Kamp(f)stein-Südwand
ÖSTM im Langdistanz-OL bzw. 8. und 9.Ranglistenlauf am 17./18.September in St.Corona
Die Österreichischen Staatsmeisterschaften über die Langdistanz bzw. der 8. und 9. Ranglistenlauf fanden am 17./18. September auf dem fast 1500 m hohen Kampstein bei St. Corona im südlichen Niederösterreich statt. Gekennzeichnet war diese Veranstaltung, die vom HSV Wr. Neustadt ausgerichtet wurde, durch einen extremen Schlechtwettereinbruch und durch anspruchsvolles voralpines Gelände auf einer guten Karte mit sehr fordernden und interessanten Bahnen. Staatsmeister wurden (MTB-O-Weltmeisterin) Michaela Gigon und Marathonmeister Thomas Krejci.
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Thomas Krejci und Michaela Gigon
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"Kampstein Südwand"
... fiel mir ein, als ich mich durch dichten Wald und halboffenes, schwieriges Gelände zu den Posten auf den lichten, weil eher offenen Höhen des Kampsteines empor kämpfte. Dabei hatte ich’s noch gut, weil nur die Eliteklassen in die wirklich steilen Südabhänge des Kampsteins eintauchen mussten. Natürlich ist der Vergleich mit der berühmt-berüchtigten Eigernordwand im Berner Oberland maßlos überzogen – es ist am Kampstein nicht lebensgefährlich, höchstens einen kräftigen Schnupfen oder einen verstauchten Knöchel konnte man sich bei dem – für OL-Verhältnisse – extremen Wetter holen. Auch wird es in der Eigernordwand selten sein, so wie hier prachtvolle Stein- und Fliegenpilze zu finden. Aber der Kampstein war an diesem Wochenende auch ein "Kampfstein", weil zu den wirklichen tollen orientierungstechnischen und physischen Herausforderungen wetterbedingt auch die mentale Stärke, der Wille zum Durchkämpfen, besonders gefordert waren.
Der Ort des Geschehens
St. Corona mit seinem Kampstein ist als Ski-Gebiet und den Orientierungsläufern dank zahlreicher Veranstaltungen des HSV Wr. Neustadt auch als Wettkampfgebiet seit 1998 ein Begriff. Belaufen wurden bisher vor allem die Hänge auf der Nordseite, links und rechts der Ski-Pisten bis hinunter zum Gasthof Orthof. Diesmal waren die Hochfläche und die südlichen Abhänge des Kampsteins Laufgebiet. Hier gibt es seit 1997 eine von Orest Kotylo und Bogdan Stramyk (beide zeichneten die bekannt guten Waldviertel-Karten in Gmünd, Rapottenstein und Umgebung) erstellte und bisher ungenutzte Karte.
Michael Stockmayer (Samstag, Staatsmeisterschaft)) und Michael Tobler (Sonntag, 9. RL) ersannen dazu hochinteressante Bahnen. Die beste Route ging meist quer durch den Wald, die Benutzung von Forststraßen und Wegen war selten von Vorteil. Und quer bedeutete in diesem Gelände, dass nur der erfolgreich zu seinem Posten "schwimmen" konnte, dem es gelang, die Richtung möglichst genau zu halten und der rechtzeitig erkannte, wo besonders genau orientiert werden musste. Denn: Dieser oft dichte Wald war mit Lichtungen durchsetzt und umgekehrt das offene Gelände mit hohem Gras und vielfach mit Baumgruppen. Beides war nur schwer mitzulesen, dafür waren gute Auffanglinien und markante Ablaufpunkte in Postennähe selten. Eine international durchaus übliche Situation und Aufgabe. Der Preis dieses erfolgreichen permanenten "Querschickens" waren relativ viele Posten – mehr pro Kilometer als bei der Mittel-Distanzmeisterschaft - und damit auch nur wenige Routenwahlen, die bei einer Lang-Distanzmeisterschaft zu erwarten wären, auch mit mehr Wegnutzung. Allerdings scheint das Gelände rund um den großen dominanten Berg dafür nicht sehr geeignet.
