WOC2005 Sprint: "Kerschi" sensationell unterwegs – Platz 9!
Aichi (Japan) vom 7.-15.August 2005
"Kerschi the Hero"! So war der Grundtenor der österreichischen OL-Szene nach Gernot Kerschbaumers sensationellem Lauf im Finale der Mitteldistanz. Mit seinem vierten Streich bei dieser Weltmeisterschaft topte er nochmals seine bisherigen Ergebnisse und schaffte etwas, was vor ihm noch keinem Österreicher bei einer Fuß-OL-WM gelungen ist – ein Top10-Resultat! Unbeschreiblich das Gefühl für Teamkollegen und Betreuer, diesen historischen Moment live miterleben zu können. Und Kerschi selbst? Natürlich überglücklich.
Bange Stunden vor dem Wettkampf
Vor dem Wettkampf am Donnerstag 11. August 2005 erlebte Kerschi und das Team bange Stunden. Am Vorabend stellte sich heraus, dass die Knöchelverletzung, die Gernot im Sprint-Finale erlitten hatte – er war nach innen eingeknickt - ärger war als angenommen: ein geschwollener rechter Knöchel und starke Schmerzen ließen die Chance auf einen Start oder gar einen erfolgreichen Lauf in weite Ferne rücken. Quälend diese Aussicht, denn die sportliche Ausgangslage für Kerschi war optimal: Offensichtlich tolle Form, Erfolgserlebnis durch 17. Platz im Sprint-Finale und 2. Platz im Mittelvorlauf, was ihm auch den viertletzten Startplatz hinter den späteren Silber- und Bronzemedaillengewinnern Chris Terkelsen (Dänemark) und Jarkko Huovila (Finnland) und vor Weltmeister Thierry Gueorgiou einbrachte. Fast kein tolles Ergebnis war auszuschließen und so eine Chance sollte daher nicht ungenützt bleiben. Kerschi verschob die Entscheidung auf die Stunde unmittelbar vor dem Start. Beim Einlaufen wurde – trotz gutem Tapeverband von Birgit Eisl – klar, dass es nur mit Schmerzmittel gehen würde. Also mit. Und so startete Kerschi wie geplant und spürte nur manche Tritte schmerzhaft und hatte bergab vielleicht eine mentale Bremse.
Heute, einen Tag später, zum Zeitpunkt des Niederschreibens dieses Berichtes wissen wir, dass die Verletzung doch nicht so schlimm und bereits wieder im Abklingen ist, nach Meinung des Schweizer Teamarztes ist die Chance groß, dass Kerschi ohne bleibende gesundheitliche Folgen in der
Staffel am Sonntag starten kann. Wir hoffen!
Der Lauf
Kerschi startete also 2 Minuten vor Weltmeister Thierry Gueorgiou, den er zwischen Posten 6 und 10 bewundern konnte – siehe auch Interview mit Gernot Kerschbaumer. Leider passierte ihm gegen Ende des Rennens (zu Posten 11) ein Fehler, der mehr als eine Minute und die theoretische Chance auf Top6 kostete. Der Schluss des Rennens mit einem langen Zieleinlauf forderte noch einmal alle läuferischen Reserven.
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Gernot Kerschbaumer
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Weltmeister Thierry Gueorgiou
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Zahlreiche Prominenz landete hinter Kerschi. So alle Schweizer (Matthias Muller, Matthias Merz, Daniel Hubmann) – das ist fast so wie wenn Österreich Deutschland im Fußball besiegt, Stichwort "i wer narrisch", Mats Troeng aus Schweden und Anders Nordberg aus Norwegen, alle Italiener, Briten, Tschechen, Slowaken, ...
Neben Kerschis Leistung darf die Leistung von Jan Zazgornik, dem zweiten Österreicher im Finale, nicht übersehen werden. Jan hatte hauptsächlich beim Anlaufen von Posten 3 Probleme – siehe auch Foto "Jan zeichnet seine Route ein". Mit seinem 33. Platz erzielte er aber ein gutes Ergebnis.
