Noch einmal WOC2006: Die Staffel – und ein Resümee
Aarhus (Dänemark) vom 1.–5.8.2006
Im abschließenden Staffelbewerb der Weltmeisterschaften 2006 am Samstag 5. August gewannen Schweden und Finnland nochmals je 2 Medaillen. Für die Schweiz lief es, gemessen an den Vorjahrsergebnissen, eher enttäuschend. Norwegen ging fast leer aus (zwei 6. Plätze) und die große Überraschung lieferten die russischen Herren mit einem klaren Sieg. Dahinter Finnland und Schweden. Bei den Damen gelang Simone Niggli diesmal nicht die gewohnte Aufholjagd – Platz 3. Schweden vergeigte zum Schluss Gold bei den Damen – daher Silber hinter Finnland. Die österreichischen Herren hielten sich in den beiden ersten Teilstrecken hervorragend mitten in der – erweiterten – Spitze, ein Platz um Rang 10 schien in Griffweite, doch letztlich wurde es wieder Platz 16 wie im Vorjahr.
Die Staffelentscheidung in Himmelbjerget
Himmelbjerget ist ein beliebter Aussichtsberg, ca. 50 km westlich von Aarhus, bestückt mit meist gut belaufbaren, aber teilweise detailreichen Wäldern und größeren offenen Flächen, die meist mit hohem Gras und Farn bewachsen sind. Die ersten Teilstrecken waren kürzer, die beiden anderen länger. Das bedeutete bei den Damen 5,2 km mit gut 300 Hm und dann jeweils 6,4-6,9 km mit gut 400 Hm, programmierte Siegerzeiten 36 bzw. jeweils 46 Minuten. Die Daten bei den Herren: 6,8-7,1 mit über 400 Hm, dann jeweils 7,6-8,0 km mit 460-470 Hm, Siegerzeiten 42 und 48 Minuten.
Die Nerven lagen blank
Bei den Damen begann es für Schweden gleich einmal sehr erfreulich: Jenny Johansson kam als Erste zurück, knapp gefolgt von Paula Haapakoski aus Finnland und Martina Fritschy aus der Schweiz. Norwegen hatte zu diesem Zeitpunkt seine Medaillenchancen schon fast vergeben, denn Startläuferin Birte Riddervold kam nach einem schweren Fehler erst als Elfte mit 5 Minuten Rückstand zurück. Österreich mit Andrea Eisl lag mit 12 Minuten Rückstand auf Platz 22. Andrea lief zu Beginn in der mittleren Gruppe mit, merkte bald, dass das Tempo knapp über ihrer Grenze liegt und war nach einer längeren Routenwahl bergauf ziemlich "blau" – Posten gesucht, der Zug war abgefahren. Also alles probiert und riskiert um dabei zu bleiben – es ist schief gegangen.
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Im zweiten Umlauf baute die Schwedin Kajsa Nilsson mit einem souveränen Lauf die schwedische Führung aus – 2:36 auf Finnland und 3:18 auf die Schweiz. Marianne Andersen startete eine vergebliche Aufholjagd. Auf der letzten Schleife wurde es dann dramatisch. Karolina A. Höjsgaard, die Verfolgerinnen im Nacken, machte sofort zu Posten 1 einen schweren Fehler und verlor Zeit. Wer aber dachte, das wäre jetzt die Stunde der Simone Niggli, die wieder einmal ihre Staffel in einer sehenswerten Aufholjagd in Front bringt, der irrte. Auch diese routinierte Läuferin machte einen schweren Orientierungsfehler. Lachende Dritte war die Finnin Minna Kauppi, die sich immer deutlicher an die Spitze setzte, während hinter ihr Höjsgaard und Niggli um Silber kämpften. Fast hätte sich noch einmal alles gewendet, als Minna zu Posten 17 plötzlich von der Idealroute abwich und zu einer Suchschleife abwich (wurde mit Hilfe des Trackings-Systems, das die Routen der Läufer per Funk übermittelte an der Video-Wall gezeigt). Der komfortable Vorsprung schrumpfte von 5 auf nur noch 1,5 Minuten im Ziel. Gold für Finnland, Silber für Schweden und (nur) Bronze für die Schweiz, da, wie sich nach dem Lauf herausstellte, Simone sich zu Beginn ihres Laufes am linken Fuß verletzt hatte.
