Lisi Hohenwarter konnte mit Lucie
bis Posten 5 bis auf 1 Sekunde mithalten, danach betrug ihr
Vorsprung immer mindestens 15 Sekunden. Im Ziel hatte sie mit 13:49 einen
Vorsprung von 23 Sekunden auf Brie und 53 Sekunden auf Lisi.
Dass aber im Sprint immer mit Überraschungen gerechnet werden muss, zeigte auch dieser Wettkampf: Ursula Polzer (SU Klagenfurt) fehlten schließlich nur
20 Sekunden zum Podestplatz. Besonders gut lief es für Regina Habenicht (SU Klagenfurt) bis Posten 11: aber an zweiter Stelle liegend fand sie
den Posten am Beginn der Pflichtstrecke neben dem Campingplatz nicht und statt 13 Sekunden braucht sie fast 1 1/2 Minuten mehr: Absturz auf Platz 7.
Oder Ulrike Striednig (OLTK): sie überlief gleich den ersten Posten und diese 45 Sekunden Rückstand waren einfach nicht aufzuholen. Blieb Platz 5 statt
dem 30 Sekunden entfernten Podestplatz!
Bei den Herren war die Zahl der Sieganwärter ungleich größer: neben Thomas Krejci (TV Fürstenfeld), der die ersten zwei nationalen Bewerbe dieses Jahres
dominierte, und dem Doppelstaatsmeister des Vorjahres Jan Zazgornik (HSV Baden) ging eine Vielzahl von Läufern auf die Strecke, die
bei einem fehlerfreien Lauf durchaus Chancen auf eine Medaille hatten. Daneben spekulierte wohl auch der eine oder
andere Junior bzw. Senior mit einer möglichen Überraschung.
Mit einem Blitzstart ging es Pierre Kaltenbacher (HSV Wr.Neustadt) an, er setzte sich gleich einmal auf den ersten vier Posten in Führung.
Auch Martin Pongratz (HSV Pinkafeld), Stephan Seeböck (HSV Wr.Neustadt) und Martin Binder (HSV Pinkafeld) begannen besonders flott und
lagen bis Posten 6 vor dem späteren Staatsmeister. Doch kleine Fehler summierten sich, die Konzentration ließ durch die hohe Geschwindigkeit ein wenig
nach und schon hatte man einen falschen Weg erwischt, musste ein Gebüsch oder Blumenbeet extra umrunden oder ließ sich von einem falschen
Posten ablenken: so gegangen Martin Pongratz bei Posten 7 mit 10 Sekunden,
bzw. Martin Binder und Stephan Seeböck bei Posten 14 am Kinderspielplatz. Und dass die Konzentration nicht nachlassen durfte,
zeigte auch der Posten nach der 200m-Pflichtstrecke neben dem Campingplatz. Nach einer Ecke lockte ein falscher Posten zum schnellen Zwicken, der richtige
war allerdings erst 20m weiter.
So setzte sich schließlich doch die Favoriten durch. Ab Posten 10 übernahm Jan Zazgornik die Führung - wenn auch bis Posten 13
teilweise nur mit 2 Sekunden abgesichert - und lief bis ins Ziel einen Vorsprung von 21 Sekunden heraus. Thomas Krejci, der als letzter ins Rennen ging, verlor gleich
bei Posten 2 10 Sekunden und rollte danach das Feld von hinten auf. Nach der Pflichtstrecke beim Campingplatz lag er bei Posten 16 mit Pierre zeitgleich auf Platz 2 - 12 Sekunden
hinter Jan. Anscheinend mit der Dauer des Rennens erst so richtig warm geworden, konnte er dann bei den nächsten 8 Posten 2 Sekunden auf Jan aufholen, während alle
anderen weitere 10 Sekunden dazu bekamen. Erst die Routenwahl zum letzten Posten, vergrößerte wieder den Abstand auf 21 Sekunden: anstatt über die Liegewiese
machte Thomas den Umweg über die Beachvolleyballplätze und am Zieleinlauf vorbei. Letztlich hatte er
noch Glück, dass er mit 4 Sekunden Vorsprung auf Pierre den Zielposten stempelte.
Somit Sieg für Jan Zazgornik vor Thomas Krejci und Pierre Kaltenbacher. Gleich 9 Läufer innerhalb einer Minute zeigt auch, wie knapp das Rennen insgesamt war.
Nachdem in den Eliteklassen die Entscheidungen gefallen waren, begann es um 16:00 Uhr für den Großteil der Zuschauer ernst zu werden. Teilweise auf den gleichen
Bahnen wie die Elite aber immerhin mit dem Wissen, wie die letzten Posten im Strandbad gesetzt waren, wurde der Ranglistenlauf gestartet. Und jeder Läufer
