WOC Mitteldistanz Qualifikation: Knapp daneben ist auch vorbei
Aarhus (Dänemark) vom 1.–5.8.2006
18-18-18-22-26-19 lauten die Platzierungen der ÖsterreicherInnen bei der heute Samstag 29.7.2006 gelaufenen Qualifikation zur Mitteldistanz, dem ersten Bewerb . Also zuwenig, um den Cut zu erreichen, der in jedem der je drei Qualiläufen bei mit Rang 15 begrenzt war. Ihre Vorläufe klar gewannen, zum Teil mit deutlichem Vorsprung, bekannte Klasseläufer: Matthias Merz (SUI), Jarkko Huovila (FIN) und Vorjahrsdritter, der regierende Weltmeister Thierry Gueorgiou (FRA), Minna Kauppi (FIN), Helena Jansson (SWE) und Simone Niggli-Luder (SUI).
Der Ort des Geschehens
Ein Wald westlich von Them, einem kleinen Ort ca. 40 km westlich von Aarhus, war das Gelände, in dem die Finalisten der Mitteldistanz ermittelt wurden. Das Finale findet am Freitag 4.August statt. Das OL-Gelände war durch zwei Bereiche mit unterschiedlicher Charakteristik gekennzeichnet: Zu Beginn eher offen mit hohen Farnen oder Heidelbeeren, nur leicht hügelig, aber die Grünstufen waren in diesem Art von Bewuchs nicht ganz einfach zu identifizieren. Im hohen Farn galt es besonders, die eigene Position immer genau zu wissen und die Posten nicht zu übersehen. Der zweite Teil war mehr hügelig, mit vielen Geländedetails und gegen Schluss mit ermüdenden Grabenquerungen. Seehöhe 20-140m.
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 4 der 6 Vorlaufsieger:
Niggli (SUI), Gueorgiou (FRA), Merz (SUI), Huovila (FIN)
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Ernüchternder Vormittag
Zwischen 10 und 12 Uhr fand der Bewerb statt. Jede Nation konnte 3 Läufer stellen, für jeden Vorlauf einen. Für Österreich starteten bei den Herren Gernot Kerschbaumer, Felix Breitschädel und Jan Zazgornik, also die derzeit Stärksten auf der Mitteldistanz. Alle drei wurden 18., verpassten also den Cut – aber jeweils aus unterschiedlichen Gründen.
Gernot Kerschbaumer fehlten nur 58 Sekunden. Technisch sauber, aber körperlich nicht voll auf der Höhe, konnte er seinen tolle Vorjahrserfolg (Platz 2 im Vorlauf, Platz 9 im Finale) nicht wiederholen, Seit Mai plagen ihn Halsprobleme und Asthma – damit ganz einfach zu wenig Luft um ganz schnell zu sein. Es ist nur zu hoffen, dass er diese Probleme in absehbarer Zeit überwinden kann.
Felix Breitschädel fehlten da schon 2:14 Minuten – ungefähr das, was er zwischen Posten 2 und 3 im "Farngebiet" durch ungenaues Orientieren verlor, ein Fehler, der eigentlich nicht passieren sollte. Aber auch im OL gilt nicht das "Hätt’ i, war i".
Eine starke, aber unbelohnt gebliebene Leistung bot Jan Zazgornik. Zwar ebenfalls 18., aber mit nur 25 Sekunden hinter dem Cut. Er hatte das Pech, in den am stärksten besetzten Vorlauf gelost zu werden. Kapazunder wie Laufsieger Thierry Gueorgiou, Emil Wingstedt, Pasi Ikonen, Daniel Hubmann, Holger Hott Johansen, Leonid Novikov und andere waren die Konkurrenz. Zwar muss man die Stars nicht unbedingt in der Quali besiegen, aber sie nehmen wichtige Ränge weg, denn das "Mittelfeld" dahinter ist auch nicht gerade schwach. Dass Bekannte wie der für Fürstenfeld laufende Italiener Klaus Schgaguler hinter Jan platziert ist, bestätigt zwar Jans gute Leistung, aber nutzt nichts. Schade, Jan.
