WOC-Langdistanz: Gold für Simone und Jani
Aarhus (Dänemark) vom 1.–5.8.2006
In einem packenden Finale über die Langdistanz setzten sich Simone Niggli und der Finne Jani Lakanen durch. Österreich war (leider) nicht vertreten.
Heißes Rennen in Løndal Skov
Mittwoch 2. August, 14:00: Die ersten Damen starten in das Finale über die Langdistanz. Noch tut sich nicht viel im Zielraum, denn bei einer erwarteten Laufzeit so um die 80-90 Minuten für 11.700m mit 595m Hu wird es noch einige Zeit dauern bis die ersten Läuferinnen zumindest beim Zuschauerposten vorbeischauen. Die Zwischenzeit nutzen die Veranstalter um dem mittlerweile zahlreich erschienen Publikum - darunter sichtlich viele Schweizer, die wieder auf ein "great feeling" hoffen (dürfen) – auf der großen Videowall die Karte und die Bahnen zu erläutern. Es gibt sowohl bei den Damen als auch den Herren jeweils 2 sehr lange Routenwahlen, mit zumindest 3 in Frage kommenden Alternativen – so der Bahnleger. Längere Umlaufrouten oder die direktere, aber hügeligere Variante stehen zu Auswahl. Wie sie wirklich gelaufen sind wird später während des Rennens gezeigt. Die Daten liefert das erstmals bei einer WM eingesetzte Tracking-System – bestimmten LäuferInnen wurden Sender mitgegeben, die laufende Positionsbestimmung ermöglichen.
... und wieder Simone
Allmählich wird es spannend. Nach 3 Kilometern liegt die Tschechin Dana Brozkova knapp vor Tana Riabkina (RUS), Simone Niggli und Marianne Andersen (NOR). Aber noch ist nichts entschieden. Nach 7,7 km ist die Reihenfolge genau umgekehrt, jetzt führt Marianne 18 Sekunden vor Simone, nach mehr als 50 Minuten Laufzeit nicht viel. Jubel im Schweizer Lager, als Simone beim Zuschauerposten dieses -18 in ein +16 gedreht hat, mit diesem Vorsprung auf die letzte 2 km-Schleife geht. Tana Riabkina hat schon mehr Abstand, Fehler oder zu hohes Anfangstempo? Auf der Schlussschleife ändert sich nicht mehr viel, Simone vergrößert ihren Vorsprung auf 26 Sekunden (Laufzeit 79:50,2), die Finnen Heli Jukkola kann noch auf den 4. Platz vorlaufen. Gold also für Simone Niggli (Nr. 11 bei einer WM), Silber für Norwegens Marianne Andersen und Bronze für Dana Brozkova aus Tschechien. Für Marianne ist es das erste Einzeledelmetall, für Dana das erste – eher unerwartete – WM-Edelmetall überhaupt.
Bleibt Khramov Weltmeister?
Nach den Vorläufen hat es nicht unbedingt danach ausgesehen, aber zu den Favoriten gehörte der Russe jedenfalls. Nach 12 der 17,5 km (880 Hu) lag er auf Platz 3, auf Medaillenkurs jedenfalls. Knapp davor Landsmann Valentin Novikov und noch deutlicher, bereits in Führung, der junge Finne Jani Lakanen. Smola, Lauenstein und Mamleev dahinter, quasi auf der Lauer. Für den für Italien laufenden Mikhail Mamleev war sie nicht wirklich eine, er verlor zum Schluss ein paar Ränge und wurde 12. Noch stärker der Rückfall für Novikov, der einige Minuten verlor und 19. wurde. Dafür wurde der Schweizer Marc Lauenstein immer stärker. Beim Zuschauerposten toppte er die Zeit von Khramov, machte bis ins Ziel alles richtig und holte Silber vor Khramov. Jani Lakanen verteidigte seine klare Führung, holte den ersten Weltmeistertitel über die Langdistanz für Finnland seit 1984 (Laufzeit 105:01,0). Lauenstein wurde also wie 2005 in Japan mit Silber belohnt, Khramov ist diesmal hinter statt vor ihm. Nur Lakanen verwehrte dem sympathischen Schweizer den Griff nach Gold. Marc half Jani sogar bei der Siegerehrung, als die Goldmedaille bei der Überreichung vom Befestigungsband abstürzte. Und dass er seine Wettkampfteilnahme zugunsten seines Medizinstudiums in den letzten Monaten zurückstellte war für Marc offensichtlich kein Nachteil.
Die Entscheidungen fielen bezüglich Zeitabstände ziemlich knapp. Auch die späteren Sieger mussten noch im Endspurt um Sekunden kämpfen. Einen triumphalen Einlauf mit Nationalfahne konnte sich diesmal niemand leisten.
Mit Ausnahme von Lakanen hatten die Skandinavier bei der Medaillenentscheidung der Herren nichts mitzureden. Der beste Schwede (Mattias Karlsson) auf Platz 10, der beste Norweger (Anders Nordberg) auf Platz 11. Bei den Damen lief es für Skandinavien viel besser: 6 in den Top-8, nur die schwedischen Routiniers Höjsgaard (Gold Langdistanz 2004) und Emma Engstrand erst auf Platz 7 und 8.
Spannung pur
Die Österreicher sehen gerne Ski-Rennen. Gut, weil "wir" oft gewinnen, aber auch weil es spannend ist (meinen viele). Beim OL kann es noch viel spannender sein. Dafür sorgen wie hier TV-Aufnahmen auf der Videowall, die die Läufer bei bestimmten Posten im Wald zeigen, mit Zwischenzeiten und –positionen, wie man es von Ski-Rennen kennt. Weil aber das Dazwischen für den Zuschauer verborgen bleibt, weil alles viel länger dauert, weil die Besten zum Schluss kommen und weil ein wirklich fachkundiger Sprecher kommentiert, kann man sehr spannende Stunden live erleben.
Fotos
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Weitere WOC-Berichte
Hans Kolar
aus Aarhus / Dänemark
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Gold-Simone

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