konnte selbst Bekanntschaft machen, mit dem dichten Postennetz, verbotenen Blumenbeeten, Fußballspielern und Kampftrinkern und ohne Beißkorb und Leine herumlaufenden
Hunden. Auch in den Kategorien fielen - durch die Minutenstarts - die Entscheidungen innerhalb von kürzester Zeit: doch es ging nur in einigen Klassen - ob Sieg oder nicht -
tatsächlich um Sekunden. Im Großteil der Kategorien waren die Entscheidungen recht eindeutig. Bei D40 siegte Renate Krauland (SU Abteigymnasium Seckau) sogar mit einem Rekordvorsprung
von über 3 Minuten! Nur in der D19kurz gab es die einzige ex aequo Wertung des Tages: Karin Vogl (ASKÖ Henndorf) und Elisabeth Lemmel (WAT) teilten sich den Sieg.
Eine Schrecksekunde gab es für den Veranstalter, als um 17 Uhr beim Start plötzlich beide Lösch-Posten ihren Dienst einstellten: eine falsche Programmierung war der Grund. Zum Glück waren
aber nur diese zwei Boxen betroffen und nicht die Posten im Gelände. So reagierte die Organisation sehr flexibel, verschob kurzerhand um 10 Minuten den Start, behoben das Problem und danach
ging der Wettkampf ungestört weiter.
Die Siegerehrung fand am Abend im Bereich der Schleppe Eventhalle statt. Auf Grund der danach folgenden Pastaparty
war für eine volle Zuschauerkulisse gesorgt. Zuerst wurden die Sieger der Bundesschul-Vergleichsmeisterschaft
geehrt, danach die Jugendkategorien. Bei den Seniorenklassen wollte man die Siegerehrung etwas beschleunigen, und
fasste die Platzierungen quer über die Kategorien zusammen. Ein leider etwas missratener Versuch, der nicht
ankam. Dass eine Siegerehrung flott, aber trotzdem nett sein kann, zeigt das Beispiel des OLCU Viktring am folgenden Tag.
Mitten in der Preisverleihung für die Staatsmeister stürmten dann plötzlich die Zuschauer zum Buffet.
Dahinter bildete sich dann sehr rasch eine sehr, sehr lange Warteschlange.
Und so schön der Tag bis dorthin verlaufen und so groß die Vorfreude auch war,
der Abend blieb leider weit hinter den Erwartungen zurück: es ist müßig, herumzureden,
wo welche Fehler passiert sind, und dass statistisch gesehen für jeden genug da
war. Auch hatte im Vorjahr der TV Fürstenfeld im Rahmen des Thermenland Opens
vorgezeigt, wie eine Pastaparty funktionieren kann. Fazit ist leider, dass
die meisten von der Veranstaltung enttäuscht waren. Zur Ehrenrettung des Lokals
muss aber erwähnt werden, dass zum Schluß - sozusagen als Rettung in letzter Sekunde -
ein Nachschub mit Leckereien kam, die gar nicht am Speiseplan standen: Chicken
Wings, Spare Ribs, Maiskolben, gefüllte Tacos und sogar verschieden Pizzen. Wer bis
dahin ausgehalten hatte, wurde vielleicht etwas versöhnlicher gestimmt, der Großteil war
zu dieser späten Stunde aber bereits gegangen.
Abgesehen vom Abend kann aber der Veranstalter zufrieden sein: ihm gelang die
Umsetzung eines wirklich spannenden OL-Wettkampfs: neben der Laufkomponente
war Orientierungsgefühl gefragt. Die technische Komponente war natürlich nicht
so anspruchsvoll wie am folgenden Tag, aber durch die Schnelligkeit war
eine hohe Konzentration und durch die Vielzahl der Posten große Genauigkeit
gefordert. Und wohl selten hatten Zuschauer bisher die Möglichkeit, ein Rennen
so intensiv mitzuerleben wie bei diesem Lauf! Nicht umsonst wird gerade
der Sprint-Bewerb bei der WM2003 am Tag der Eröffnung über die Bühne gehen!
Ergebnisse
Fotos
Ein Bericht von Erich Göschl
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Siegerehrung der Eliteklassen

Jan Zazgornik beim Einlaufen

Trotz verpatztem Lauf mit einem großen Foto in der Kärntner Krone:
Eva Ponweiser

Falsche Routenwahl zu Posten 99:
Thomas Krejci

Jeder Sekunde wird auf den Grund gegangen!

Die einzige ex-aequo Entscheidung des Tages: Karin Vogl (ASKÖ Henndorf) und Elisabet Lemmel (WAT) siegten in der D19k

- ohne Worte -

die Premiere ist gelungen:
Markus Buchtele
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