Hoch hinauf: OL auf der Hebalm
ÖSTM Langstrecke, ÖM Nachwuchs- und Senioren, 7.RL und 2.Etappe Thermenland Open
Fernab der Heimat organisierte der TV Fürstenfeld am Sonntag, dem 22. Juni, einen der Höhepunkte des diesjährigen Wettkampfjahres: die Österreichische Staatsmeisterschaft im Langstrecken-OL (ehemals Classic), die Österreichischen Nachwuchs- und Seniorenmeisterschaften, den 7.Ranglistenlauf und die Abschlußetappe des Thermenland Open. Für diesen Event hatten sich Thomas Krejci und sein Team das Gebiet auf der Hebalm ausgesucht, immerhin mehr als eine Fahrtstunde von Fürstenfeld entfernt.
Doch davon war für die Wettkämpfer nicht viel zu merken, denn eine perfekte Organisation empfing sie auch hier. Beginnend mit der Parkplatz-Einweisung durch die örtliche Feuerwehr, weiters einem Zielgelände mit Zielbogen und einem Gastronomiezelt und zum Schluß noch eine große Wiese für die Vereinszelte. Und da soviel Einsatz belohnt gehört, zeigte sich auch das Wetter wieder von seiner besten Seite. Strahlender Sonnenschein, aber - sicherlich bedingt auch durch die Höhe von 1300 Metern - angenehme Temperaturen. Besonders interessant versprach das Rennen auch wieder für die Zuschauer zu werden, ging doch die Bahn der Eliteklasse gleich 2x am Ziel vorbei. Man sollte sozusagen im Vorbeilaufen über den Stand der Dinge unterrichtet werden.
Als zusätzliches Schmankerl bot der TV Fürstenfeld - wie bereits am Vortag - einen kleinen
Kartenausschnitt mit einigen Posten zum Aufwärmen an. Damit konnte man sich auch am Weg zum Start ein wenig an die Karte gewöhnen, waren doch die Signatur für umgefallene Bäume in Form eines grünen T für die meisten ungewohnt. Aber auf Überraschungen musste man an diesem Tag sowieso eingestellt sein. Obwohl durch die Läuferinformation vorgewarnt, war es doch ein kleiner Schock, als man in den langen Kategorien die Karte in die Hand bekam. Denn mit 49x50cm (Vergleich: ein aufgeschlagener (!) KURIER hat 45x60cm) hatte man plötzlich ein
ziemlich großes Werk in der Hand. Da musste man schon sehr oft umfalten, um nicht den Kontakt zu den aufgedruckten Posten zu verlieren. Dazu kamen noch Postenabstände, die quer über die ganze Karte gingen (bei H35 zB eine 30cm Linie!). Man war also gut beraten, stehenzubleiben und sich seine Route genau anzusehen, denn eine falsche Routenwahl konnte einen schon recht früh aus dem Rennen werfen. Und doch waren es genau diese langen Routenwahlen, die dann nach dem Rennen besonderen Zuspruch erhielten, schließlich bekommt man solche Leckerbissen nicht jeden Tag vorgesetzt. So grübelte auch nach dem Rennen noch so mancher Läufer über Alternativen zu seiner gelaufenen Strecke.
Keine Ahnung, ob Jan Zazgornik am Start zu lange über seine Strecke nachgedacht hat, oder ob er sich am Weg zum 1.Posten vertan hat. Fakt ist, dass er gleich am Anfang fast 2 Minuten auf Norbert Helminger verlor. Das gleiche Problem hatte auch der Zweite vom Vortag Ferenc Levai. Dieser brauchte 7:25 zum 1.Posten und somit fast 5 Minuten länger als die Bestzeit. So gesehen starteten Felix Breitschädel und Christian Mohn ganz gut ins Rennen. Nach 3 Posten quasi zum Aufwärmen folgte eine lange Strecke quer über die Karte. Bei einer Streckenbestzeit von 26:11 (aufgestellt von Jürgen Egger) kann man erahnen, dass hier Einiges von den Läufern abverlangt wurde. Sowohl Norbert als auch Felix bewältigten die Strecke ebenfalls in 26 Minuten und setzten sich somit an die Spitze des Feldes. Jan, der 27:10 brauchte, patzte dann auch noch bei Posten 6 und lag somit nach einem Drittel des Rennens bereits 3 Minuten hinter dem Führenden.
Im 2.Drittel war das Bild fast unverändert. Nur Thihomir Salopek vom OK Ris - anscheinend Spezialist für lange Routenwahlen - setzte sich plötzlich vor Felix und Norbert an die Spitze. Und den Sieg schon fast sicher in der Tasche ließ er eine Viertelstunde vor dem Ziel plötzlich 5 Minuten bei Posten Nr.24 liegen. Blieb nur Platz 8. Total gegensätzlich dazu verlief das Rennen für Jan Zazgornik, der besonders zum Schluß immer stärker in Fahrt kam. Bei 66 Minuten noch 3 Minuten im Rückstand, übernahm er nach über 100 Minuten erstmals in dem Rennen die Führung und gab sie bis ins Ziel nicht mehr ab. Neue Bestzeit mit 109:03! Besonders bitter für den bis dahin führenden Felix Breitschädel, hatte er doch seinen Rückstand von 1:24 erst auf den letzten 10 Laufminuten aufgerissen. Und noch ärgerlicher für Norbert Helminger, der seine 50 Sekunden Rückstand sogar erst in den letzten 7 Laufminuten einfing. Somit - dank besonders starker Schlußleistung - Jan Zazgornik (HSV Baden) neuer Österreichischer Staatsmeister im Langstrecken-OL in 109:03, 2. Platz für Norbert Helminger (ASKÖ Henndorf) in 109:51 und 3. Felix Breitschädel (ASKÖ Henndorf) mit 110:27.