Für Österreich lief in Schleife 2 Michi Gigon, die an diesem Tag zwar keine großen Fehler machte, sich aber körperlich ziemlich schlecht fühlte. Sie übergab als 23. an Thea Lillehov, die einen guten Lauf hinlegte, noch 2 Plätze gutmachte und mitten in einem größeren Paket als 21. einlief. Auf Platz 18 fehlten 31 Sekunden.
Eine sehr gute 2/3 – Staffel
Dabei sein ist alles, gewinnen natürlich noch besser. Dieses abgewandelte olympische Motto lag der Staffelaufstellung der österreichischen Herren zugrunde. Jan Zazgornik und Felix Breitschädel sollten so lang wie möglich im vorder(st)en Paket mitlaufen, Gernot Kerschbaumer mit einer guten Position einen schönen Endrang erlaufen.
Am Anfang klappte alles nach Wunsch. Jan kam gut mit, erkannte sofort die richtige Routenwahl zu Posten 1, es war die schnellere und auch sicherere, reagierte bei einer Gabelung im Grünen richtig und hatte insgesamt einen erstklassigen ersten Teil. Beim Fernsehposten nach 3,8 km lag er mit 0:34 Rückstand an hervorragender 6. Position, zwischen Deutschland und der Schweiz. Ist jemals eine österreichische Staffel so gut gestartet? Bei 5,6 km war es immer noch die 8. Position, allerdings schon mit 3:09 Rückstand. Das lag daran, dass er allmählich das hohe Tempo spürte, das Führungspaket nicht halten konnte und nach einem kleinen Fehler die Verfolgergruppe da war. Am Ende der Verfolgergruppe lief er an 13. Position ein, allerdings lediglich 18 Sekunden hinter den an 7. Stelle liegenden Letten.
Damit hatte Felix eine sehr gute Ausgangsposition und Kontakt mit den unmittelbaren Konkurrenten. Felix erkannte sofort die Gabeln und dass er selbst orientieren muss, ging mutig durch die paar nicht vermeidbaren Dickichte, hängte die Läufer aus Großbritannien und der Slowakei ab. Insgesamt war es ein fehlerfreier Lauf, auch beim nachfolgenden Kartenstudium waren keine besseren Routen zu erkennen, auch die Hitze störte ihn nicht. Was ihm fehlte: Einer, der zum Schluss noch mit ihm fightet und damit gemeinsam das Tempo hochhält. Als 12. mit 9 Minuten Rückstand auf die führenden Russen, aber nur 1:40 auf Rang 9 (Litauen) übergab er an Gernot.
Kerschi hatte nicht seinen besten Tag. Im Bestreben den Anschluss unbedingt zu halten wurde er unsicher, vernachlässigte das Orientieren, machte Fehler, verlor gut 4 Minuten und kam als 16. zurück – eine Platzierung, die den Österreichern wohlbekannt ist (Finnland 2001, Schweiz 2003, Japan 2005, nur in Schweden 2004 war es Platz 15). Diesmal wäre mehr drin gewesen, ohne die letzten Zeitverluste zumindest Rang 12 – und das, obwohl Kerschi gegen einige Kapazunder der anderen Nationen sich unmittelbar messen musste: Omelchenko, Gueorgiou, Stevenson, ...
