Raid World Championships 2005: Keep on pushing...
Zu Beginn scheint es fast unmenschlich, unmöglich, den Kurs über 24.000 Höhenmeter und 580km bewältigen zu können. Schlussendlich absolvieren jedoch 26 der 33 gestarteten Teams den Kurs. Das Starterfeld ist gespickt mit all den großen Namen der Adventure Racing Szene, denn nur die Besten der Besten schafften es durch die Qualifikationsserie.
Von Annecy starten die Teams mit dem Kanu in den Wettkampf. Das NIKE ACG RAW Team mit Michi Hohenwarter (NF Villach) gelangt "unbeschadet" über den See und steigt um Rang 20 liegend in die nachfolgende Trekkingetappe ein; 34km und über 3000 Höhenmeter. Nach einem kleinen Orientierungsfehler ist der Rhythmus schnell gefunden und auf der Etappe geht es gut voran. An der Spitze wird jedoch ein mörderisches Tempo angeschlagen, so dass NIKE ACG keine Zeit zur Spitze gut machen kann. Nach einer "kurzen" Bikeetappe folgt eine apokalyptische Trekkingsektion. Knapp 40km und 3000 Höhenmeter durch das Gebirge, strömender Regen, heftige Gewitter und starker Sturm begleitet Hohenwarter und Co durch die Nacht. Unbeschadet erreicht das Quartett die nächste Etappe, die am Bike zurückzulegen ist. Nach einem flotten Downhill ist die erste 4-stündige Schlafpause angesagt. Der Zeitpunkt ist etwas unglücklich gewählt, viel zu früh. Geschlafen wird nicht viel und in der Zwischenzeit fällt der Wasserpegel der Isere deutlich. Bei extremem Niederwasser geht das Team dann an die Wildwasseretappe (WW III). Nach rund einer Stunde wird auf die Inline Skates gewechselt und es geht zurück zur Einstiegstelle. Auf der nächsten Trekkingetappe erwischt ein Wettersturz das Team in 2000m Seehöhe. Der Steig ist zugeschneit, dichter Nebel erschwert die Navigation, dennoch kann das NIKE ACG Team den höchsten CP dieser Etappe in 2600m Seehöhe erreichen. Nach dieser Etappe ein "Pflichtstopp". Die Überquerung des nächsten Passes ist aufgrund der Schneelage und des schlechten Wetters nicht möglich. 9h muss das Team auf ein Weiterkommen warten. Beim Morgengrauen ist es dann soweit. Gemeinsam mit 6 anderen Teams geht es wieder hinauf auf 2600m Seehöhe, die Bikes durch den Schnee schiebend. Courmayeur wird passiert und nun geht es an die Umrundung des Mont Blanc. Die Gletscherüberquerung muss leider "gecancelt" werden, die längere Ersatzroute betrug daher 60 Kilometer und 3000 Höhenmeter. Diese Etappe fordert alles von den Teammitgliedern. Unterschiedliche körperliche Verfassung, zu wenig Verpflegung eines Teammitgliedes und die unglaubliche Länge bereitete einige Probleme. Das NIKE ACG Team schafft es jedoch die Probleme gemeinsam zu bewältigen und erreicht nach rund 15h die Wechselzone. Die Beine fühlen sich nur mehr an wie "totes" Fleisch, alles tut weh und jeder Schritt kostete Überwindung. Nach einem Big Mäc und einer Pasta geht es nach 4h Ruhe wieder mit dem Bike weiter. Die längste Zeit schon "matchten" sich die vier NIKE ACG-Sportler mit dem Team Montrail (Sieger der Raid im Jahr 2003). Überraschend gut legen sie diese Etappe zurück, überholen 2 Teams und starten kurz hinter Montrail in die nächste Etappe... Und wieder Trekking.
