Gelaufen: Der Ski-OL Austria Cup 2006
Von Hans Kolar
Planmäßig und fast immer am vorgesehenen Ort wurde im Jänner 2006 der diesjährige Ski-OL Austria Cup gelaufen. Dafür waren vor allem drei Faktoren verantwortlich: Der schneereiche Winter und die beiden Veranstaltervereine SKV D.Kaltenbrunn mit Fritz Marth und die NF Linz mit Alois Mair an der Spitze. Sechs Austria Cup-Läufe, vier Staatsmeisterschaften bzw. Österreichische Meisterschaften und zwei World Ranking Event sind das Ergebnis dreier Wochenenden, die voll im Zeichen des Ski-OL standen. Und steigende Teilnehmerzahlen signalisieren, dass der österreichische Ski-OL nun schon das dritte Jahr in Folge im Aufschwung ist. Die Dreikönigstrilogie - mit Langdistanz- und Staffelstaatsmeisterschaft
Am langen Wochenende zu Dreikönig wagte es Fritz Marth mit seinem SKV D.Kaltenbrunn – mit bewährter Unterstützung durch Eugen Kainrath (EDV) und Wolfgang Pötsch / Michael Melcher (TDs) - erstmals, drei Ski-OL-Tage am Stück zu veranstalten.
Der Auftakt am 6.Jänner auf der 1200m hoch gelegenen Gnadenalm zwischen Unter- und Obertauern stand noch etwas im Zeichen einer abziehenden Schneefront, deren Schneemassen dem Veranstalter einige Mühe machten: nicht spurbare Zusatzloipen in Hanglage wegen zu viel und zu lockerem Schnee, Bahnkorrekturen. Dafür – da World Ranking Event - starke ausländische Beteiligung aus 6 Ländern. Und viele inländische Teilnehmer, die Veranstaltung verzeichnete rekordverdächtig nahezu 200 tatsächlich Gestartete. Und sie stand auch im Zeichen des neuen ÖFOL-Vorstandes, der zum Großteil selbst daran teilnahm. Unter ihnen ÖFOL-Präsident Thomas Hlosta. Es war sein erster Ski-OL und er schätzte danach umso mehr die Leistungen der Teilnehmer dieser sehr fordernden OL-Variante.
Tags darauf stand im eher flachen, aber mit Standardloipen gut bestückten Gebiet zwischen Altenmarkt und Radstadt die Österreichische Staatsmeisterschaft über die Langdistanz auf dem Programm. Wieder WRE, wieder ein starkes und großes Teilnehmerfeld. 95% breite Skatingloipen und nur wenige schmale Skispuren waren nach dem Geschmack der meisten Teilnehmer.
In der Langdistanz-Meisterschaft hatte die Herren-Elite 16 Kontrollposten auf über 14 km Luftlinie und die Damen-Elite 11 Kontrollposten auf über 11 km Luftlinie zu bewältigen. Siegerzeiten knapp unter einer Stunde wurden erwartet und auch erreicht. Zwar lag passend zur Disziplin der Schwerpunkt auf der läuferischen Komponente, jedoch wurden die Läufer durch das dichte Loipennetz bei Planung und Kontrolle ihrer Route permanent gefordert. Mit Möglichkeiten für Alternativrouten zu teilweise sehr weit entfernten nächsten Kontrollposten, die das Loipennetz voll ausreizten, mit der Unmöglichkeit von Abkürzungen – viel Tiefschnee zwischen den Loipen – war es auch orientierungstechnisch eine knifflige Angelegenheit.
Die Staatsmeisterschaft bei den Herren holte sich Seriensieger Johann Kugler in einem Sekundenkrimi vor Stephan Varga (beide LZ OMAHA). Bronze ging an Dieter Mikula von der SU Klagenfurt. Tagesbester aber wurde der Tscheche Ondrej Vodrazka, fast drei Minuten vor Kugler.
Auch bei den Damen stand das gewohnte Duell auf dem Programm: Habenicht – Zinkl. Als Dritte mischte diesmal MTB-O-(Staffel-)Weltmeisterin Antje Bornhak mit. Nur knapp über eine Minute lagen schließlich zwischen Staatsmeisterin Regina Habenicht (SU Klagenfurt) und der Dritten Sonja Zinkl (LZ OMAHA). Antje Bornhak (IAC) holte sich Silber. Tagesbeste aber wurde die Tschechin Barbara Chudikova mit überlegener Bestzeit, vor der auch in Österreich beim Fuß-OL bekannten Ungarin Agnes Simon.
