WOC-Sprint: Die Österreicher mischten mit
Aarhus (Dänemark) vom 1.–5.8.2006
Das Sprintrennen dieser WM brachte – endlich – auch dem österreichischen Team ein schönes Erfolgserlebnis: Jan Zazgornik und Felix Breitschädel belegten mit ausgezeichneten Läufen die Plätze 24 und 25. Bei den Herren gab es eine Wiederholung des Vorjahresergebnisses – Emil Wingstedt (SWE) vor Daniel Hubmann (SUI), bei den Damen eine neue Siegerin die Tasmanierin aus Hobbart Hanny Allston (AUS) entthronte die Seriensiegerin Simone Niggli (SUI).
Heißes Rennen im Mindeparken
Mindeparken ist ein ausgedehntes Parkgebiet am südlichen Stadtrand von Aarhus, durchaus dem Wiener Prater ähnlich und hat auch die gleiche "Einrichtung": Waldgebiete mit tlw. hohem Unterwuchs, Gewässer, ein Stadion, eine Trabrennbahn, ein Vergnügungsareal (Tivoli – wie der Wiener "Wurschtelprater"), Asphaltstraßen, Wegenetz und halboffene Gebiete mit vielen Einzelbäumen. Die Bahnleger nutzten diese Vielfalt gekonnt aus, was von den Läufern alles, also auch hohe Flexibilität erforderte. "Heiß" bezieht sich nur auf die spannende Konkurrenz, das Wetter spielte mit, Gewitter gab es nur in der Mittagspause und während der Eröffnungszeremonie vor dem Finale.
|

Eisl, Gigon, Lillehov
|
Hart am Cut
Die ÖsterreicherInnen zeigten, dass sie im Sprint mit der Weltklasse mithalten können. Felix und Jan liefen – obwohl in getrennten Vorläufen – nahezu die gleiche Zeit und wurden jeweils Neunte und qualifizierten sich damit souverän für das Finale. Andrea scheiterte denkbar knapp, Platz 17 und 5,2 Sekunden zuviel. Michi, die den Sprint so gar nicht liebt, schlug sich überraschend gut, lag zwischendurch in den Feinorientierungsteilen auf Qualikurs, verlor aber in der abschließenden langen Laufstrecke die entscheidenden Sekunden: ebenfalls Platz 17 und 12,5 Sekunden zuviel. Nur Thea – zu nervös und daher fehleranfällig – und Martin – fand im Tivoli nicht gleich den richtigen Ausgang und verlor genau dort seine Zeit – scheiterten mit Platz 23 bzw. 25 klarer, aber auch mit beachtlicher Leistung.
|

Binder, Breitschädel, Zazgornik
|
Jan über seinen Qualilauf: "Ich habe wie geplant kontrolliert begonnen, stellte mich auf den Kartenmaßstab (1:4.000) ein und sah alle Objekte die ich sehen wollte. Der Lauf war recht abwechslungsreich, teil offen, im Wald bzw. schwierig. Man musste sich technisch immer wieder umstellen, von Routenwahlen auf Feinorientierung und zurück, das ging recht gut. Überraschungen? Wir hatten spekuliert, dass es auch in den Tivoli hineingehen wird, ich war darauf eingestellt, habe das Tempo herausgenommen und bin kontrolliert durchgegangen. Weil der Mittelteil im feinen Gebiet war, war der Lauf insgesamt läuferisch nicht so belastend, daher hatte ich im Endspurt noch genug Kraft."
Und Felix: "Es war sehr selektiv, wir hatten nur einen Waldposten, sonst bin ich durch den Wald nur durchgelaufen. Im Tivoli waren 8 Posten innerhalb von etwa 2 Minuten, das habe ich fehlerfrei geschafft. Es war sehr gefinkelt und irrsinnig schnell, nur einen Fehler weiß ich, 10 Sekunden kostete mich eine Sackgasse mit Zaun. Ich habe die Routen gut erwischt und nicht suchen müssen, die letzten 5 Laufminuten waren nur noch zum Laufen, da habe ich das Laktat in den Muskeln schon gespürt. Der Tivoli war zwar zum "Ausrasten", aber davor waren 500m zum Laufen, man ist schon müde hineingekommen. Der Rhythmuswechsel war super, dürfte aber einigen Läufern Probleme gemacht haben."
Sekundenkrimi im Finale
Bei der hohen Dichte der Weltklasse sind speziell im Sprint geringe Abstände nicht ungewöhnlich. Spannend bleibt es allemal. So durften die Dänen zunächst jubeln als ihr Claus Bloch mit Zwischenbestzeit einen tollen Spurt hinlegte und die Führung übernahm. Dann der Schweizer Daniel Hubmann. Noch Rückstand bei der Zwischenzeit, im Ziel aber 0,7 (Nullkommasieben) Sekunden schneller. Er holte damit wie im Vorjahr Silber, denn Schwedens Emil Wingstedt konnte ebenfalls nach der Zwischenzeit noch zulegen und war um eine weitere Sekunde schneller, holte wie im Vorjahr Gold. Wie knapp Triumph und Niederlage beieinander liegen zeigte der Schweizer Fabian Hertner. Überlegener Vorlaufsieger in Heat C, damit als Letzter gestartet, tolle Zwischenbestzeit, dann ein schwerer Fehler und Platz 26 hinter Jan und Felix. Wingstedt, groß gewachsen, sein Lauf wirkt gar nicht so schnell, hatte das Glück des Tüchtigen und ist im Sprint derzeit anscheinend unschlagbar: Weltmeister 2005 und 2006, Europameister 2006 und Nordischer Meister.
Optimal: Jan und Felix
Die Österreicher boten nahezu das Maximum des derzeit Möglichen, Cheftrainer Ulu konnte zufrieden sein. Jan: "Es war nicht so flüssig wie am Vormittag, ich bin bei 2 langen Routen schlecht weggelaufen, machte kleine unnötige Schleifen, hatte am Schluss zwei kleine Fehler – die Anspannung im Finale ist sicher größer. Der Rückstand von rund 1 Minute auf den Sieger ist OK, es ist der läuferische Unterschied." Felix: "Beim Start konnte ich sehen, wie der Läufer vor mir zögerte, ich habe taktisch langsamer angefangen, hatte aber doch bei Posten 1 und 2 kleine Fehler. Dennoch machte ich mir keinen Stress, blieb ruhig bei mittlerem Tempo, blieb sogar einige Sekunden stehen um mir die lange Routenwahl über die Trabrennbahn anzusehen. In der zweiten Hälfte hatte ich ein perfektes Rennen, sogar Jonne Lakanen (Platz 4) hat von mir profitiert, ich habe ihn gezogen bis er mich endlich eingeholt hatte. Ich glaube, mehr als 10 Sekunden besser waren nicht drinnen. Die Leistungsdichte ist verdammt hoch, für mich war es eine Steigerung nach der Europameisterschaft, am liebsten wäre ich alles im Tivoli gelaufen ...".
|

