Quali EM –Mittel Distanz. 8.Mai 2006

 

5,4km,160HM, 14 Posten. Haanja, 1:10 000, 5m

1. Nordberg                28:53

21. Breitschädel        32:51

 

Vorstartsituation:

Ich fühlte mich fast wie im Urlaub. Von Nervosität überhaupt keine Spur. Hatte eigentlich gar keine große Lust zu Laufen. Meine Beine fühlten sich müde an, bergauf gaben sie nicht viel her. Wetter war optimal, wolkenlos, aber nicht zu warm. Schließlich konnte ich mich doch auf die Modelevent Karte bewegen, zuerst recht langsam, dann doch noch zügiger.

Mir fehlte die Spritzigkeit, der Biss. Ich war zuversichtlich dass ich es schaffen sollte. Anders als bei der Sprint-Quali wo ich mir unsicher war weil ich noch keinen Vergleich hatte. Dieses Mal erwartete ich eine schwierigere Bahn, mehr Herausforderung und das sollte mir liegen. Ich habe mich darauf eingestellt, dass ich kämpfen müsste, von Anfang bis zum Ende.

Start:

Mit mir ging Vladimir Lucan (CZE) raus. Er hat einmal ein ordentliches Tempo angeschlagen welches ich mitgegangen bin. Das hat mir unheimlich geholfen da ich keine Ahnung hatte wie schnell man in solch einem Wald laufen konnte/sollte. Hatte dadurch die 7. schnellste Zeit zum ersten Posten. Guter Anfang. Ich kam schnell in die Karte, konnte voraus lesen und hatte alles unter Kontrolle.

Wie besprochen nützte ich Wege falls vorhanden – so auch zum 2. Posten. Allerdings lief ich offensichtlich nicht konsequent genug als ich vom Weg wieder abzweigte. Das passierte mir neben dem 2. auch zum 5. und 10. Posten. Dreimal verlor ich zwischen 30“-50“ einfach, weil ich nicht zielstrebig eine Linie verfolgt habe.

Dazu kam, dass ich mir wie ein „Clown“ im Wald vorkam. Ich hatte den Eindruck, dass sich meine Beine total unökonomisch und uneffizient bewegten. Meine Energie ging mehr nach oben als vorwärts. Das bemerkte ich deutlich zum 10er am Weg, ich konnte allerdings nicht wirklich etwas dagegen unternehmen. Ich habe versucht den Speed hochzuhalten, doch die Zwischenzeiten sagen etwas anderes. Zwar verlor ich Prozentuell weniger gegen Ende, doch platzierungs mäßig (auf den einzelnen Teilstrecken) lag ich weiter hinten im Schlussdrittel.

Gefühl:

Während dem Lauf war ich bis zuletzt zuversichtlich dass ich das Finale schaffen würde. Ich habe bewusst eine sichere Route zum 13er gewählt um keinen Fehler mehr zu machen und den Lauf sauber abzuschließen. Als Bumsti dann im Zieleinlauf sich die Seele aus dem Leib schrie, wusste ich, dass das Finale schwer zu erreichen sein würde.

Woran lag es: Positives                                       Negatives:

Gutes Kartenlesen                                                   zu wenig Biss

Starker 1. Posten                                                     Keine gerade Linie im Wald

Schnelles entscheiden d Routen                            Zu langsam

Ruhig geblieben bei Gegnerkontakt                      1 Fehler weil ich mir keine Zeit nahm

Technisch Sauber auch am Schluss                      die Quali nicht geschafft.

 

Ich erreichte 89RLP auf Nordberg, was an sich nicht so schlecht wäre. Der Cut lag bei 92RLP bzw. 1’ schneller bei ca. 31:50.

Realistischer Weise gesehen kann ich momentan maximal 94-95RLP auf Nordberg mit einem perfekten Lauf erreichen. Ich hatte ca. 1’20“ Fehler (aufgeteilt auf 4 Teilstrecken), den Rest verliere ich eindeutig läuferisch.

Die Frage stellt sich: Soll ich meine Stärken verbessern, oder an meinen Schwächen arbeiten?! Beides. Allerdings denke ich, dass der Schwerpunkt nach wie vor am läuferischen liegt.

Trotz allem, mein Lauf war nicht schlecht. Ich bin durchaus zufrieden mit meiner Leistung. Blöd halt nur, dass sich mit einem soliden Lauf trotzdem nicht den Weg ins Finale schaffe! Selbst bei der Quali bei Großereignissen muss ich (und wie man daran sieht wer aller ausgeschieden ist, auch die anderen) schon voll ans Limit gehen.

Am Abend bin dann mit Anders Nordberg und Tore Sandvik zusammen gesessen und habe mit ihnen über den Lauf gesprochen. Anders hat die Zeiten mit Thierry verglichen und festgestellt, dass er ab dem 9. bis ins Ziel ca 20“ verloren hat – das hat ihm gar nicht gefallen! Thierry knallte einmal 4 Bestzeiten zu Beginn des Laufes hin – da läuft keiner Locker! Vielleicht im Zieleinlauf – zur Show, aber im Wald geht die Post ab. Da weht eben ein anderer Wind! Sie ägern sich über Fehler in der Größenordnung von 5“-10“! Das ist eben Weltklasse, dagegen sehen meine 30“ Zeitverluste wie Anfängerfehler aus.. Der kleine Unterschied.

Allgemeines:

Es fielen einige wirklich gute Läufer raus: Zunächst einmal die Nr. 3,4,5,6,9,11.. etc vom Sprint vom Tag davor. Khramov, Lund, Schneider, Haldin, Skjeset, Davidik, Sandvik (Sprint u Mittel), Ikonen, Jörgensen (Sprint u Mittel),… Bei den Herrn beträgt das Zeitfenster ca. 8% bzw. 3’, bei den Damen mit 6’ in etwas doppelt soviel. Ich sprach mit Lars und auch er dachte, dass es sich mit seinem soliden Lauf durchaus hätte ausgehen sollen. Er war hinter mir.

Was nehme ich mit für den nächsten Lauf (Lang Quali- zwei Tage später):

 

Felix Breitschädel