Bahnleger-Spezialkurs
am 20./21.3.2004 in Graz+Weinitzen
Am Wochenende: 20.+21.3. fand in Graz-Weinitzen und Kumberg
ein von der ÖFOL-Ausbildungskommission organisierter Bahnleger-Spezialworkshop
statt. Hauptthema dieser 2 Seminartage waren in erster Linie die vom
ÖFOL-Vorstand neu eingeführten Jugendleistungsklassen und ihre Auswirkungen auf
die Bahnlegung eines ÖFOL-Wettkampfes. An die 20 Teilnehmer – schön aufgeteilt
auf beide Tage – und wirklich aus ganz Österreich (inklusive Vorarlberg)
zeugten dafür, das dieses Thema vielen verantwortlichen Bahnlegern, Trainern,
Organisatoren und Technischen Deligierten wirklich am Herzen liegt. Ein
umfangreiches 2-tägiges Programm wurde vom Hauptreferenten und Kursleiter
Wolfgang Pötsch zusammen mit Michael Melcher ausgearbeitet und angeboten.
Sowohl Theorie, als auch praktische Übungen im Gelände, sowie auch umfassende
Diskussionseinheiten rundeten dieses Intensivprogramm ab.
Jugendreferent Markus Buchtele – der Initiator der neuen
Regelung – war auch maßgeblich am Zustandekommen dieses Workshops beteiligt. In
der samstägigen Kurseinführung erläuterte er den OLern ausführlich die
Zweckmäßigkeit dieser neuen Einteilung der Jugendklassen und Bahnen.
Natürlich, dass es diesbezüglich geteilte Meinungen gibt,
gleich ist jedoch allen, das Beste für unseren OL-Nachwuchs zu wollen.
In der ersten Diskussionsrunde – anschließend an diese
vormittägige Präsentation – konnte jeder seine Meinung offen darlegen und diese
auch durch stichhaltige Pro- und -Contra-Argumente untermauern bzw. begründen.
Deutlich wurden hier die unterschiedlichen Ansichten der jeweiligen
Gruppierungen sichtbar, doch konnten viele Vorurteile und/oder
Fehlinformationen ausgeräumt werden.
Während also die beruflich pädagogisch tätigen OLer die
spielerische Heranführung an die Spitze bevorzugen, versuchen die professionell
eingestellten Eltern und OL-Funktionäre durch frühzeitige Leistungsorientierung
(wie in anderen OL-Spitzenländern) unsere Kids langsam, über Jahre hinweg
aufzubauen und an die Weltklasse heranzuführen. Auf alle Fälle ein sehr heikles
Thema, das äußerste Sensibilität verlangt. Und natürlich sind alle davon
überzeugt, daß Markus Buchtele und sein Betreuerteam den richtigen Weg gehen
und sich früher oder später der gewünschte Erfolg einstellen wird.
In der frühen Nachmittagssitzung wurde dann von Wolfgang
Pötsch Jugendbahnen von allen möglichen OLs der letzten Jahre analysiert. Gute
Bahnbeispiele wurden zur Nachahmung hervorgehoben, auf mögliche Fehlerquellen
wurde bei weniger guten OL-Bahnen hingewiesen, um solche Problemstellungen in
Zukunft vermeiden zu können.
Vor allem aber wurden hier die wesentlichen Unterschiede
zwischen Standard- und Leistungsbahnen ausgearbeitet und vorgestellt. In
weiterer Folge sollten diese Normen von allen RL-Bahnlegern umgesetzt werden
und von deren TDs überwacht und nötigenfalls korrigiert werden.
Im Vergleich zu den bisherigen Jugendbahnen für H/D13-14 und
H/D15-16 sollten die Bahnen für L-Klassen einen Schwierigkeitsgrad darüber
liegen, also angehoben werden, während Standardklassenbahnen eher leichter
gemacht werden sollten, um den schwächeren Läufer(innen) v.a. den nötigen
Erfolg (durch schnelles Postenauffinden) vermitteln zu können.