Heidelbeeren
Wenn reif und Zeit vorhanden, sind sie eine leckere Sache – Heidelbeersträucher, in genügender Dichte und Höhe, auch – für den Bahnleger. Wird damit doch die physische Stärke der Läufer zusätzlich gefordert, bergauf und auch bergab. Und von diesen Sträuchern gab es genug zu durchqueren.
Angesagte Katastrophen finden schon auch statt
Eine solche war der seit Tagen von den Meteorologen beharrlich vorausgesagte Wettersturz. Pünktlich in der Nacht vor dem ersten Wettkampf traf er ein. Von über 20° - plus - am Freitag auf fast minus am Wochenende purzelten die Temperaturen oben am Kampstein. Am Samstag hatte es 2° plus und am Sonntag 0° (vermutlich auch plus) oben am Start. Und weil ein Unglück selten allein kommt gab es Nebel und Regen dazu. Und das Schicksal wollte es, dass der erste Teil der Strecke bei Kälte und Regen absolviert werden konnte und die Läufer, erst nachdem sie ordentlich durchnässt waren, die freien Gipfelregionen und die Nordhänge passieren durften, wo starker Wind noch eins draufsetzte. Sich irgendwie warm halten, im nassen Terrain nicht stürzen und trotzdem noch gut orientieren war die Aufgabe der Stunde. Nicht jeder schaffte es, es gab schon mehr Aufgaben als üblich. Die Kämpfer und Willensstarken waren gefragt, besonders auf den langen Elitestrecken – kämpfen, kämpfen, kämpfen bis zum Schluss. Auch deshalb war es der "Kampfstein".
Die Härtesten und Stärksten
Das gewohnte Siegerbild der Staatsmeisterschaften kam dieses Mal etwas in Unordnung. Für Lucie Böhm (ASKÖ Henndorf) ging eine lange Siegesserie zu Ende. Permanent mit der Kälte kämpfend und dennoch nicht allzu viele Fehler machend musste sie der alten und neuen MTB-O-Weltmeisterin Michaela Gigon (OLT Transdanubien) mit vier Minuten Rückstand klar den Vortritt lassen. Michi hatte einen sehr guten Lauf mit nur wenigen Fehlern und dass sie körperlich die Stärkere ist überrascht nicht – Weltmeister müssen das sein. Dahinter als Dritte Andrea Eisl (ASKÖ Henndorf), die mehr Probleme hatte, in dem Gemisch aus Dickichten und Lichtungen genau zu orientieren. Mehr noch als diese Medaille freut sie, dass sie nach längerer sportlicher Auszeit ihre gesundheitlichen Probleme überwunden hat und ab Herbst wieder "Gas geben" kann. Und nicht zu vergessen Juniorin Anita Seeböck (HSV Wr.Neustadt), die nur ganz knapp an einer Medaille vorbeischrammte und sich lange Zeit mit Andrea um Platz 3 matchte. Der Nachwuchs ist also bereit und wartet schon auf seine Chance.
Bei den Herren zeigte Thomas Krejci vom TV Fürstenfeld, dass er wieder voll da ist. Und dass er über lange und extrem anstrengende Distanzen immer noch voll durchkämpfen kann und weiterhin der Stärkste ist. Dass er nur bei Hitze Vorteile gegenüber seinen Konkurrenten hat, widerlegt dieser Lauf. Es scheint eher, dass er auch bei widrigsten Bedingungen mental sehr stark ist. Den Staatsmeistertitel holte er sich mit mehr als zwei Minuten Vorsprung auf Franz Helminger (HSV Wals). Nur einer war schneller: Der für Fürstenfeld startende Schweizer Eliteläufer und WM-Teilnehmer Matthias Müller, der zwei Minuten schneller als Thomas war. Matthias Müller startete bei der WM2005 in Japan über die Mittel-Distanz und wurde als bester Schweizer 13. – 36 Sekunden hinter Gernot Kerschbaumer. Matthias Müller gewann damit den World Ranking Event, der diese Staatsmeisterschaft gleichzeitig war.
