WOC2004: Im Interview Andrea Eisl
Västerås (Schweden) vom 11.-19.September 2004
Andrea Eisl erreichte bei
der WM2004 in der Langdistanz mit dem 22. Platz ein
beachtliches Ergebnis, den gleichen Rang wie bei der
WM2003 in Rapperswil, dort aber im Sprint. Über ihren
Lauf und ihr sportliches Umfeld sprach sie mit Hans
Kolar.
Andrea, wie war dein Lauf?
Ich kann es noch gar nicht
glauben, dass ich heute das erhoffte Top25-Ergebnis
erreicht habe. Zwar nicht in der Mittel oder
Sprintdistanz, aber in der Langstrecke. Dass ich mich so
motivieren konnte … Es war jedenfalls hart erkämpft.
Du hast sozusagen in der Königsdisziplin des OL
zugeschlagen …
Es hat jede Disziplin ihre Eigenheiten
und Schwierigkeiten, aber bei der Langdistanz ist es so,
dass du wirklich bis zum Schluss kämpfen musst, auch
wenn es "zach" ist, und dass nur die
Härtesten durchkommen.
Heute warst du cool am Start, hast locker den ersten
Posten gefunden …
Ich habe total ruhig begonnen, mir
wirklich Zeit genommen, dass ich alles mitlese und immer
sicher bin wo ich bin. Das hat sich dann so fortgesetzt
und mit dem guten Finden der Posten habe ich die
Sicherheit bekommen, hatte keinen "Schlenkerer"
und bin da ein einsames Rennen gelaufen, habe niemanden
gesehen oder gehört, mir für mein Orientieren Zeit
genommen. Zum neunten Posten habe ich die Zsuzsa Fey
getroffen, die ist hinter mir gestartet und da war ich
recht froh, weil sie ist eine sichere Orientiererin und
wir haben recht gut zusammen gearbeitet. Das war sicher
auch ein wenig Glück. Aber es war wichtig, denn beim
Zuschauerposten, wo es mir schon dreckig gegangen ist
hätte ich sagen können, ich mag nicht mehr, ich kann
nicht mehr, aber ich habe dann weiter"gebissen"
bis zum Ende.
Wie lang war die Schleife nach dem Zuschauerposten?
So etwa eine Viertelstunde, es ging dann recht steil
bergauf und Zsuzsa legte ein enormes Tempo vor, ich
konnte mithalten - am Hügel oben habe ich mich dann
wieder erfangen. Vorher, nach dem Zuschauerposten, habe
ich fast übersehen, dass hier die letzte
Trinkmöglichkeit ist. Ich bin mit Zsuzsa dann ins Ziel
gekommen.
Hattest du unterwegs das Gefühl, es könnte ein
guter Lauf werden?
Ja, man macht Spekulationen. Ich habe
bemerkt, wenn mich Zsuzsa, eine Top20-Läuferin, erst
beim 8. Posten einholt, kann es nicht so schlecht sein.
Das motiviert und macht den Kopf freier und körperlich
stärker.
War das Gelände vergleichbar zum Trainingslager
hier?
Ja, leichter - von der Belaufbarkeit. Ich war
überrascht, dass ich eine 95er Zeit laufen konnte, denn
bei der Quali - der Österreich-Ausscheidung - bin ich
bei den Herren mitgelaufen und war 2 Stunden 7 Minuten
unterwegs für die 11 km und 500 Hm und dachte: "Oh
Gott, soll ich die Langdistanz laufen?" Ich habe
mich ja wirklich nicht auf die Langdistanz
spezialisiert.
Vielleicht kommt dir deine verbesserte "OL-Geschwindigkeit"
zugute?
Ich denke, dass ich heuer große Fortschritte
gemacht habe. Da möchte ich zwei Leuten besonders
danken: Meinem Trainer Walter Dungl, der mich seit
eineinhalb Jahren trainiert - wir haben tagtäglich
Gespräche übers Training, er war einer, der mich bei
jedem Wetter losgeschickt hat, mir den "Tritt in
den Hintern" gegeben hat, sowie meinem Mentalcoach
Markus Aringer, dem habe ich auch sehr viel zu
verdanken, das Mentale ist eine sehr wichtige
Komponente. Nicht vergessen möchte ich hier auch auf
meine Ausrüster Roland und Karin Vogl.
Hast du dich im heurigen Jahr mehr vorbereitet als in
den letzten Jahren?
Zum einen habe ich ein qualitativ
höheres Training gehabt als bisher, wo bei meinen
Schwächen angesetzt wurde und mein siebenwöchiger
Skandinavienaufenthalt heuer im Sommer war sicher auch
sehr wichtig.
Wie weit ist Lucie noch für dich Trainingspartnerin
oder Vorbild?
Die Lucie ist nach wie vor eine gute
Freundin und wir trainieren - wenn wir in Österreich
sind - mindestens einmal pro Woche miteinander und wir
plaudern viel darüber, auch über ihre Vergangenheit.
Sie gibt mir viele Tipps, es sind oft nur kleine Etzes,
aber die machen das Kraut dann fett, es taugt mir sehr
mit ihr. Und von jemandem mit dieser Erfahrung nimmt man
die Ratschläge ganz anders auf, geht mit viel Vertrauen
ins Rennen.
Ich nehme an, du wirst nächstes Jahr zur WM nach
Japan fahren wollen …
Ich sage, Geld regiert die Welt,
ich finde es nicht gut, dass wir heuer alles (die Kosten
dieser WM-Teilnahme) selbst zahlen mussten. Aber wir
haben es früh genug erfahren und es ist jetzt kein
Thema mehr. Aber ich finde es schade, dass dafür kein
oder zu wenig Geld vorhanden ist. Nach diesem Erfolg
heute … möchte ich schon wieder fahren.
Der nächste Schritt, soll da im Ergebnis ein Einser
vorne sein?
Der nächste .. ich bin ja noch jung - 23.
Dieses Ergebnis gibt mir Aufwind, das motiviert.
Welchen Schwerpunkt wirst du künftig haben - Sprint
und Mittel, vielleicht erst später die Langdistanz?
Mein Hauptziel in den nächsten Jahren wird sein und
muss sein Skandinavien. Ich glaube, der Weg an die
Spitze geht nur über Skandinavien. Technisch so sicher
werden, dass eine Top25-Platzierung immer drinnen ist,
auch mit Fehlern und körperlich bin ich bei meinem
Trainer in guten Händen. Vor der WM in Tampere war ich
7 Monate in Finnland. Das ist einfach genial, wenn du
2-3 mal die Woche auf so eine Karte gehst, du verlierst
die Scheu vor dem Wald. Ich habe heuer auch mit der
Simone (Niggli-Luder) und der Jenny (Johansson) darüber
gesprochen. Was sie sagen, was die Schwierigkeit für
Nichtskandinavier ist? Es beginnt beim Laufen, das ist
komplett anders, man muss vom Laufstil anders Laufen und
erst wenn man beim Laufen nicht immer Hinschauen muss wo
man hin steigen kann, dann beginnt das ordentliche
Karten lesen und Vorauslesen. Die Jenny trainiert z.B.
nur im Wald.
Ich wünsche dir viele weitere Erfolge.
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