Viel mehr Wert sollte von Bahnlegerseite in jedem Fall auf
den 1.Posten gelegt werden. Dieser sollte
allgemein für alle Jugendklassen zum "Einlaufen" dienen, und nicht bereits zur
Auslese! Daher sollte dieser wichtige erste Posten nicht allzu schwer (eher
leicht) sein; ab dann jedoch soll quasi das Rennen freigegeben sein! Diese und
andere wichtige Erkenntnisse und deren Umsetzungen wurde hier gemeinsam
erarbeitet.
Sämtliche Ergebnisse und Anregungen dieses Workshops werden
in den nächsten Wochen schriftlich dokumentiert und werden dann in einem
Skriptum für alle OLer verfügbar sein.
Der restlichen Nachmittag diente einer praktischen
OL-Geländeeinheit. Gemeinsam mit dem steirischen Jugendkader wurde
vergleichsweise sowohl eine 13-14-Standardklassenbahn, als auch die dementsprechende
Bahn der Leistungsklasse getestet. Ebenso konnten Bahnen für 15-16jährige
Schüler im Gelände miteinander verglichen werden. Eine wichtige Erfahrung für
so manchen „alteingesessenen“ OLer, wie man sich nachher unisono einig war.
Selten genug hat man als erwachsener Funktionär die Gelegenheit, derartige
Vergleiche am „eigenen Leib“ austesten zu können.
Im Anschluß an diese Geländeübung traf man sich dann zur
abendlichen Großdiskussion, zusammen mit allen Jugendlichen in der steirischen
Landesturnhalle (steirisches „Haus des Sports“). Unter der Moderation von
Günter Kradischnig, sowie dem Landesbetreuer Jürgen Hartinger, demonstrierte
der steirische OL-Nachwuchs auf Großbildwand ihre gelaufenen Routen, erklärten
ihre Fehler und analysierten ihr individuelles Laufverhalten. Frage- und
Antwortspiele zwischen den Seminarteilnehmern und den Jugendläufern ergaben
wertvolle Schlußfolgerungen, v. a. für Bahnleger solcher OL-Kurse: zu Wissen
wie jugendliches Denken, Interpretieren und Kombinieren funktioniert. Für alle
Bahnlegerkursteilnehmer ein äußerst wertvolles Brainstorming.
Der Sonntag morgen begann wieder mit einer theoretischen
Einheit. Es wurde ein von Markus Buchtele zusammengestelltes Modell der Bahnlegungskriterien
für verschiedene Schwierigkeitsstufen vorgestellt. Dieses schwedische
Grundmodell wurde von Gunnel Nilsson ins Deutsche übersetzt und soll nun nach
diesem Seminar nach österreichischem Muster neu erstellt und auf unsere
mitteleuropäische, alpine Verhältnisse angepasst werden. Basis hierfür ist das
Konzept der "Schwierigkeitsstufen der
österr. OL-Bahnen", das von sehr leicht, leicht, mittel,
schwierig bis sehr schwer reicht.
In weiterer Folge wurden die in Österreich üblichen
Klasseneinteilungen auf diese 5 Schwierigkeitsgrade aufzuteilen versucht, was
natürlich nicht immer ohne Diskussion vonstatten ging. [Einteilung und
Zuordnung österr. Kategorien in verschiedene Niveaustufen]
Daraus resultierend wurde nun versucht, sinnvolle
Bahnzusammenlegungsvarianten von
ähnlich starken Klassen in den verschiedenen Wettkampfformen zu generieren.
Hierzu wurden Kleingruppen gebildet, die dies a) für den klassischen OL b) für
den Sprint und c) für den Marathon-OL ausarbeiteten.
