EYOC 2005: der Aufwärtstrend geht weiter
Eine Analyse zur Jugend-EM in Skofja Loka/Slowenien vom 29.Juni-2.Juli 2006
Einige Wochen sind seit der Jugendeuropameisterschaft in Skofja Loka/Slowenien (29.Juni.-2.Juli.2006) vergangen. Genug Zeit, um im Betreuerteam eine Analyse des wichtigsten internationalen Vergleichswettkampfes für unsere Jugendlichen durchzuführen.
Natürlich überstrahlt der erste Jugend-Europameistertitel für Österreich durch Christian Wartbichler alles. Aber trotz des auch für das gesamte Team erkennbaren Aufwärtstrends hat sich gezeigt, dass noch einige Hausaufgaben zu lösen sind. Auch wenn die österreichischen Jugendlichen trotz wachsender Konkurrenz (mehr und stärkere Nationen) näher an die Weltspitze herangerückt sind - es ist noch ein Stück Weges bis dorthin.
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Österreichs EYOC-Team
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Aber nun zu unseren Schlussfolgerungen im Einzelnen:
- Generell sind die führenden Nationen (heuer erstmals mit Schweden und Norwegen) nahe zusammengerückt. Unser Team ist bei den Top-Nationen mit dabei, aber eher erst am Ende des "Spitzenfeldes".
- Die hochgesteckten Ziele wurden nur teilweise erreicht. Immerhin haben wir im Einzelbewerb in drei von vier Kategorien die erhofften Top-10-Platzierungen erreicht. Das Staffelziel (Top 6) wurde leider in keiner Kategorie erreicht (bei den 16-jährigen Burschen und Mädchen aber nur ganz knapp verfehlt). In der Teamwertung sind wir weiterhin 10. mit immerhin deutlich knapperem Abstand zur Spitze.
- Es gibt neben Christian Wartbichler derzeit schon 5-6 Läufer/innen (etwa ein Drittel unseres Teams), die das Potenzial haben, zumindest eine Medaille zu gewinnen. Ursi Kadan und Clarissa Kradischnig haben das mit ihren Ergebnissen über 90% der Klassikdistanz gezeigt, auf denen sie schneller oder gleich schnell wie die Sieger gelaufen sind. Stephi Killmann und Wolfgang Siegert waren nicht in Top-Form, laufen aber normalerweise auch auf dem Niveau der Medaillengewinner. Mit guten Läufen können fast alle aus unserem Team unter die Top20 laufen (was vor wenigen Jahren nur für die absoluten Spitzenläufer/innen aus Österreich möglich war).
Allerdings: 2007 steigen vier der fünf Genannten in die Juniorenklasse auf - wir müssen also die Jungen im Team wieder an die Spitze heranführen.
- Es gelingt noch nicht die besten Leistungen bei den wichtigsten Veranstaltungen abzurufen (wobei nicht sicher ist, ob wir in dieser Beziehung besser oder schlechter als die anderen guten Nationen sind, aber diese haben einfach eine größere Breite an absoluten Top-Leuten, da macht es nicht so viel aus, wenn einige scheitern). Hier müssen wir in den nächsten Jahren also ansetzen (Mentaltraining ......)
- Alle unseren Staffeln sind anfangs ohne größere Probleme mit der Spitze mitgelaufen. Dann wurde einfach zu viel riskiert. Leider haben gerade unsere Top-Läufer/innen in den Staffeln deswegen nicht ihre normalen Leistungen bringen können. Das wir trotzdem in den sehr starken Teilnehmerfeldern noch recht gute Platzierungen erreicht haben, stimmt positiv. Wenn es wirklich einmal bei allen gut läuft, dann sind sicher auch die von Wolfgang Pötsch schon für 2006 prognostizierten Medaillenergebnisse möglich. Aber dazu braucht es das Selbstvertrauen, auch mit einem Sicherheitslauf mit den Besten mithalten zu können. Wir brauchen also mehr Kontakt mit den ganz starken Nationen. Wettkampfadäquate Staffeltaktik bei technisch anspruchsvollen Staffelwettkämpfen ist ein der Ansatzpunkt.
- Die Klassikdistanz war heuer erstmals unsere bessere Disziplin (bisher war es immer der Sprint). Dennoch: die Wettkämpfe in Österreich sind - auch aus Sicht der Jugendlichen - immer noch zu leicht. Positive Ausnahmen waren 2006 die Ranglistenläufe in Pörtschach und auf der Hebalm und der zweite Tag der Chicken Challenge (Klassikdistanz in Köstendorf) . Und es braucht auch hohe Schwierigkeiten im Techniktraining (nicht nur bei Trainingskursen, auch in den Vereinen). Die gerade anlaufende wissenschaftliche Vergleichsstudie über das Jugendtraining in den anderen Ländern sollte hier wertvolle Rückschlüsse geben. Zu überlegen wäre auch, ob die Wettkampfhärte nicht auch über die Teilnahme an Top-Wettkämpfen im Ausland trainiert werden sollte (nicht nur in Slowenien, Italien oder Ungarn, wo wir ohnehin vorne sind, sondern in der Schweiz, in Tschechien, in Skandinavien...). Wichtig wären auch (siehe auch die Analyse der ISF-Meisterschaften) verstärktes Mitteldistanztraining und mehr Wettkämpfe über die Mitteldistanz für die Jugendlichen (gefragt sind sehr schnelles Orientieren und Laufen bei technisch hohen Anforderungen)
- Wir gehören läuferisch nicht zu den Top-Nationen, das physische Potential ist aber trotzdem bei den meisten für dieses Alter ausreichend. Hier würde eine weitere Ausweitung von Trainingsumfang und -intensität (z.B. auf das Niveau der Oststaaten oder auch von Spanien und Portugal) eine langfristige Steigerungsmöglichkeit bis hin zur Eliteklasse gefährden (im physischen und lauftechnischen Bereich sehen wir also nicht den Engpass, solange noch so große Fehler passieren).
- Ein Konzept braucht es aber auch für das Heranführen der 18-jährigen an die Eliteklasse (also für die Zeit nach dem Ausscheiden aus dem Jugendkader). Längere Auslandsaufenthalte (Studieren in Skandinavien), optimale Nutzung der Möglichkeiten des Leistungszentrums (auch für Mädchen), Forcieren der OL-technischen Entwicklung neben der physischen, Prophylaxe gegen Übertraining/-forderung, Spitzen-Training auf Vereins- bzw. Landes-/Regionsbasis, optimale persönliche Betreuung, Techniktrainings auf Vereinsebene, Trainingsgemeinschaften
Kurzum: trotz unseres ersten Europameistertitels bleibt also noch genügend zu tun.
Was uns die Arbeit als Jugendbetreuer aber um vieles leichter macht, das ist die hervorragende Einstellung aller Läufer/innen, die an dieser Stelle auch einmal erwähnt werden sollte. Besonders beeindruckend der große Einsatz auch nach Fehlern. Und das uns die Verbandsspitze auch durch die persönliche Teilnahme von Lucie Rothauer im Betreuerteam unterstützt hat, freut uns ganz besonders. Kaum ein anderes Team konnte seine Läufer/innen mit Tipps einer Weltmeisterin auf die Bewerbe vorbereiten.
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Günter Kradischnig
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