Bei den Damen ein ähnlich knappes Rennen. Andrea Eisl patzt ein wenig zum ersten Posten, erwischt dafür die darauf folgende lange Routenwahl mit 17:32 perfekt. Nur Lisi Hohenwarter schafft mit 17:33 eine genauso gute Zeit und setzt sich damit an die Spitze. Alle anderen - darunter auch Brie Gschöpf - verloren mehr als 1 Minute, durchschnittlich sogar 3 Minuten! So lief Lisi auch gleich bei Posten 2 auf die vor ihr gestartete Eva Makrai vom ungarischen Nationalteam auf und hing sie am Weg zu Posten 3 gleich wieder ab. Doch diese kämpfte sich zurück und kurze Zeit später wird auch Christine Gathercole von den beiden eingeholt. Lisi schaffte es noch einmal, die beiden abzuhängen, doch diese bessern ihren Fehler aus und schlossen wieder auf. Bei der langen Routenwahl zu Posten 11 riss dann Christine vom Trio ab. So matchten sich Lisi und Eva auf den letzten 7 Posten. Zeitgleich stempelten sie den letzten Posten und Lisi lief mit fast 1 Minute Vorsprung auf Andrea Eisl ins Ziel! Diese erwischte - nachdem sie im Mittelteil schon 4 Minuten Rückstand auf Lisi angesammelt hatte - auch die 2. lange Strecke perfekt und holte über 2 Minuten auf! Bis ins Ziel gelang es ihr, den Rückstand weiter zu verringern, schließlich blieb es aber doch bei Platz 2 in der Staatsmeisterschaftswertung. Diesen Platz lange Zeit im Visier hatte auch Brie Gschöpf, doch im letzten Drittel des Laufes verspielte sie ihren Vorsprung auf Andrea, und im Ziel fehlten ihr fast 3 Minuten auf die Silbermedaille. Endwertung ÖSTM: 1. Lisi Hohenwarter (Leibnitzer AC) mit 78:37, 2. Andrea Eisl (ASKÖ Henndorf) mit 79:33 und 3. Brigitte Gschöpf (WAT) mit 82:10.
Spannende Rennen auch in anderen Kategorien: in der H55 entschied eine einzige Sekunde zu Gunsten von Curt Maier (OLCU Viktring). Leopold Tonka (HSV Wals) holte ab der Mitte der Strecke
kontinuierlich auf und doch ging es sich - trotz eines gewaltigen Zielsprints in nur 25 Sekunden! - um Haaresbreite nicht aus! In der H40 waren die ersten drei - Claus Hermann (HSV Wr.Neustadt), Hannes Pacher (SU Schöckl Orienteering) und Sigi Opetnik (HSV Bleiburg) - nur 20 Sekunden auseinander. Zwischen diesen wechselte während des gesamten Laufes ständig die Führung hin und her, erst die Strecke zu Posten 99 brachte die Entscheidung und Claus Hermann den Sieg!
Mit etwas Verspätung begann im Gelände des nahe gelegenen Dom des Waldes die sehr gut besuchte Siegerehrung. Dunkle Wolken mahnten die Organisatoren dann etwas zur Eile und so ging - nachdem die Preisverleihungen in den Meisterschaftskategorien vorbei waren - schließlich die Thermenland Open-Gesamtwertung etwas in der Menge der zu Ehrenden unter.
Der TV Fürstenfeld konnte danach aber trotzdem aufatmen, hatte er doch in den letzten 4 Tagen Orientierungslauf vom Feinsten geboten. All den Mitarbeitern und -helfern sei von dieser Seite ein großes DANKE! ausgesprochen und vielleicht finden sich ja noch einige Gratis-Gutscheine für die Therme Loipersdorf. Erholt euch, spannt aus, lasst es euch gut gehen und sammelt eure Kräfte, denn ihr habt euch für das Thermenland Open 2004 die Latte selbst sehr hoch gelegt!
Ergebnis
Fotos
Ein Bericht von Erich Göschl
PS: Liebe Leute! Sich beim Veranstalter zu beschweren, dass die Ergebnisse vom Samstag am Sonntag abend noch nicht im Netz waren, finde ich persönlich ein starkes Stück. Die Fürstenfelder Crew war ziemlich im Einsatz, um alles perfekt zu organisieren, da gehört das online stellen der Resultate sicher nicht zu den Top-Prioritäten. Noch dazu, wenn man bereits 3 Tage Posten setzen und abräumen in den Beinen hat!
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Hebalm: Die Natur erlaufen
Gold in H20 für Michi Stroi
Der Weg zum Posten 99 entschied für Claus Hermann
Hat die Ruhe weg: 1 Sekunde Vorsprung für Curt Maier
Der Dom des Waldes
Tolles Ambiente bei der Siegerehrung
Die Staatsmeister 2003
Siegerehrung Gesamtwertung Thermenland Open 2003
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