SkiOL-Finale in Tarvis: Kriterium des letzten Schnees
23./24.Februar 2008 in Tarvis (ITA)
Am 23./24.Februar fand im Dreiländereck Kärnten-Slowenien-Friaul der offizielle SkiOL Saisonabschluß 2007-08 statt. Ganze 6 Wochen nach dem letzten SkiOL auf heimischen Boden in Faistenau und der zwangsweisen, schneebedingten Absage der SkiOL-Bewerbe in Sonnberg (OÖ) fand nun im italienischen Grenzort Tarvis dieses Abschlusswochenende statt.
Organisatoren waren die italienischen Vereine CAI-XXX-Ottobre Trieste und Friuli MTB & Orienteering. Neben dem 6.+.7 SkiOL-Austria-Cup fand vor allem die Friulanische SkiOL-MS (Samstag) sowie die italienische SkiOL-MS im Sprint (Herren+Damen Elite) sowie Middle-Distanz Nachwuchs&Senioren statt. Auch hier gab es für die Veranstalter arge schneebedingte Probleme. Die ursprünglich geplanten Gebiete in Forni Avoltri bzw. Piani di Luzza (ca. 15km südlich des Plöckenpasses) konnten wegen des Warmwettereinbruchs und des anhaltenden Föhnwetters nicht benutzt werden.
So blieb als letzter Ausweg die kurzfristige Verlegung auf den Golfplatz Priesnig—"Arena Paruzzi" südlich von Tarvis. Dieser Golfplatz wird im Winter permanent als Langlaufzentrum genutzt und ist nach der bekannten italienischen Speziallangläuferin und oftmaligen Medaillengewinnerin Gabriela Paruzzi benannt. Wenige Zentimeter Schnee reichen hier auf diesem gut belaufbaren Golfplatz aus, um eine tolle Spur ins Gelände legen zu können. Im Gegensatz zu den meisten österreichischen Golfplatzbetreibern gibt es hier in Italien kaum Differenzen und Schwierigkeiten, den Golfplatz im Winter zu einem Langlauf-Eldorado umfunktionieren zu können. Zusätzlich stehen hier auch noch Schneekanonen zur Schneeproduktion für die LL-Weltcup erprobten Loipen zur Verfügung (Tarvis war Organisator der nordischen Junioren-WM 2007). Die Dichte der hier angelegten Loipen ist für österreichische Verhältnisse fast unvorstellbar.
Hauptverantwortlich und auch für den österreichischen Verband Ansprechpartnerin war die oftmalige italienische SkiOL-Meisterin und WM-Teilnehmerin Mita Crepaz. Sie sorgte auch für tolle Bahnen bei den SkiOL-Events. Die internationale Kontrolle dieses länderübergreifenden Events oblag Wolfgang Pötsch, der auch dafür sorgte, dass jeder Österreicher in der für ihn richtigen Klasse startete. Die unterschiedlichen SkiOL-Klasseneinteilungen in Italien und Österreich war eigentlich nur ein optisches Problem. Dank intensiver Diplomatie aller SkiOL-Verantwortlichen beider Länder fiel dieser Umstand überhaupt nicht ins Gewicht.
Neben den Startern aus Italien und Österreich waren auch Teile des Schweizer Nationalteams am Start, wobei die Eidgenossen vor allem die Herren-Juniorenklasse und Damen-Eliteklasse dominierten. Insgesamt waren am Samstag ca.120 und am Sonntag ca.145 Teilnehmer am Start. Davon kamen jeweils ungefähr 50 Teilnehmer aus Österreich vorrangig aus Kärnten, aber auch aus der Steiermark und Tirol. Durch die extrem warmen Temperaturen, vor allem in der Woche vor dem Wettkampf, zweifelten viele heimische SkiOLer die Durchführung an, und sagten ihre Teilnahme kurzfristig ab, oder man kam trotz gültiger Meldung einfach nicht. (Insgesamt waren an beiden Tagen ca. 75 ÖFOL-Mitglieder gemeldet).
