WOC2005 – Resümee: Das war die Weltmeisterschaft 2005
Aichi (Japan) vom 7.-15.August 2005
Die 22. Weltmeisterschaft im Orientierungslauf, die erste in Japan, ist gelaufen und vorüber. Zeit, ein Resümee zu ziehen. Orientierungslauf ist in Japan, ähnlich wie in Österreich, eine exklusive Sportart, gemessen an der Bevölkerungszahl von rund 128 Millionen noch exklusiver. Es ist den Japanern zu wünschen, dass es ihnen mit der Ausrichtung dieser Weltmeisterschaft gelungen ist, ein wenig bekannter im eigenen Land zu werden. Das Medieninteresse hielt sich allerdings in engen Grenzen – es waren viel weniger Medienvertreter anwesend als vor einem Jahr in Schweden und davon vor allem aus den starken Nationen wie der Schweiz und den skandinavischen Ländern – und aus Österreich. Japanische Medienleute sind in bemerkbarer Anzahl nicht aufgefallen.
Funktionierende Organisation
Die Organisation funktionierte ohne äußerlich bemerkbare Fehler, allerdings auf schlichtem Niveau. Fairerweise sollte man sich allerdings vorstellen, wie es wäre, wenn in Österreich eine WM ausgerichtet würde. Binnen 7 Tagen 7 Wettkämpfe auf höchstem sportlichen Niveau veranstalten und gleichzeitig den Wettkämpfern und erwünschten vielen Zuschauern einen komfortablen und informativen Rahmen zu bieten ist eine gewaltige Herausforderung – logistisch, finanziell und bezüglich der nötigen (personellen) Ressourcen. Beispielsweise waren in Västeras/Schweden 2004 an die 1000 Menschen in der Organisation im Einsatz.
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Japanische Folklore am Samstag bei der Mid Day-Party
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Sportlich auf höchstem Niveau, als Zuschauer unterinformiert
In sportlicher Hinsicht war diese WM eine würdige Veranstaltung. Die Anforderungen an die Wettkämpfer waren hoch, sehr hoch, bedingt durch Gelände, die technischen Daten der Bahnen, die orientierungstechnischen Anforderungen und durch die klimatischen Bedingungen. Die Temperaturen lagen stets jeweils der 30°-Marke, hohe bis sehr hohe Luftfeuchtigkeit ließen auch die T-Shirts der Zuseher schnell feucht werden. Es war auch so, dass keine Nation dadurch eine Art Heimvorteil gehabt hätte, abzulesen an der Verteilung der Medaillen über die starken Nationen. Wenn die Schweiz hier besonders hervorsticht, dann liegt es in erster Linie an einer überragenden Simone Niggli, die ihren Vierfachtriumph von 2003 wiederholen konnte.
Die IOF und künftige WM-Veranstalter werden sich überlegen müssen, wie sie es mit dem Sprintbewerb halten. Eingeführt wurde er, damit auch der Orientierungslauf über einen für die Zuschauer attraktiven Bewerb verfügt. Rapperswil 2003 steht hier als gelungenes Beispiel. Diesmal fand die Veranstaltung überwiegend im Wald, oft im "Einser- oder Zweiergrün", statt. Nicht "Steckenbleiben" war für die Läufer ein extrem wichtiges Kriterium bei der Routenwahl, nur konnte man das nicht immer mit Sicherheit vorausplanen. Das Finale war typischer für einen Sprint, mit Teilen in offenem Gelände, wo die Zuseher mehr Einblick hatten. Allerdings gab es auf den Wiesen-Routen im hohen Gras Vorteile – "Bahnen" – für die letzte Startgruppe. Und weil man die Zuseher bis auf wenige Meter an die Posten im offenen Gelände heran ließ und die Finalkarte mit Postennetz bereits vor dem Finale verkaufte ... es war eine Chance für Fans und Betreuer, sich im Gelände taktisch richtig zu platzieren und so ihren Läufern helfen zu können.
Videoübertragungen aus dem Wald mit vielen Zwischenzeiten sind technisch und finanziell aufwendig, aber machbar und vielleicht die einzige Chance, länger dauernde Bewerbe für die Zuschauer informativ und interessant zu machen. Wenn, wie geschehen, es bei der Langstrecke nur zwei Zwischenzeiten im Abstand von etwa 40 Laufminuten gibt, dann ist das sehr mager, ein aktueller Überblick über den Stand des Rennens kaum möglich. Ähnlich bei der Staffel. Wenn, als konkretes Beispiel, ein Schweizer bei der ersten Übergabe als Vierter mit Rückstand übernimmt und dann, eine Dreiviertelstunde später, als Führender zurückkommt, dann ist das zwar für die Schweiz sehr erfreulich, aber niemand weiß, wo, wann und wie das passierte, wie er seine Konkurrenten austrickste oder überlief. Sehr schade. Bei einer Weltmeisterschaft hätte man schon mehr erwartet.