Den Abschluss der Trilogie bildeten am Sonntag 8.Jänner die Österreichischen Staffelmeisterschaften im gleichen Loipennetz wie die Langdistanzmeisterschaft. Wie am Samstag strahlte die Sonne vom Himmel und bei eisigen -12° wurde der Bewerb gestartet. Darunter erstmals auch drei Staffeln aus Wien. Der Bewerb in der allgemeinen Klasse hatte zwei Aspekte: ein inoffizieller Länderkampf Schweiz-Österreich-Tschechien, der in dieser Reihenfolge entschieden wurde und die traditionellen Duelle OMAHA gegen SU Klagenfurt gegen Pinkafeld. Lagen die Youngsters aus Pinkafeld dank Markus Lang nach dem ersten Läufer noch an der Spitze, so machten die Routiniers Varga und Kugler schnell für OMAHA alles klar. Zwischen den beiden burgenländischen Teams platzierten sich die Oldboys aus Klagenfurt. Am schnellsten war das Schweizer Nationalteam-Trio Fischer-Spoerry-Schnider mit 34 Sekunden vor OMAHA bei einer Gesamtzeit von 74 Minuten. Auch bei den Damen lautete das Ergebnis OMAHA vor Klagenfurt vor Pinkafeld. Zwar gab es Gleichstand nach den ersten Läuferinnen, aber Schlussläuferin und MTB-O-WM-Silbermedaillengewinnerin Sonja Zinkl sicherte den OMAHA-Sieg. Klar schneller war das tschechische Duo Zuzana Stehnova - Barbara Chudikova. Die verlagerte Meisterschaft: Mitteldistanz-Staatsmeisterschaft in der Innerrosenau
In einem neuen und viel versprechenden Ski-OL-Gebiet hätten am 21./22. Jänner zwei Austria Cup-Läufe stattfinden sollen, darunter die Mitteldistanz-Staatsmeisterschaft: in Ulrichsberg im nördlichsten Oberösterreich, direkt an der tschechischen Grenze. Mangels Veranstalter im eigenen Land sollten es auch deutsche Meisterschaften werden.
Manchmal ist es zuviel des Guten: jede Menge feuchter Schnee fror bei den gigantischen Schneefällen zu Jahresbeginn an den Bäumen an, brachte zahlreiche zu Fall oder sorgte zumindest dafür, dass viele Äste unkontrolliert und unberechenbar die Loipen und die dafür vorgesehenen Waldschneisen übersäten. Mit der Unmöglichkeit konfrontiert, die Sicherheit zu garantieren und die Loipen noch in diesem Winter „besenrein“ zu machen, sah sich Alois Mair mit seinen Linzer Naturfreunden (und gemeinsam mit Co-Veranstalter HSV Kremstal – Johannes Schenk) zur Absage gezwungen. Es fand sich jedoch zum gleichen Termin ein Ersatzgebiet in der Innerrosenau bei Windischgarsten: Ein altes Ski-OL-Gebiet, in dem bereits in den 90ern Ski-Ols und auch eine Ski-OL-WM ausgetragen wurden und in dem ein Biathloncenter mit Gerät und Loipengrundstruktur die wertvolle Basis bildete. Das kleine Tal ist seitdem nicht breiter und die Hänge sind nicht flacher geworden. Schnee gab es meterhoch und deshalb konnten in Hanglage nicht alle geplanten Loipen gespurt werden, weil lawinengefährdet.
Waren die Loipen am ersten Tag bei der Mitteldistanzmeisterschaft bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und feuchtem, fest gepressten Schnee sehr schnell, sorgte feuchter Neuschnee am nächsten Tag eher für das Gegenteil, bevorzugte die wohl Durchtrainierten unter den Läufern. Zwar konnten die während der Nacht gefallenen 30 cm Neuschnee noch mit den Spurgeräten „flach“ gemacht werden, weiterer Schneefall während des Rennens machte jedoch die Loipen stumpf. Wieder gab es fast nur breite Skatingloipen, aber einige schmale Ski-Spuren, auch bergauf genutzt (vom Bahnleger eigentlich als Bergabspuren gedacht), von Tiefschnee gesäumt und mit Gegenverkehr (wenn in Fuß-OL-Manier gedacht und orientiert wurde) sorgten für örtlich etwas prekäre Verhältnisse.
Die verlässliche österreichische Ski-OL-Gemeinde war vor Ort und auch die deutschen Läufer scheuten nicht den weiten Weg bis in die Nähe des Alpenhauptkammes. Damit dürfte erstmals in Österreich ein Ski-OL mehr als 200 Teilnehmer gehabt haben.
Die Mitteldistanz-Staatsmeisterschaft am Samstag holten sich Sonja Zinkl und Stephan Varga. Mit gut zwei Minuten vor Johann Kugler und drei Minuten vor Markus Buchtele war dies auf den 6,2 km / 170 Hm eine klare Entscheidung. Sonja Zinkl vor Ursula Varga und Karin Leonhardt lautete die Staatsmeisterschaft bei den Damen, mit jeweils etwa zwei Minuten Abstand nicht wirklich ein Kampf um die Plätze. Tagesschnellste auf den 4,6 km / 120 Hm war Antje Bornhak – diesmal für ihren deutschen Klub in der deutschen Meisterschaft startend. Gold und Silber ging also jeweils an das LZ OMAHA, während Bronze nach Klagenfurt zur SU und nach Fürstenfeld zum TV ging.
