Die Saison 2004 ist gestartet ...
Österreichische Meisterschaften im Marathon - OL am 18.April in Eberndorf
Man durfte gespannt sein. Bereits im vorhinein verstand es der OLCU Viktring mit der Herausgabe einer Vorinformation, die auch die Streckenlängen umfasste, Lust auf diesen Lauf zu machen: von einer Karte, die fast 19km² des nahezu flachen Waldgebiets Dobrowa umfassen sollte, war da die Rede. Nun, am 18.April fanden sich über 500 Wettkämpfer ein, um sich selbst davon zu überzeugen.
Hatte es am Vortag noch geregnet, zeigte sich das Wetter am Sonntag wieder von seiner besten Seite. Die Hauptschule in Eberndorf bildete das Wettkampfzentrum, der Sportplatz davor wurde
zur großen Lagerwiese umfunktioniert. Die OL-Gemeinde weiß, wie man solche Läufe genießt.
Neue Saison, alles beim alten?
Wenn Lucie Böhm am Start steht, dann ist sie auch die Favoritin. 1998 war sie das letzte Mal bei der Marathon-Strecke (damals hieß sie ja noch schlicht Langstrecke) angetreten und hatte gewonnen. Seitdem hat sie aber immer auf einen Start verzichtet, die Goldmedaillie anderen überlassen. Dieses Jahr war sie aber wieder mit dabei und auch wenn am Schluß wieder der 1er vor ihrem Namen stand, eine klare Sache war der Sieg nicht. Andrea Eisl legte am Anfang ein gewaltiges Tempo vor, da hatte selbst Gerhard Hubmann, der Sieger der auf der gleichen Bahn laufenden Herren40 das Nachsehen. Am Weg zu Posten 6 - der ersten längeren Teilsstrecke - aber dann der Rückfall. Doch nie wurde der Rückstand auf Lucie größer als 2 Minuten und als Andrea am Weg zu Posten 15 nach knapp 70 Minuten eine ideale Route erwischte, lag sie sogar wieder in Führung. Doch wie gewonnen so zerronnen. Ein 2-Minuten-Fehler bei Posten 17 kostet die Sensation. Aber die Silbermedaille ist ja auch kein schlechtes Trostpflaster.
An einer Sensation vorbeigeschrammt ist auch Michaela Gigon, denn auch sie hatte bei Posten 15 grad mal 4 Sekunden Rückstand auf die spätere Siegerin Lucie Böhm. Doch auch bei ihr folgte eine Suchaktion - gemeinsam mit Brie Gschöpf forschte man nach Posten 16 fast 2 Minuten vergeblich. Als sie ins Ziel kam, fixierte sie eine klare neue Bestzeit. Wie gut diese war zeigte sich kurz darauf, als die Vorjahrssiegerin Lisi Hohenwarter mit 37 Sekunden Rückstand den Zielposten stempelte. Damit begann das neue Jahr für sie, wie das alte geendet hatte: auf Bronze bei der Nacht-MS 2003 folgt Bronze bei der Marathon-MS 2004.
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Lucie Böhm, Andrea Eisl und Michaela Gigon
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Endstand somit: Gold für Lucie Böhm vor Andrea Eisl (beide ASKÖ Henndorf) und Michaela Gigon (OLT Transdanubien)
Der König wankte, aber er fiel nicht
2003: Krejci vor Hohenwarter und Helminger. 2002: Krejci vor Hohenwarter und Helminger. Man durfte also gespannt sein, ob es 2004 wieder zu einer Wiederholung des Klassements kommen sollte.
Michael Hohenwarter ging mit Startzeit 17:00 als erster dieses Trios ins Rennen und fixierte mit 165:55 ein Richtzeit, mit der er ganz zufrieden sein durfte. Denn auf die 2 Leibnitzer Andreas Pölzl und Florian Kölbl hatte er immerhin 12 Minuten Vorsprung. Das es an diesem Tag nicht für Silber reichen sollte, ahnte er aber vielleicht, nachdem er die Zwischenzeiten von Norbert Helminger und Thomas Krejci gehört hatte. Blieb ja noch immer Bronze. Aber Gefahr drohte hier hingegen von vollkommen ungewohnter Seite: "Junior" Thomas Hudax, der erstmals in der Elite startete, und "Senior" Roland Arbter, der es nocheinmal wissen wollte, zeigten an diesem Tag ihre Klasse. Nicht mal 3 Minuten fehlte den beiden schließlich nur zu einer Medaille.
Zu einem äußerst spannenden Zweikampf entwickelte sich das Duell von "Seriensieger" Thomas Krejci und Norbert Helminger. Beim Verpflegsposten nach einer knappen Stunde hatte Norbert
fast 2 Minuten Vorsprung herausgeholt und es wurden fast 4 Minuten daraus, als Thomas
am Weg zu Posten 14 nochmals 3 Minuten liegen ließ. Aber das war dann auch der letzte Fehler,
den Thomas an diesem Tag machen sollte.