Aus österreichischer Sicht ...
... darf man mit dem Ergebnis zufrieden sein, die meisten Erwartungen wurden erfüllt und – dank Gernot Kerschbaumer – gab es so nicht erwartete, auch kaum erhoffte, Spitzenresultate. An der Spitze der österreichischen Erfolgsbilanz steht zweifellos die Mitteldistanz. Zwei von drei Startern fürs Finale qualifiziert, der dritte nur sehr knapp gescheitert und ein unerwarteter zweiter Platz durch Gernot im Vorlauf, der ihm einen guten Startplatz im Finale einbrachte. Hier bot er nochmals, trotz Fußverletzung und des vierten harten Laufes binnen fünf Tagen, ein Weltklasseleistung und erreichte, was zuvor noch keinem Österreicher gelungen ist, mit Platz neun eine Top10-Platzierung. Lucie Böhm bei den Damen hat es in den 1990ern, Gernot jetzt, vorgezeigt: Es ist möglich, mit der Weltspitze mit zu halten, sogar besser zu sein, konsequentes, kontinuierliches und zielgerichtetes Training vorausgesetzt. Der zweite österreichische Finalist, Jan Zazgornik, war mit Platz 33 ebenfalls gut unterwegs. Im Schatten von Gernots Ergebnis ging es fast unter. Der Dritte, Felix Breitschädel, der nur im B-Finale laufen durfte, machte dort sehr gute Figur. Schade, dass wir ihn nicht im A-Finale verfolgen konnten.
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Kerschi zeigt erstmals auf und stürmt auf Vorlaufplatz 2
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Sicher im Langfinale: Thomas
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Die Langdistanz ist eine Domäne von Thomas Krejci. Dafür zeugen seine fünf österreichischen Marathontitel in Folge und sein 13. Platz bei der WM 2003 in der Schweiz. Mit einem sehr guten Lauf für das Finale qualifiziert und in diesem auch anfangs gut unterwegs, passierte ihm, was auch Weltklasseläufern manchmal passiert: Postensuchaktion und "Ausritt". Natürlich schade, wenn so etwas in einem WM-Finale passiert, aber das kann man sich nicht aussuchen. Wir werden sehen, wie Thomas den weiteren Verlauf seiner internationalen Karriere plant. Für das Nationalteam ist er weiterhin wertvoll. Alter ist nicht wirklich ein Kriterium, am Beispiel eines Hakan Eriksson abzulesen, der mit 44 Jahren für Schweden noch immer dabei war und im Vorjahr WM-Silber im Sprint erreichte. Eines ist sicher: Voreilige Abgesänge für Thomas Krejci sind nicht angebracht, weder in sportlicher noch in menschlicher Hinsicht. Der zweite österreichische Starter, Tobias Breitschädel, zeigte im B-Finale mit einem zweiten Platz, dass er zu recht für das österreichische Team nominiert wurde. Die A-Qualifikation war ihm allerdings, im doppelten Wortsinn, doch etwas zu steil, wie sich zeigte.
Ein Hit aus österreichischer Sicht war der Sprintbewerb. Alle drei Österreicher im A-Finale, keine Selbstverständlichkeit, vor allem wenn man bedenkt, wie wenig Fehler dieser Bewerb verzeiht. Und wieder ein sensationeller zweiter Vorlaufplatz von Gernot Kerschbaumer. Blitzartig stiegen die geheimen österreichischen Erwartungen in unverschämte Höhen. Der nicht ganz fehlerfreie, aber dennoch starke Finallauf und der 17. Platz holten uns wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Dennoch: Kerschi zeigte sein Potenzial, mit seinen 22 Jahren liegt noch viel Zeit vor ihm und andere Österreicher sollten ihm in dieses Leistungsniveau folgen können.
In der Staffel probierte man mit einer unkonventionellen Aufstellung Neues. Letztlich landete Österreich in diesem Bewerb dort, wo es hinzugehören scheint. So rund um Platz 15, 16. Ohne Verbesserung auf breiterer Front wird ein Top10-Platz hier wohl nur unter besonders glücklichen Umständen erreichbar sein.
Harmonie und Eigenständigkeit
