WOC Langdistanz-Qualifikation: Wie ein Ei dem anderen
Aarhus (Dänemark) vom 1.–5.8.2006
Die Unterschiede zwischen der Qualifikation zum Langdistanzfinale und zum Mitteldistanzfinale sind schnell aufgezählt: anderes Datum (Sonntag 30.7.2006), anderer Ort (Lina Vesterskov, 35 km westlich von Aarhus) und andere Bahndaten (längere Strecken und Zeiten). Ansonsten? Die ÖsterreicherInnen gaben was zu geben war, boten gute Leistungen, doch es reichte mehr oder minder knapp nicht für den Cut der Besten 15 im Vorlauf und damit für das Finale am Mittwoch. Die arrivierten Weltklasseläufer setzten sich mit Spitzenzeiten klar durch, die eine oder andere kleine Überraschung inkludiert.
Die Aufgabe und ihre Erledigung
Rund 10,7 km mit 490 Hu hatten die Herren und 7,0 mit 390 Hu die Damen zu bewältigen. Wie schnell kann man das in dem meist offenen und schnellen Wald, der erst gegen Ende mit sehr hohem Farn und querliegenden Bäumen unübersichtlicher wurde bewältigen? Jani Lakanen (FIN) zeigte es in Men-A vor: 58:21! Kaum langsamer mit ca. 60 Minuten Valentin Nivikov (RUS) und Anders Nordberg (NOR) als Sieger in Men-B bzw. -C. Auch die Damen zeigten vor wie hoch das Tempo im modernen Orientierungslauf ist: Tanja Riabkina (RUS) in 48:57, Simone Niggli-Luder in 47:27 und Heli Jukkola in 47:50 als Vorlaufsiegerinnen. Dahinter jeweils dicht gedrängt was Rang und Namen im internationalen OL hat.
Es muss alles passen
Wenn man wie die Österreicherinnen auf einem Leistungsniveau steht, wo jede Finalqualifikation immer eine knappe Sache ist, dann darf im Lauf nichts schief gehen, also keine technischen Fehler, speziell in einem technisch eher leichten Wald, wo die Weltklasse meist fehlerlos voll andüst und ihre läuferische Überlegenheit ausspielen kann – und das nötige kleine Quentchen Glück muss auch dabei sein.
Sehr knapp dran waren Michi Gigon (Platz 18, 1:35 fehlten), die erst im unübersichtlichen Schlussteil mit Problemen bei der Geländeinterpretation entscheidende Zeit verlor und Andrea Eisl, die bis Posten 12 klar auf Quali-Kurs war – diesmal waren ihre Beine locker und schnell – und dann einen unerklärlichen (Konzentrationsfehler?) Richtungsfehler machte, der ihr 6 Minuten kostete und den Superlauf und das Supergefühl blitzartig in eine Enttäuschung wandelte. Platz 21, 1:01:32 und 2:25 auf den Cut waren das Ergebnis. Die Siegerin Tanja Riabkina war fast 13 Minuten schneller. Neo-Östereicherin Thea Lillehov hielt sich mit Platz 23 wacker, aber es fehlten doch 7:42 auf den Cut.
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Noch härter hatten die Herren zu kämpfen. Markus Lang: "Technisch nicht schwer, aber es gab Parallelsituationen wo man aufpassen musste, um nicht Zeit zu verlieren". Einmal zu wenig aufgepasst und Markus lief an einem Posten vorbei. Das kostete ein paar Minuten. Zusammen mit Ermüdungserscheinungen gegen Schluss waren das wahrscheinlich die 4:35, die auf den Cut fehlten (Platz 22). Die läuferische Form ist heuer nicht so wie in Västeras 2004, dass er hier noch zusetzen und ausgleichen könnte. Martin "Pongo" Pongratz und Martin "Bindi" Binder fehlt einfach noch jene Stärke, die in so einem harten Rennen erforderlich wäre. Man durfte auch nicht zu viel erwarten, es war eine klare Standortbestimmung für die Beiden. Platz 25 bzw. 29 und 8:18 bzw. 12:15 auf den Cut waren das Ergebnis.
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Mittel- und Langfinale ohne ÖsterreicherInnen
Man durfte nicht zu viel erwarten. OL-Österreich wurde im Vorjahr durch einen in Höchstform befindlichen Gernot Kerschbaumer mit Erfolgen verwöhnt. Drei Finalteilnahmen insgesamt in beiden Disziplinen wurden 2005 (Gernot Kerschbaumer, Jan Zazgornik, Thomas Krejci) und 2004 (Markus Lang, Andrea Eisl, Norbert Helminger) erreicht. Aber fast immer war es knapp. Auch diesmal zum Teil, leider auf der anderen Seite des Cut. Bleibt der Sprint am Dienstag mit Vorlauf und Finale im Mindepark südlich von Aarhus-Zentrum und die Staffel am Samstag. Zur Erinnerung: Bei der Europameisterschaft 2006 in Estland erreichte die österreichische Herrenstaffel mit Platz 13 in der Nationenwertung ein sehr gutes Ergebnis (WOC 2004 und 2005 jeweils Platz 15) …
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Hans Kolar
aus Aarhus / Dänemark
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