Im Raum Tarvis gibt es insgesamt 3 SkiOL-Karten; bereits 2x wurden hier ÖFOL-SkiOL Ranglistenbewerbe durchgeführt, nämlich in den Jahren 1997 + '98: beide Male im ca. 10km entfernten "Val Seisera". Auch am "Golfplatz Priesnig" gab es schon SkiOL-Events: so z.B. zuletzt im Jahr 2004 SkiOL-MS der Region – Friaul-Julisch-Venetien. Auch in Zukunft wird man – hier am Nordostspitz Italiens – sicher wieder SkiOL-Events planen und auch dann wird der ÖFOL diese Gelegenheit nicht auslassen dürfen, um hier Austria-Cupbewerbe durchzuführen.
Noch 3 Tage vor dem Wettkampf waren die Verhältnisse in Tarvis optimal: Minustemperaturen in der Nacht und mäßige Plustemperaturen am Tag sorgten dafür, dass sich eine geschlossene Schneedecke im gesamten Areal des Wettkampfes halten konnte. Zusätzlich liegt dieses Gebiet am Nordhang des Berges "Monte Lusari", sodass zu dieser Jahreszeit nur wenig Sonne die Spuren aufweichen kann. Via Webcam konnte man auch aus der Ferne den Status quo der Loipen im Start-Ziel-Gebiet mitverfolgen und so sichergehen, dass man nicht vergebens nach Italien fahren würde.
Etwa 1 Tag vor dem Wettkampf fing es dann abseits der gespurten Loipen schön langsam an, kritisch zu werden. Durch die extremen Plustemperaturen kamen schon die ersten aperen Stellen hervor und ein Querlaufen sollte dadurch an mehreren Stellen gar nicht mehr möglich werden. An den beiden Wettkampftagen selbst nahmen die Temperaturen noch weiter zu, sodass man den Schnee direkt wegrinnen sah. Allerdings reichte es gerade noch für einen fairen Event. Bereits 3 Tage später wäre an ein reguläres Rennen nicht mehr zu denken gewesen. Plus 17 Grad lies die Oberfläche der Loipen schmelzen und verwandelte Teile der Spuren in eine größere Wasserfläche, mitunter war am Samstag nachmittag schon eher an Wasserskilauf zu denken.
An beiden Tagen wurde mit einer Karte 1:5000 gelaufen. Samstag wurde nur der flache Nordteil des Golfplatzes in einem typischen Sprintrennen verwendet. Sonntag wurde dann auch der steilere Südteil mitverwendet und es wurde ein Middledistanzrennen mit etlichen Höhenmetern durchgeführt.
Die längste Bahn beim 6. Austria-Cup am 23.2. betrug 3,4km mit max.30Hm und 11Posten. Alle Herren zwischen 18 und 44 mußten diese Strecke bewältigen. Die Elite-Damen (D 18-44) mussten sich mit flachen 2,8km und 9 Posten zufrieden geben. Zwar gab es sehr viele Posten auf engem Raum mit vielen Richtungsänderungen, d.h. schnelle Entscheidungsfindung war notwendig, doch zumeist konnte man auf Spuren verzichten und fast Luftlinie die meisten Posten anlaufen. Dazwischen mussten man nur ab und zu ein paar Meter über steinfreien Golfrasen laufen oder Wasserflächen ausweichen.
Schnellster in der Herren-Eliteklasse war David Hechl von den Naturfreunden Kitzbühel mit seiner Zeit von 13:00 Minuten. Nur 17 Sekunden dahinter landete Max Habenicht (SU Klagenfurt) an der 2.Stelle. Dritter in der Elite wurde der für einen italienischen Verein startende Russische Kartenzeichner Sergei Mukhidinov. Tagesbestzeit auf der Herrenstrecke erzielte jedoch Dieter Mikula von der Sportunion Klagenfurt, seine Zeit von 12:37 wurde auch vom Sieger in der Juniorenklasse (H18-20), dem Schweizer Junioren-WM-Starter Michael Buhl (13:47) nicht annähernd erreicht. Die Tatsache, dass Dieter Mikula in der H35- startete (und nicht in der H 21E), sollte sich in weiterer Folge als entscheidend für den Ausgang in der Herren-Elite-Rangliste auswirken! (eigener Bericht zum SkiOL-Austria-Cup 2007-08 folgt)
Bei den Damen kam es zum Duell Schweiz gegen Österreich, dass die Schweiz - wenn auch nur knapp - an beiden Tagen für sich entscheiden konnte: Yvonne Gantenbein erzielte Tagesbestzeit in 12:30, Regina Habenicht erlief mit 13:26 die zweitschnellste Zeit und damit auch gleichzeitig den Sieg beim 6.Bewerb des Austria Cups. Dritte in der Damen-Eliteklasse die Schweizerin Carmen Strub in 14:18. Schneller war jedoch die Siegerin in der Damen-Juniorenklasse (18-20) Sara Habenicht mit ihrer Zeit von 13:52.
