WOC2005 – Staffel: Staffelläufer und Radfahrer
Aichi (Japan) vom 7.-15.August 2005
Da gibt es gewisse Gemeinsamkeiten, aber davon später. Eine andere Frage lässt sich schneller beantworten: Was haben die Schweizer und Norweger gemeinsam? Exzellente StaffelläuferInnen. Und so holten sich beide Länder in den abschließenden Staffelbewerben dieser Weltmeisterschaft je zwei Medaillen, wobei immer Gold dabei war. Österreich erreichte mit einem 16. Platz bei den Herren – Damen waren bekanntlich nicht mitgereist – das gleiche Ergebnis wie in der Schweiz 2003 und einen Platz schlechter als in Schweden 2004.
Pech ist nicht vorgesehen
Österreich startete in der Aufstellung Felix Breitschädel, Gernot Kerschbaumer und Jan Zazgornik. Thomas Krejci hatte bereits im Vorfeld auf einen Staffelplatz verzichtet und Tobias Breitschädel war Reserve. Über die richtige Reihenfolge wurde intern lange beraten und dann Übereinstimmung bei der o.a. Aufstellung gefunden. Der plausible Plan war, dass Felix versuchen sollte in Tuchfühlung mit dem führenden Läuferpaket zurück zu kommen, Gernot dieses Ergebnis möglichst verbessern und einen möglichst großen Zeitpuffer für Jan herauslaufen sollte. Jan hätte dann die Aufgabe gehabt, einen sehr guten Platz zu verteidigen – Motto "beißen bis zum Schluss". So weit die Theorie. Man wollte nicht auf Sicherheit laufen um einen 15. Platz zu verteidigen sondern man wollte versuchen, nach Höherem zu greifen. Ein gewisses Pech war in diesem Plan nicht vorgesehen.
Die Strecken waren so angelegt, dass die Läufer nach etwa 30-50% ihrer Strecke in Zielnähe vorbeikamen, so besichtigt und bewässert werden konnten. Nach etwa 14 Minuten kamen die ersten Herren, dahinter schon etwas aufgefächert das Feld. Felix lag nur an 20. Stelle, schon mit mehreren Minuten Rückstand. Wieso? Das Schicksal war ihm gleich zweifach nicht gut gesinnt: bei einer Gabelung musste er einen kleinen Berg erklimmen, während die Führenden herumlaufen konnten. Beim Hinunterlaufen blieb er in einem Sumpf stecken. Ergebnis: Eingesumpfte, schwere Kleidung und eine verschmierte, schlecht lesbare Karte. Die mindestens 300m Rückstand, die so entstanden, waren nicht mehr aufzuholen.
Gernot übernahm an 16. Position, musste weitgehend allein laufen, die Lücke zu Platz 15 betrug etwa dreieinhalb Minuten. Dafür war eine Dreiergruppe dicht dahinter. Er wurde von Australien überlaufen, die mit Troy de Haas einen schnellen Mann im Einsatz hatten. Gernot war dafür nach den vier harten Läufen der vergangenen Woche schon ausgelaugt, hatte keine Reserven mehr im Tank. Trotzdem war es 15. beste Zeit auf dieser Teilstrecke.
Jan startete also als 17. ins – einsame - Rennen. Mit einem guten Lauf und ebenfalls 15. bester Teilzeit konnte er Japan noch überlaufen und Österreich auf den 16. Platz zurückbringen.
Es ist also keine Verbesserung gelungen, Österreich erreichte den fast schon gewohnten Platz hinter den sehr guten und den etwas weniger sehr guten Nationen. Man darf zufrieden sein und weiter auf die Zukunft hoffen.
Der Tag der Schweizerinnen