Damit läuft im Gegensatz zu Japan 2005 (zwei Finalisten) kein Österreicher im Finale.
Bei den Damen waren die Erwartungen etwas weniger hoch. Vielleicht am ehesten erwartet hätte man eine Qualifikation von Andrea Eisl. Aber es reichte nicht, Platz 22 und 2:32 Rückstand auf den Cut. Dabei durfte man als Zuseher beim Einlauf kurz hoffen, denn Andrea fand nach dem Schlussposten nicht sofort den markierten Zielsprint, bog um 90° rechts ab (wie auch andere) in Richtung Zuseher. Warum hoffen? Dass sie sich so schnell fühlte, dass sie einen "Bremsschwung" einlegen wollte, wie die "Ski-down-hiller", wenn sie im Training um die Startnummer für den Bewerb pokern und nicht zu schnell sein wollen. Es wird bei Andrea einen anderen Grund gehabt haben.
Platz 26 für die Neo-Österreicherin Thea Lillehov, 6:50 hinter dem Cut. Ein einziger technischer Fehler, aber insgesamt zuwenig Geschwindigkeit. Schon erfolgreicher aber läuferisch auch zu langsam war Michaela Gigon, die mit Platz 19 und 1:40 hinter dem Cut die erfolgreichste Österreicherin war, aber immerhin auch 8 Minuten hinter Laufsiegerin Simone Niggli – und für "beste Österreicherin" gibt’s nichts zu erben, nur die internationale Platzierung zählt für den Erfolg.
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Gigon, Eisl, Lillehov, Kerschbaumer
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Wo wir also stehen
Ulu Aeschlimann, Nationaltrainer der ÖsterreicherInnen, fühlt sich nicht wirklich enttäuscht, auch wenn er es sich leichter vorgestellt hat. Man muss zur Kenntnis nehmen, dass dies dem momentanen Leistungsniveau der ÖsterreicherInnen entspricht, von dem ausgehend weiterzuarbeiten ist. Eine Theorie scheint bestätigt zu sein: Dass es immer mehr auf die vom Läufer erreichbare Grundgeschwindigkeit ankommt, die Platzierungen im Weltklassefeld korrelieren mit den Lauffähigkeiten, messbar an den 5.000m-Zeiten auf der Laufbahn. Da sind andere um einiges schneller. Bei den Österreichern waren es (bis auf Felix) nicht die technischen Fehler, die die Rückstände bewirkten.
Ob die Bahnen schwer waren? Da gehen die Meinungen auseinander. Thierry sagte, schwer mit interessantem Beginn. Michaela Gigon fand’s nicht sehr schwer, wie im Wienerwald nur weniger steil, in Österreich wäre sie mit ihrem Lauf zufrieden gewesen.
Die üblichen Verdächtigen,
also die bekannten WeltklasseläuferInnen und einige andere dominierten die Vorläufe und setzten sich durch. Kleine Überraschungen boten andere, wie z.B. die Japanerin Yoko Bamba, die 12. wurde, nur 6 Minuten hinter Simone Niggli.
Wie geht’s weiter?
Am Sonntag starten die anderen drei Herren - Markus Lang, Martin Pongratz und Martin Binder - in der Langdistanz-Qualifikation. Bei den Damen ist wieder das gleiche Trio am Start (Österreich hat nur drei Damen im Team).
Zur Organisation
Die dänischen Veranstalter haben die Organisation gut im Griff (auch wenn der Berichterstatter seine ID-Card erst einen Tag später bekam) und sind, was sehr angenehm ist, sehr hilfsbereit und bemüht. Wenn es so weitergeht, wird es eine schöne WM. Noch dazu, wo auch das Wetter mitspielt. Angenehm für hitzegeplagte Österreicher. Knapp über 20 Grad am Vormittag, noch unter 30 Grad am Nachmittag, abwechselnd bewölkt und sonnig, gut für die LäuferInnen und Zuseher.
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Hans Kolar
aus Aarhus / Dänemark
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