Eine Problemstellung trat hierbei immer wieder zutage:
die Einteilung bzw. die bestehende Regelung in den allgemeinen Herrenklassen
stieß immer wieder auf heftige Diskussionen. Vor allem kam immer wieder die
Fragestellung: was macht ein OL-Quereinsteiger (Allg.Klasse, Junior oder
Senior), der einige Male Direktbahnen gelaufen ist, dem aber der Umstieg auf
H21 Kurz oder Lang zu schwierig ist? Früher, – betonten die Seminarteilnehmer – gab es Klasseneinteilungen mit
verschiedenen Niveauunterschieden: E,A,B,C + Neulinge [heute Direkt]. Wenn man
nun A und B ev. mit H/DKurz und H/Dlang vergleicht, bleibt trotzdem eine Lücke
für diese Hobbyläufer!?!
Leistungsschwächere Senioren (über 35) und unerfahrenere Jugendliche (ab
17), die nach ihrem Aufstieg aus der H/D15-16Standard, in die 17-18Klasse
kommen würden (mit Streckenlängen über 7km und hohem Schwierigkeitsgrad),
bleibt somit nur ein Umstieg in die H21 Kurz (die ebenfalls technisch
anspruchsvoll aber kürzer ist), oder läßt in eine zumeist uninteressante
Direktbahn ausweichen. Der Ruf nach einer Hobbyklasse (vormals H B oder C) mit
der Schwierigkeitsanforderung von leicht bis max. mittel, für alle
Läufer(innen) von 18 bis etwa 55 Jahren wurde wieder laut.
Abschließend wurden sowohl alle konkreten Ergebnisse als
auch die festgestellten Problemstellungen protokollarisch festgehalten; diese
werden in einer eigenen Arbeitsgruppe nun entsprechend ausformuliert und den
ÖFOL-Gremien übergeben.
Den inoffiziellen Abschluß dieses Workshops bildete am
Sonntag nachmittag eine Teilnahme am Südostcup-Finale in Kumberg, im Osten von
Graz. Etliche Teilnehmer am Seminar nutzten diese Gelegenheit, um sich nach
intensiven "geistigen Mühen" nun dem "Körperlichen" hinzuzgeben.
Die nächste Ausbildungsinitiative findet bereits in einer
Woche statt. In Leibnitz findet der Übungsleiterkurs (3.Teil) sowie neu: ein offenes Modul für
Quereinsteiger ins Übungsleitergeschehen statt. Nähere Infos hierzu bei der
Ausbildungskommission (mm@oefol.at) [siehe auch
Ausschreibung]. Alle interessierte OLer sind hierzu herzlich willkommen.
Ein weiterer Spezialworkshop der Kommission für Aus- und
Weiterbildung wird zusammen mit der Kartenkommission am Samstag 1.Mai
(Feiertag), vonstatten gehen. Geplant ist eine Exkursion zum Thema Kartendruck
in die Druckerei "Eisl&Friends"in St.Gilgen. Das Ganze sollte Vorprogramm
zum 2.RL-OL (2.Mai in Henndorf) sein und auch zeitlich so angesetzt sein, daß
auch noch bei den OLs am 1.Mai in Linz oder Hellbrunn bei Salzburg teilgenommen
werden kann. [Näheres hierzu ergeht in Kürze]
Eine weitere Folge dieses Workshops ist die Initiative der
Bildungskommission, den BAHNLEGERWETTBEWERB wieder einführen zu wollen.
Dadurch sollte der qualifizierte Umgang mit Jugendbahnen noch mehr bewußt
gemacht werden.
Näheres dazu ergeht nach Ostern. Ab dem 1.RL-OL sollte
dieser "Trockentrainings-Wettbewerb" starten. Eine 5köpfige Jury soll die
besten Bahnen auswählen und diese sollen bei der ÖFOL-Gala prämiert werden.
Fotos
Schwierigkeitsstufen der österr. OL-Bahnen
Schwierigkeitsstufen von OL-Bahnen in Schweden
für die Ausbildungskommission
Michael Melcher
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