Felix und Jan
|
Simone: Mein erstes Silber
Gar nicht unglücklich zeigte sich die Vielfachweltmeisterin der letzten 4 Jahre, Simone Niggli-Luder, über ihre Silbermedaille und den knapp verpassten Sieg. Und sie wusste auch, wo sie verloren hatte: Bei Posten 2 machte sie einen Fehler, der nicht mehr aufzuholen war, offenbar auch weil Weltmeisterin Hanny Allston der läuferisch meist überlegenen Simone Paroli bieten konnte. Beim Zuschauerposten hatte Simone 6 Sekunden Rückstand, die sie ins Ziel lediglich auf fünf verringern konnte. Das "nicht unglücklich sein" ist wohl ehrlich gemeint, denn einerseits ist auch für eine überragende Spitzenläuferin eine Medaille nicht einfach nur so zu abzuholen und andererseits muss jede Serie einmal reißen. Nach 3 Sprint-WM-Titeln in Serie (2003-2005) sinkt damit der Druck auf Simone, die Erwartungshaltung ihrer Fans mit stets neuen Goldenen – womöglich mit immer größerem Vorsprung – erfüllen zu müssen. Sie kann locker an die nächste Aufgabe herangehen. Die steht bereits heute am 2. August auf dem Programm, das Finale der Langdistanz ist gleichzeitig die Chance zur Revanche. Aber Hanny Allston, Juniorenweltmeisterin 2006 über die Langdistanz, wird auch hier eine beinharte Konkurrentin sein. Fehlermachen verboten, ganz schnell Laufen sowieso Pflicht.
Spannendes attraktives Rennen
Per Videowall konnten die vielen Zuschauer des Finales die Läufer bei Zwischenzeit und im Endspurt verfolgen, inklusive laufender Zeit und Platzierung. Auch war vom Zielgelände das weite halboffene Gelände einzusehen und man konnte schon auf einige hundert Meter Entfernung die Läufer sehen. Gut für die Läufer war die große Pause zwischen Qualifikation ab 10 Uhr und dem Finale ab 17 Uhr. Man konnte zwischendurch zur Regeneration ins Quartier fahren. Bei den Damen lagen die ersten 4 dicht zusammen, die Schwedin Kajsa Nilsson als Dritte hatte 11 Sekunden Rückstand, ihre Landsfrau Lena Eliasson als Vierte 16 Sekunden. Dahinter klafft aber – im Gegensatz zu den Herren – bereits eine größere zeitliche Lücke.
Karte Sprint-Finale
Fotos Sprint-Quali
Fotos Sprint-Finale
WOC-Homepage
Weitere WOC-Berichte
Hans Kolar
aus Aarhus / Dänemark
|
|

Zielarena

Österreichischer Fanclub

Felix beim letzten Posten

Jan beim Zielsprint

Niggli und Allston

Knappes Ergebnis bei den Herren

|