WOC2004 Sprint-Finale: Der Nervenfetzer
Västerås (Schweden) vom 11.-19.September 2004
Die ersten Entscheidungen bei der WM 2004 sind gefallen - die Weltmeister im Sprint stehen mit Simone Niggli-Luder aus der Schweiz und Niclas Jonasson aus Schweden fest. Die Veranstalter haben damit bereits im ersten Anlauf "ihren" Weltmeister erreicht. Österreichs Vertreterin im Finale, die Salzburgerin Andrea Eisl erreichte mit einem fehlerfreien Lauf den schönen 28. Platz inmitten der Weltspitze.
Das Sprint-Finale war der erwartet Nerven fetzende Event. Auch als Nicht-Schwede war man emotional voll in das Match Schweden gegen den Rest der Welt - und das in Schweden - eingebunden. Sich da heraushalten war gar nicht möglich, zu lärmend die schwedischen Fan-Clubs, sehr attraktiv für den Zuschauer gestalteter Wettkampf und vor allem extrem spannende Rennen.
Begonnen hat es mit den Damen. Da durften die Österreicher mit Andrea Eisl mitzittern. Andrea - als 14. ins Rennen gegangen - legte einen fehlerfreien Lauf hin und lief was das Zeug hielt. Den Quali-Lauf vom Vormittag noch etwas in den Beinen, belegte sie den guten 28. Platz in der Gesamtwertung. Viel mehr war nicht drinnen, denn vor Platz 20 drängte sich die absolute Weltklasse. Andrea hat also ihr Potenzial voll ausgeschöpft, es war ihr vielleicht bester Lauf. Die kurz nach ihr als 17. gestartete Schwedin Karolina Höjsgaard legte zur Begeisterung der schwedischen Zuschauer eine Laufbestzeit vor, die mehrmals in Gefahr geriet, aber lange hielt. Am nächsten kam die Norwegerin Elisabeth Ingvaldsen, mit 18,4 Sekunden Abstand. Auch Dana Brozkova aus der Tschechischen Republik sowie die schwedischen Mannschaftskolleginnen Anna Mårsell und Emma Engstrand blieben mit 20 Sekunden auf Respektabstand und belegten in dieser Reihenfolge sie Plätze 4 bis 6. Dann aber kam als Drittletzte SIE - die regierende Weltmeisterin Simone Niggli-Luder. Die Spannung erreichte bei ihrem Start den Siedepunkt: die Lautstärke der Sprecher und die Ansage als regierende Weltmeisterin. Simone behielt die Konzentration und lief wieder einmal in einer, den anderen scheinbar verschlossenen, anderen, höheren, Leistungskategorie. Schon beim Zuschauerposten hatte sie 30 Sekunden Vorsprung, war dort die Einzige unter 9 Minuten und brachte diesen Vorsprung ins Ziel. Mit den Plätzen 2, 5 und 6 waren aber die Schwedinnen eindeutig das stärkste Team.
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Andrea Eisl am Vorstart und auf der Startrampe
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Nach einer kurzen Erholungspause waren die Herren dran und - das darf schon verraten werden - sie setzten noch eins drauf punkto Dramatik. Die guten Leistungen der ersten Dreißig traten in den Hintergrund als die stärksten Läufer ins Rennen gingen. Da startete mit Nummer 29 der Schwede Niclas Jonasson und legte eine neue tolle Bestzeit vor. Als der eine Minute hinter ihm gestartete Ukrainer Yuri Omeltchenko einen tollen Endspurt hinlegte, hielten alle den Atem an - die Uhr blieb aber erst 2,5 Sekunden später stehen - Platz 2. Eine weitere Minute später startete mit Håkan Eriksson ein weiterer Schwede. Als er beim Zuschauerposten praktisch die gleiche Zwischenzeit wie Jonasson hatte, tobte das Publikum. Auch er kämpfte mit vollem Speed ins Ziel, aber auch bei ihm liefen die Uhren 2,5 Sekunden länger als bei Jonasson - gleiche Zeit wie Yuri! Das ist wohl eine klare Bestätigung, warum hier die Zeiten mittels Startbalken und Lichtschranken im Ziel genommen werden und die EMIT-Auswertung nur für die Split-Analyse und Postenkontrolle herangezogen wird. Die danach gestarteten Johan Näsman aus Schweden, Thierry Gueorgiou aus Frankreich und Øystein Kvaal Østerbø aus Norwegen konnten die Ersten nicht mehr von den Medaillenrängen verdrängen und wurden 4. - 6. Allerdings: Die Abstände waren minimalst, Thierry blieb als 5. nur 1 Sekunde hinter der Silbermedaille, der Viertplatzierte Näsman gar nur 2 Zehntelsekunden. Anders der Favorit Misha Mamleev, der sich irgendwo "eingebaut" haben dürfte und mit 47 Sekunden Rückstand 15. wurde. Mit den Plätzen 1,2 und 4 waren auch bei den Herren die Schweden das klar stärkste Team.
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Weltmeister Jonasson
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Yuri Omeltchenko
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Håkan Eriksson
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Thierry Gueorgiou
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Das Drumherum passte, die schwedischen Veranstalter haben sich viel einfallen lassen, um dem Publikum das Rennen so attraktiv wie möglich darzustellen. Dazu gehörte im Finale der Start von einer Rampe im Zielbereich, dazu gehörte eine Videowall, die nicht nur Zwischenzeiten und Platzierungen anzeigte sondern vor allem das Geschehen im Start-/Zielbereich und bei mehreren Posten im Gelände samt zugehörigem Zwischenzeit-Klassement und zwei Sprecher, die stets den Überblick hatten und kompetent informierten - und über ihre schwedischen Landsleute auch jubeln durften.
Dieser Sprint unterschied sich wesentlich vom WM-Sprint 2003 in Rapperswil. War es dort ein reiner Altstadtsprint mit tausenden Zuschauern auf der Strecke, so verlief die Bahn diesmal im Finale größtenteils durch Waldgebiet - siehe Karte - und hatte einen Zuschauerposten im offenen Gelände. Dieser Wald ist bei normalem OL-Tempo sicher nicht extrem schwer und mit sicheren Routen sind die Posten auch sicher gut zu finden. Wer allerdings diese Möglichkeiten im Sprintwettkampf auch nur andenkt hat schon verloren. Durch die Leistungsdichte, die hohes Tempo erfordert und keinen Fehler verzeiht ist diese Art von OL alles andere als leicht (zu gewinnen). Auch hier sind wie man in den Ergebnissen sieht nur die Allerbesten voran.
Heute Donnerstag laufen Andrea Eisl und Markus Lang im Langdistanz-Finale. Andrea darf als erste Läuferin die "Spuren" legen, Ein Top30-Platz wäre ein toller Erfolg. Das gilt auch für Markus, der als 6. ins Rennen geht.
Ergebnisse Sprint
Splitzeiten
Karte Sprint-Finale
WOC Online
Homepage WOC2004
Übersicht WOC-Berichte
Hans Kolar
aus Västerås
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Fantastische Fankulisse

Gut informiert dank Videowall

Simone Niggli-Luder gewinnt souverän

Misha Mamleev - too late

Siegerehrung Frauen

Siegerehrung Männer
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