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An der Spitze gab es überraschende Ergebnisse. Zunächst entschieden die Schweden mit Niclas Jonasson die erste Teilstrecke für sich, knapp vor Norwegen, Finnland, Schweiz, Russland und Deutschland. Aus diesem Paket lösten sich auf der 2. Teilstrecke die Russen (mit Andrey Khramov) und die Schweizer (mit Daniel Hubmann). Finnland und Schweden als 3. und 4. hatten schon fast 2 bzw. 3 Minuten Rückstand. Russlands Valentin Novikov baute den Vorsprung souverän auf 4 Minuten zum ersten Staffelgold der Russen aus. Dahinter das Schweizer Drama. Marc Lauenstein machte Fehler um Fehler, um zuerst vom Finnen Jani Lakanen und dann auch noch vom Schweden Mattias Karlsson überholt zu werden – also Blech nach Bronze in Japan, für Schweden genau umgekehrt.
Resümee der WOC2006
Es war eine wirklich sehr gut organisierte Weltmeisterschaft. Die Dänen sparten nicht an Aufwand, um erstklassige Wettkämpfe sicherzustellen und auch, um über die Medien dies möglichst optimal der sportinteressierten Öffentlichkeit zu vermitteln. Über 600 Freiwillige aus den Vereinen der Region, wo oft 60% der Mitglieder im Einsatz waren, sorgten dafür. Und der Chairman des Organisationskomitees berichtete von seinem "big job" mit wenig Zeit zum Schlafen. Besonders die Finals waren eine große technische Herausforderung. Mit mindestens 6 TV-Kameras im Wald und in der Zielarena versucht man den Zuschauern per Video-Wall das Geschehen möglichst aktuell zu präsentieren. Auch das erstmals eingesetzte Tracking-System gab Einblicke in die Routenwahlen (und Fehler) der LäuferInnen. Auch wenn die Auflösung der Video-Wall dafür nicht besonders toll war und obwohl nicht immer die Karte im Hintergrund gezeigt werden konnte (während der Staffel, es waren noch nicht alle Läufer im Wald), so war es doch zusätzliche Information über das Geschehen im Gelände. Für die Medienleute wurde eine starke mobile Internetanbindung ins Gelände gestellt. Die Veranstalter hoffen, mit ihrem Budget von rund einer Million Euro kein Defizit einzufahren. Rund ein Viertel davon ging für die TV-Übertragungen und die EDV-Systeme auf, der Rest für Punching-System (SportIdent), Manpower, Verpflegung, Karten, ... Woher das Geld kommt? Wohl nur zum kleinen Teil aus den hohen Nenngebühren. Die Fernsehrechte sollten es bringen. Woran die hilfsbereiten und zuvorkommenden Dänen ihren Erfolg messen? "Wenn alle eine gute Woche hatten" sagte Event Director Flemming Nørgaard. Ich denke, sie hatten.
Und wie zufrieden sind die Österreicher?
Er, Ulu, österreichischer Nationaltrainer, hat sich den Einstieg als Teambetreuer etwa so vorgestellt, auch wenn er dachte, dass es leichter sein wird. Es fehlt vor allem den jüngeren Läufern noch an Selbstbewusstsein und internationaler Erfahrung, um sich in so einem Umfeld behaupten zu können. Generell wäre ein Leistungshub auf breiterer Front nötig, damit nicht jede mögliche Finalqualifikation zur Zitterpartie wird, alles passen muss und ein wenig Glück noch dazu erforderlich ist. Leistungshub bedeutet auch schneller laufen zu können.
Es wäre zu kurzfristig gedacht, den Gesamterfolg an der Zahl der Finalqualifikationen zu messen. Weil bisher immer ein knappe Sache, ist es eine ungenaue Messlatte und würde auch den meist gezeigten guten Leistungen nicht gerecht. Besser ist es schon zu analysieren, ob die Zeitrückstände schneller kleiner werden als die Leistungsdichte bei der WOC zunimmt. Und da nach der WM immer auch vor der WM ist, kann die Trainingsarbeit dafür demnächst wieder starten.
Fotos
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(wieder aus Wien)
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 Verletzung verhindert Aufholjagd von Simone


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