Franz Helminger hatte in diesem Jahr tendenziell bessere Resultate als zuletzt. Nicht so überraschend, hat er sich doch gemeinsam mit Bruder Norbert heuer intensiv aufs Berglaufen vorbereitet – sie starteten erfolgreich im August beim Mountain Marathon in Graubünden. Bei Posten 6 holte er den vor ihm gestarteten Thomas Hudax ein. Immer wieder in Sichtweite pushten sich die Beiden zu hohem Tempo, bergauf aber auch brutal bergab, holten weitere Läufer ein und liefen damit aufs Stockerl. Für den jungen Thomas Hudax, der heuer aufsteigende Form zeigte, war es ein Traum: seine erste Staatsmeisterschaftsmedaille. Ein Albtraum hingegen für Pierre Kaltenbacher (HSV Wr.Neustadt), der mit einer ausgezeichneten Zeit ins Ziel kam und seinen Podestplatz scheinbar fix hatte: Fehlstempelung. Zuerst scheint es kurz, als wär die Elektronik schuld, kurz darauf offenbart der Zeitstreifen den wahren Grund: Posten 188 statt 158 gestempelt! Wie Pierre kurz darauf feststellte, hatte er den Posten verwechselt, weil er seine Karte nicht mehr lesen konnte. Mit diesem Problem hatten an diesem Tag nicht nur Eliteläufer gegen Ende des Rennens zu kämpfen: am offenen Ende der Folie sickerte Wasser ein, machte die Karte teilweise unlesbar. Der Veranstalter reagierte umgehend: am Sonntag waren die Folien verklebt.
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Michaela Gigon
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Thomas Krejci
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Öfter ins (vor)alpine Gelände?
Ja, wäre schon gut, ist man sich ziemlich einig. Für leistungsstarke Jugendliche und Eliteläufer jedenfalls – es sind Bedingungen, wie sie international durchaus üblich sind: Technisch anspruchsvolle Bahnen und auch physisch forderndes. Auch für Senioren kann es bei entsprechend kürzerer Bahn ein Supererlebnis sein. Dagegen spricht, dass es in dieser größeren Entfernung vom Tal für den Veranstalter schwieriger wird, die erforderliche Mindestinfrastruktur zur Verfügung zu stellen. Zumal das Wetterrisiko auf 1500 m Seehöhe auch im Hochsommer besteht. Aber Orientierungsläufer wissen sich darauf einzustellen und lassen sich nicht so leicht abschrecken. Immerhin kamen – entgegen den Prognosen der Einheimischen – doch etwa 90% der Angemeldeten auf den Kampstein.
Flexibel reagiert
Über die Qualitäten als Veranstalter muss beim HSV Wr. Neustadt nicht mehr viel gesagt werden. Alles schien bedacht und vorbereitet, auch der "Anmarsch" mit dem Sessellift zum Zielgebiet. Als dann Dauerregen einsetzte, wurde blitzartig ein Shuttlebusservice von St. Corona zum Ziel organisiert, um den Wettkämpfern eine mögliche halbstündige Dusche am Sessellift zu ersparen. Gute Kontakte zur Gemeinde machten es möglich. Für eine gute Nachred’ dürfen auch Läufer ihren kleinen Beitrag leisten: Wirte haben es verständlicherweise nicht so gerne, wenn ihre warme, kleine Stube zum Umkleideraum umfunktioniert wird, womöglich ohne Gegenleistung in Form einer Konsumation – auch wenn es im Umkleidezelt saukalt ist, das ist einfach Pech.
Fotos
Ergebnisse, Splitzeiten und Splitalyzer
Liste der Staatsmeister 2005
Ein Bericht von
Hans Kolar
mit Fotos von
Thomas Täuber, Hans Kolar, Michael Melcher und Georg Sengstschmid
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Kamp(f)stein

Auffahrt gut eingepackt am Sessellift ...

... oder mit dem kurzfristig organisierten Shutteldienst

Knapp an der Medaille vorbei: Anita Seeböck

Fehlstempelung kostet Pierre Kaltenbacher die Medaille

Am Sonntag regnete es nicht mehr, dafür war Nebel angesagt

Aus dem Nebel kommend ...

... wo geht's hier ins Ziel?

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