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Ob bergauf oder beim Zielsprint: Thomas Krejci kämpft bis zum Umfallen!
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Nach 84 Minuten Laufzeit beginnt dann auch ein vollkommen neues Rennen, als fühlte er sich jetzt erst richtig warmgelaufen. Konzentriert holt er den kompletten Rückstand auf und bei Posten 26 - zwei Posten vor dem Ziel - stempeln Norbert und er auf die Sekunde genau gleich! Posten 27 - oberes Ende einer Rinne - verlangt den Wettkämpfern nocheinmal alles ab. Thomas erklomm den Posten, als existierten keine Höhenmeter und bis ins Ziel holte er bei einer Laufzeit von ca. 7 1/2 Minuten noch über 1 Minute Vorsprung heraus. Völlig entkräftet blieb er im Ziel liegen. Mit der Gewissheit gewonnen zu haben, denn erst später sollte er merken, dass der Sieg diesmal am seidenen Faden hing.
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Thomas Krejci, Norbert Helminger und Michael Hohenwarter
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Somit 2004 ein wenig Abwechslung im Endklassement: Thomas Krejci (TV Fürstenfeld) vor Norbert Helminger (ASKÖ Henndorf) und Michael Hohenwarter (NF Villach)!
Die Zeit bis zur Siegerehrung wurde von der Musikkapelle Eberndorf-Kühnsdorf kurzweilig
gestaltet, die Freiwillige Feuerwehr übernahm die leibliche Versorgung der Wettkämpfer.
Eine überdimensionale Karte mit dem Postennetz war auch ausgehängt, die interessiert betrachtet und sich gut für diverse Analysen verwenden ließ.
Die Siegerehrung wurde von Ansprachen eröffnet, Reinhold "Pote" Pototschnik bekam sein Werk von allen Eliteläufern unterschrieben überreicht. Die Überreichung der Preise ging flott voran, nur einmal kurz unterbrochen, als Erik Adenstedt nach einer Laufzeit von 4 Stunden und 40 Minuten unter Beifall des Publikums das Ziel erreichte. Ein echter Marathoni halt ... Den Abschluß bildete wie üblich die Ehrung in den Eliteklassen. Doch da hatte dann das Wetter kein Einsehen mehr und ein kurzer Platzregen leerte den bis dorthin gut gefüllten Platz binnen Sekunden.
Was noch auffiel
Dass die Orientierungskomponente an diesem Tag nicht unbedingt im Vordergrund stand, bemerkte
nicht nur Lucie Böhm, als sie gleich nach ihrer Zielankunft von Goggi interviewt wurde. Dass aber das dichte Wegenetz sehr wohl eine hohe Konzentration erforderte, wird durch so manchen Fehler - auch in den Eliteklassen - aufgezeigt.
Vielleicht lag es ja an diesen besonders schnellen Laufstrecken, dass in einigen Kategorien die Siegerzeit bis zu einer viertel Stunde unter dem vorgegebenen Richtwert lag. Man sollte aber in dieser Hinsicht aufpassen, dass in den Seniorenklasse auch wirklich ein signifikanter Unterschied in den Laufzeiten zwischen Marathon-MS und Langstrecken-MS besteht. So lag 2003 die Siegerzeit bei der Senioren-MS in H35 auf der Hebalm bei 80 Minuten, hier bei der Marathon-MS bei 88 Minuten. (Als Richtwerte vorgegeben sind 70 und 105 Minuten). (Anm d. Autors: Mir persönlich war es lang genug, aber ich hab auch ein wenig das Wintertraining vernachlässigt...)
Die Karte in Plakatgröße war in den langen Kategorien sicher eines der Highlight des Tages. Die passende Falttechnik und den Finger immer am richtigen Platz zu haben, war eine echte Herausforderung. Gleichzeitig sei aber bemerkt, dass gerade für die Marathon-MS der Maßstab 1:15000 vorgesehen ist. In Schweden lief in dieser Beziehung sogar eine Diskussion mit dem Grundtenor: "bei 1:15000 muss mehr zusammengefasst und generalisiert werden, nicht jede Kleinigkeit ist kartierungswürdig".
Aber es sind gerade die Kleinigkeiten, die eine Veranstaltung besonders auszeichnen. So war z.B. in der Pension in Eberndorf am schwarzen Brett die Läuferinfo des Laufs angeschlagen. Da weiß man, dass man als Gast gerne gesehen ist!
Dem OLCU Viktring und seinen Mitarbeitern sei auf jeden Fall gedankt für diesen ausgezeichneten Saisonauftakt.
Fotos
Ergebnisse
Kommentare zur Veranstaltung
Ein Bericht von
Erich Göschl
mit Fotos von T.Ballik, H.Kolar, M.Melcher und M.Huber
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