Mittlerweile kämpft jeder mit seinen eigenen Wehwehchen. Muskelschmerzen, Blasen an den Füßen und ähnliches verlangen nach dem einen oder anderen schmerzstillenden Mittel. Zu diesem Zeitpunkt des Rennens gilt es dann den Geist und den Körper zu überlisten. Der Körper gibt jedem ein Tempo vor, einen richtigen Trott. Diesen zu durchbrechen und schneller zu gehen tut zwar zu Beginn weh, aber es geht dann doch. Ständiges pushen ist unerlässlich. Im NIKE ACG Team übernimmt zumeist Elina diese Rolle. Die ehemalige Spitzenlangläuferin aus Finnland gibt den Speed vor und wir Männer folgen. Ein weiteres Problem ist der Schlafmangel. Besonders in der Zeit zwischen 2 und 6 in der Früh ist der Kampf mit dem "Straßengraben" angesagt. Per pedes, aber auch am Bike; man knickt seitlich weg, doch dieser Impuls rüttelt den Körper wieder wach und man kann gerade noch den unfreiwilligen Abstieg vom Bike verhindern. Abhilfe kann durch lautes Singen, Energydrinks und ähnliches erreicht werden ;)
Nach einem kurzen "Kanuintermezzo" biken die vier im letzten Tageslicht der folgenden 40km langen Trekkingetappe entgegen. Gute Orientierung und schnelles Handeln bringt das Team gegenüber dem direkten Konkurrenten Montrail wieder in Front. Da sie jedoch eine 4h Pause einlegen überholen sie die Ameriakner wieder. Im Gesamtranking kann sich die Truppe um Hohenwarter mittlerweile langsam aber beständig nach vorne schieben. Die Trekkingetappe verlangt Mikko und Michi beim Orientieren bei Nacht und Nebel alles ab. Ohne Fehler aber meistern sie die kniffligen Abschnitte und als der Morgen graut sind sie den Teams vor ihnen wieder um einiges näher gerückt. Das motiviert und treibt sie an. Die anschließende Bikeetappe bringt NIKE ACG an den Lac Leman. 40km Kajak stehen auf dem Programm. Nach großen Problemen zu Beginn der Sektion schaffen sie es dann doch einen gemeinsamen Rhythmus zu finden und starten kurz darauf zu einem brutalen Bergzeitfahren. 1300 Höhenmeter auf einer extrem steilen Straße. Dann durch Wald und Wiese das Bike tragend wieder hinunter. Wieder alles in der Nacht. Nach dieser Etappe genießen sie noch einmal eine Stunde Schlaf und dann auf zum finalen Trekking. Alle Ruhezeit ist aufgebraucht, Montrail 25 Minuten hinter ihnen. Vor den Vieren ein knapp "2-stündiges Loch". Dennoch versuchen sie sich nochmals zu pushen und kämpfen. Tatsächlich schaffen sie es das Loch nach vorne zu schließen. Wieder ein Platz gut gemacht. Einem äußerst ausgesetztem Klettersteig folgt eine unglaubliche 200m hohe Abseilstelle und dann die finalen 4 Kilometer ins das Ziel in Gstaad.
|

|
Gut gelaunt erreichen sie das Ziel als 11. Team. Zu ihrer Enttäuschung wurde dem spanischen Team, das nur wenige Minuten vor der Ziellinie noch überholt wurde, Zeit gutgeschrieben, da sie beim Klettersteig warten mussten. Daher Platz 12 im finalen Ranking. Dennoch äußerst zufrieden stellend. „Um in Zukunft noch weiter nach vorne zu kommen, müssen wir am Anfang mehr riskieren und dann einfach Schalter im Hirn umlegen und keep on pushing…..“
Die ersten Drei:
1. Les Arcs – Quechua FRA
2. Salomon Suisse SUI (mit Alain Berger, MTBO-Weltmeister von 2004)
3. NIKE / Balance Bar USA
www.theraid.org
Team-Homepage
Michael Hohenwarter
|