Der Sonntag brachte längere Bahnen. Für die Österreicher war es der 4. Austria Cup und für die Deutschen ihre Langstreckenmeisterschaft: 11,8 km / 325 HM bei den Herren, 7,4 km / 210 Hm bei den Damen. In der österreichischen Elite gab es zum Teil neue Gesichter am Podest. Hinter Sieger Stephan Varga mit deutlichem Abstand Dieter Mikula und Felix Meizer. Johann Kugler ließ einen Posten aus … Wie am Vortag war Stephan auch schneller als der beste Deutsche – Bernd Kohlschmidt aus Dresden. Finale mit Bergankunft: Die Sprint-Staatsmeisterschaft
Zum Abschluss lachte die Sonne. Hat das etwas mit Fritz Marth zu tun, der nicht nur zu den Gemeinden sondern anscheinend auch zu Petrus einen guten Draht hat? Zur Sicherheit hat er sich mit Hohentauern in den östlichen Ausläufern der Niederen Tauern einen schneesicheren Ort ausgesucht, mit 1273m Seehöhe auch den höchsten des diesjährigen Austria Cups. Schneefall plagte diesmal nicht den Veranstalter, der war schon vorher und hinterließ über einen Meter (senkrecht gemessen) relativ kompakten Schnees. Das Gelände hatte seinen speziellen Reiz: Etwas unterhalb und südlich der Passhöhe ein wunderschönes eher flaches Laufgebiet, ein steileres Gebiet direkt neben der Passhöhe und dazwischen gut 100 Hm, die jeder bewältigen musste, der zum höchstgelegenen Punkt der Bahn, dem Ziel, wollte. Es war der angekündigte, physisch sehr fordernde, Schlussanstieg. Teilweise zu fordernd, abschnallen und Ski in der Hand tragen war für konditionsschwächere Läufer durchaus eine schonende und sogar schnellere Alternative. Nur die Besten und Stärksten brachten noch bewundernswert viel Zug auf den Stock. Dafür war die wichtigste Infrastruktur, ein warmer Turnsaal, gut für die Gesundheit der Wettkämpfer, gleich neben dem Ziel.
Fast schon selbstverständlich: Fast nur breite Loipen, auch hier lag der Schwerpunkt auf dem Laufvermögen. Dennoch machten G’schichten über mehr oder weniger erfolgreiche Abschneider am ersten Abend die Runde. Zwei Ski-Spuren, die bergab eine Abkürzung versprachen, waren für manche Läufer zu verlockend. Eine Baumreihe, die zu durchqueren war, verbarg einen lt. Karte überwindbaren Zaun: an der einen Stelle kam man ohne Abschnallen durch, die andere war ein Stacheldrahtring, nur für schlanke Damen zum Durchschlüpfen geeignet und mit Zeitverlust.
Stephan Varga und Sonja Zinkl holten sich am Samstag im Sprint ihren dritten Staatsmeistertitel ab. Für Stephan war es wieder ein Sekundenkrimi gegen Vereinskollege Johann Kugler, aber schon deutlicher gegenüber Dieter Mikula. Der Klagenfurter hatte mehr als zwei Minuten Rückstand. Sonja Zinkl setzte sich gegen ihre Dauerkonkurrentin Regina Habenicht durch, die wichtige Zeit auch bei oben erwähntem Stacheldraht verloren haben dürfte. Uschi Varga sicherte sich Bronze.
Der Sonntag brachte mit dem 6. Lauf den Abschluss des diesjährigen Austria Cups. Noch einmal stand, bei erneut herrlichem und milden Winterwetter eine längere Strecke (Herren 8,9 km, Damen 6,2 km) auf dem Programm, die weiter in den flacheren und schöneren Teil des Gebietes führte. Der große Schlussanstieg war trotzdem wieder zu bewältigen. In der Eliteklasse setzte sich erneut Stephan Varga durch, vor Kugler und Mikula. Ist das schon die Ablöse der langjährigen Routiniers? Bei den Damen siegte Regina Habenicht in Abwesenheit von Sonja Zinkl.
Stephan Varga und Sonja Zinkl sicherten sich mit ihren letzten Erfolgen auch endgültig den Sieg im Austria Cup.
Mit fast 140 Teilnehmern war auch das letzte Austria Cup-Wochende in Hohentauern ein voller Erfolg für den Veranstalter und zeigt das zunehmende Interesse am österreichischen Ski-OL. Und Fritz Marth und sein Team sind mittlerweile so eingespielt, dass diese Veranstaltung völlig stressfrei für den Veranstalter und fast ohne Pannen ablief. Ausblick
Die Planungen für die Ski-OL-Saison 2006/07 sind bereits voll im Gang. Sie dürfte über drei Monate laufen. Beginnend mit Eisenerz Anfang Dezember sind Ulrichsberg, Wald am Schoberpass und andere Orte geplant. Und natürlich noch mehr Wettkämpfer …
Hans Kolar
Bericht Wolfgang Pötsch
Ergebnis
Fotos
Vorläufiger Endstand Austria Cup
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