Die österreichischen Läufer verzichteten vor allem aus Kostengründen auf die Begleitung durch einen Trainer. Nur ein offizieller Teamchef (Christian Breitschädel) und eine Physiotherapeutin (Birgit Eisl) waren mit. Dies tat den Leistungen keinen Abbruch, alles Notwendige wurde im Einvernehmen und rechtzeitig entschieden und erledigt, das Abenteuer Japan bestens eigenständig bewältigt. Wertvoll war die Kooperation mit dem Schweizer Team, die es den Österreichern ermöglichte, an manchen Trainings der Schweizer teilzunehmen ohne diese Trainings selbst organisieren zu müssen und gleichzeitig war auch der Vergleich mit den Schweizer Läufern möglich. Dank an die Schweizer Betreuer für die freundliche Unterstützung.
Jeder hat seine eigene, einzigartige Persönlichkeit, natürlich auch jeder Spitzensportler. Vielleicht ist hier der Individualismus noch ausgeprägter. Der eine ist stiller, zurückgezogener, vielleicht mehr mit den bevorstehenden Herausforderungen beschäftigt, ein anderer auch, aber dennoch extrovertierter, lebhafter – Stimmungskanone. Solche sind für jedes Team wertvoll. Tobias Breitschädel ist so einer, sorgte immer wieder für gute Stimmung, wo selbst die Stillen das Lachen nicht mehr zurückhalten konnten. Im Hintergrund, aber für die Läufer sehr wertvoll, sorgte Birgit Eisl für das körperliche Wohl, behandelte schmerzende Muskeln und andere Wehwehchen, half mit, Kerschi für das Mitteldistanzfinale lauffähig zu machen, war letzte mentale Stütze am Start. Das war wichtig.
Die überragenden Sportler ...
... waren eindeutig die Schweizerin Simone Niggli mit ihren vier Goldmedaillen, ihrem dritten Sprint-Weltmeistertitel in Folge und der Franzose Thierry Gueorgiou, der ebenfalls zum dritten Mal in Folge Weltmeister über die Mitteldistanz wurde. Beide sind mit einer derartigen Sicherheit und Selbstverständlichkeit unterwegs, dass sie kaum Fehler machen und, gepaart mit außerordentlichem Laufvermögen, unschlagbar scheinen. Daneben sehen alle anderen Spitzenkönner wie zweite Wahl aus. Für die Schweiz waren es mit 8 Medaillen, davon 4xGold und je zweimal Silber und Bronze, äußerst erfolgreiche Weltmeisterschaften, vielleicht sogar die erfolgreichsten in der Geschichte (2003 gab es allerdings 5 Goldmedaillen). Hier wird offensichtlich auf hohem Niveau trainiert und kann aus dem Vollen und aus relativ jungem Nachwuchs geschöpft werden. Die Skandinavier waren natürlich ebenfalls im Spitzenfeld zu finden, aber ohne den Heimvorteil ihres gewohnten Geländes nicht dominierend. Eher enttäuschend verlief diese WM für Schweden: Nur ein WM-Titel (Herren-Sprint), und je einmal Silber in der Staffel und der Mitteldistanz (Damen), in der Langdistanz weder bei den Damen noch bei den Herren eine Platzierung unter den ersten Sechs.
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Simone Niggli am Weg zu ihrer ersten von vier Goldmedaillen
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Thierry Gueorgiou
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Next year, other place
Weil seit 2003 die Weltmeisterschaften jährlich ausgetragen werden, steht schon fest, wo das nächste Kräftemessen mit Vergabe von Weltmeistertiteln stattfinden wird: Dänemark mit Zentralort Aarhus. Da wird’s flacher dahingehen und für Österreich hoffentlich mindestens so erfolgreich sein wie in Japan. Und es wird – so ist zu hoffen – wieder ein (erfolgreiches) österreichisches Damenteam geben.
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Ein letztes Mal direkt aus Aichi/Japan
Hans Kolar
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Der Berichterstatter
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Österreichs Team

IOF-Präsident Ake Jacobsson eröffnet die WM

Jan qualifiziert sich für das Mitteldistanzfinale

Felix springt am Mitteldistanzfinale vorbei

Heiß war's – Tobias nach der Lang-Quali

Das hat uns stark gemacht: japanisches Beislessen

Nicht mehr der Jüngste trotzdem Weltklasse: der Schwede Hakan Eriksson (44 Jahre)

Empfang am Flughafen
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