Die Schweiz wählte bei den Damen die Aufstellungsvariante von langsamer zu ganz schnell, also von Lea Müller über Vroni König Salmi zu Simone Niggli. Damit gab es zu Beginn ein Duell der Skandinavierinnen. Norwegens Marianne Andersen kam unmittelbar vor Schwedens Jenny Johansson zurück, dahinter Russland, Tschechien und die Schweiz. Finnland nur an siebenter Stelle. Im zweiten Durchgang brachte Vorjahrsweltmeisterin Karolina A. Hojsgard Schweden allein an die Spitze, sie kam mit mehr als einer Minute auf Marianne Riddervold (Norwegen) zurück. Finnland mit Heli Jukkola bereits an dritter Stelle, während sich die Schweiz durch Vroni König Salmi auf Platz 4 setzte und den Rückstand auf die Schwedinnen um eine Minute verkürzte. Dann ging es sehr schnell: Simone Niggli holte bereits auf der ersten Teilschleife alles auf und ging in Führung, die sie mit einer phantastischen Teilstreckenbestzeit nicht mehr abgab. Auch Norwegen überholte mit Anne Margrethe Hausken Schweden (Emma Engstrand), während Finnlands Minna Kauppi durch einen 3-Minuten-Fehler die mögliche Silberne vergab. Also Schweiz vor Norwegen und Schweden. Für Simone Niggli war es damit wie Schweiz 2003 der totale Vierfachtriumph. Es scheint derzeit keine Läuferin zu geben, die sie in dieser Art von Gelände ernsthaft fordern, geschweige denn schlagen kann. Sie läuft sicher, locker und mit dem richtigen Selbstbewusstsein in einer höheren, unerreichbar scheinenden Kategorie.
Die Sache mit den Radfahrern
Die Herrenstaffel war eine Sache der Skandinavier unter starker Beteiligung von Frankreich und Schweiz. Norwegen ging nach der ersten Schleife mit Holger Hott Johansen in Führung, unmittelbar vor Finnland, Frankreich, Schweden und - mit etwas Abstand – der Schweiz. In der zweiten Teilstrecke drehte die Situation. Der Schweizer Marc Lauenstein lief auf Platz 1 vor, vor Finnland und Frankreich, während Norwegen und Schweden auf Platz 4 und 5 zurückfielen – allerdings alle innerhalb von eineinhalb Minuten.
Thierry Gueorgiou gegen Jørgen Rostrup lautete letztlich das Duell um Gold. Womit wir bei der Auflösung der Radfahrerfrage wären. Thierry beklagte sich nachher bitter, viel geführt zu haben, während der Norweger gleichsam wie ein Radfahrer sich im Zielsprint symbolisch "vom Leiberl des Franzosen abzog" und den Spurt für sich entschied. Der Franzosen verglich das mit einem Radrennen (wo die Franzosen bekanntlich nicht so schlecht sind) und resümierte: Das ist eben Staffelrennen!
Der dritte Platz wurde im Duell des Weltmeisters und seines Zweiten im Sprintbewerb entschieden: Emil Wingstedt schien sich der Bronzemedaille schon ziemlich sicher, während der Schweizer Daniel Hubmann im Hintergrund auf seine Chance lauerte und in einem tollen Spurt auch nützte. Der überraschte Schwede war für einen Konter nicht mehr in der Lage.
Der Ort des Geschehens
War die Karte Tsukude Kogen, 1:10.000. Start- und Zielbereich war wie bei der Langdistanz ein großer Sportplatz in der Nähe des Event Centers. Zum Abschluss dieser WM kamen etwas mehr Zuschauer, die insbesondere ihre japanischen Landsleute heftig, auch mit lauten Trommelschlägen, anfeuerten. Und es war nicht sehr schwül, dafür sorgte schon die Sonne, die diesmal und im Finale erstmals die gesamte Zeit unbarmherzig herunterbrannte.
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aus Aichi/Japan
Hans Kolar
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Mehr Zuschauer als sonst

Felix als Startläufer

Ungewöhnlicher Postenstandort

Simone Niggli bereits in Führung

Schweizer Sieg bei den Damen

Jørgen Rostrup gewinnt gegen Thierry Gueorgiou den Kampf um Gold

Daniel Hubmann überrascht Emil Wingstedt im Zieleinlauf
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