Felix Breitschädel startete am Nachmittag im B-Finale, wo er sich in den Spitzenrängen platzierte und bei einzelnen Posten sogar Kerschis Splitzeiten unterbot – das B-Finale hatte großteils die gleichen Teilstrecken wie die A-Läufer. Nachträglich besonders schade, dass Felix das A-Finale knapp nicht schaffte. Wir werden es nie erfahren, wen er aller hinter sich gelassen hätte. Aber es ist ein gutes Omen für die Staffel, wo Felix voraussichtlich zum Einsatz kommt.
Die Medaillengewinner
Simone Niggli – wer sonst – gewann klar mit mehr als zwei Minuten auf die vor ihr gestartete Schwedin Jenny Johansson und drei Minuten vor der Finnin Minna Kauppi. Russland schaffte mit der sechstplatzierten Tatiana Ryabkina immerhin eine Platz in den "Urkundenrängen".
Und auch bei den Herren ging das Rennen klar an den Titelverteidiger: Thierry setzte sich mit phantastischer Bestzeit vor Chris Terkelsen und Jarkko Huovila durch. Er dürfte an seinem Sieg kaum gezweifelt haben, seine Haltung am Vorstart – siehe Foto – lässt darauf schließen.
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Siegerehrung
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Und so kommentierte Thierry Gueorgiou seinen Lauf:
Was waren die Schlüsselpunkte des Laufes?
Meine Taktik war etwas easy anzufangen, aber ich habe mich entschieden, full speed von Beginn an zu laufen. Daher war ich an einigen Stellen doch sehr müde. Man kann sehr viel Zeit verlieren wenn man zu langsam beginnt, deswegen bin ich gleich volles Tempo gegangen. Das Orientieren selbst war in Ordnung, der Kurs wies phasenweise schwierige Stücke auf, wo man sehr vorsichtig sein musste, seinen Kompass benutzen und so weit wie möglich nach vorne in Laufrichtung schauen musste. Oft konnte man ziemlich weit sehen (von Posten 8 und auf Weg von 12 zu 13), weil der Wald dort sehr offen war.
Wie war der Gesamteindruck des Kurses?
Gleich wie bei der Qualifikation. Im Training habe ich oft orientierungstechnisch nicht so schöne Gebiete benutzt. Heute war der Wald sehr abwechslungsreich: schnelle und schwierige Passagen waren dabei wo man im Kopf gefordert wurde. Das war sehr interessant. Vor Posten 10 musste ich kurzfristig von meiner geplanten eher direkteren Route über den Hügel links vom Strich abweichen, weil es dort so dicht war.
Was denken Sie, ist der Unterschied zwischen Ihnen und dem Rest des Teams?
Ich weiß es nicht genau, ich denke, es ist mein Selbstbewusstsein. Ich weiß ganz genau wie ich auf der Mitteldistanz laufen muss. Wenn ich da am Start stehe fühle ich mich total OK. Ich muss eigentlich nur so laufen wie im Training und alles wird gut für mich ausgehen.
Was erwarten Sie sich für die morgige Langdistanz?
Es wird schwierig. Ich werde versuchen full speed zu laufen und mich bis dahin so gut es geht zu regenerieren. Trotzdem bin ich bereits jetzt mit meiner bisherigen Leistung zufrieden.
Der Ort des Geschehens ...
... war Mikawa Kogen Bokujo, etwa 15 Autominuten vom Quartier der Österreicher entfernt. Start und Zielarena lagen diesmal nahe beisammen, sodass die Läufer am Vorstart, 6 Minuten vor ihrer Startzeit, beobachtet werden konnten. Auch hier waren Zielaufbau, Einlauf und Infrastruktur eher schlicht gehalten, aber alles funktionierte. Nur der (warme) Regen während eines Teiles des Finallaufes war neu und nicht eingeplant, störte aber nicht sehr – nur die Fotografen.
Interview mit Gernot Kerschbaumer
Fotos
Karte (mit Routenwahlen der ersten 3 Herren)
Ergebnisse
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aus Aichi/Japan
Hans Kolar
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Zielgelände

Fans

Jan Zazgornik

beim Einzeichnen: rote Schleife bei Posten 3

Simone Niggli ist nicht zu schlagen

Kerschi am Vorstart, im Hintergrund Thierry

ein Traumresultat
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