Wie stark unsere Damen-Senioren sind, sieht man daran, daß die Siegerin in der D35-Klasse Renate Krauland (SU Seckau) mit ihrer Zeit von 15:33 den 5.Platz in der Tagesreihung erzielen konnte.
Samstag abend wurden alle Spuren frisch präpariert, sodass man Sonntag früh wiederum perfekte Verhältnisse vorfand. Die Minustemperaturen in der Nacht ließen die Loipen wieder etwas gefrieren und es gab daher am Sonntag ein ziemlich schnelles Rennen. Die Bahnen waren etwas länger und v.a. wesentlich steiler als am Vortag. Auch gab es einige knifflige Routenwahlen, die das Rennen entscheidend beeinflußten. Queren war fast überall gut möglich, bei der einen oder anderen Route lohnte es sich auch einmal die Ski abzuschnallen und quer durch ein aperes Waldstück bergauf zu Fuß zu laufen. Da es um italienische Meistertitel ging, waren auch wesentlich mehr Italiener als am Vortag am Start.
In den beiden Eliteklassen ging es – wie bereits erwähnt – um italiensche Sprint-Meistertitel.
Daher waren die H-bzw. D-Elitebahnen auch kürzer wie die Bahnen für H bzw. D 35- oder H bzw. D 18-20. Im Austria-Cup ging es in einigen Kategorien neben dem Tages- oder Klassensieg sehr wohl noch um den Austria-Cup-Gesamtsieg. Dies motivierte die österreichischen Teilnehmer noch zusätzlich. So auch in der Herren-Eliteklasse, wo Samstagsieger David Hechl gegen den nicht anwesenden Johann Kugler um das bessere Streichresultat kämpfte.
5,0km mit 170Hm und 17Posten waren die Daten der H 21-Elitebahn. Der Tagessieg ging diesmal an einen Italiener: Gabriele Canella (G.S. Monte Giner) legte diese Strecke in 26:29 Minuten zurück und war somit knapp eine halbe Minute schneller als Max Habenicht [26:58]. Dieser sicherte sich damit seinen ersten Austria-Cupsieg in der heurigen Saison. Nur eine Sekunde dahinter platzierte sich Daniele Orler (U.S. San Martino-Val Primiero) in 26:59 auf Platz 3. Wiederum nur wenige Sekunden dahinter rangierte mit David Hechl der nächstbeste Österreicher auf dem 4.Tagesrang [Platz 2 / Austria-Cup].
Bei den Damen gab es auf der 3,9km + 140Hm + 15 Po. langen Bahn genau die gleiche Reihenfolge wie am Tag zuvor. Yvonne Gantenein (SUI) siegte in 25:08 vor Regina Habenicht (SU Klagenfurt) in 25:54 und Carmen Strub (SUI) in 30:05. Den italienischen Meistertitel in der Damen Elite sicherte sich übrigens die erst 17-Jährige Claudia Zanetel (U.S. San Martino-Val Primiero) mit der 5.besten Tageszeit von 30:48.
Herausragend waren die Leistungen einiger österreichischer Nachwuchs & Seniorenläufer, die an beiden Tagen ihre Klassen gewinnen konnten: Tobias Habenicht (H15-), Dieter Mikula (H35-), Willy Fischer (H50-), Marlene Habenicht (D15-), Sara Habenicht (D-20) und Renate Krauland (D35-).
Einen beachtlichen Sieg gab es für die Sportunion Klagenfurt auch in der Vereinwertung dieses Wochenendes. Die Vereinswertung ist in Italien sehr prestigeträchtig und wird bei jeder italienischen Meisterschaft oder Cuplauf an die beste teilnehmende Gruppe vergeben (auch Ausländer). Damit soll in unserem südlichen Nachbarland der soziale Gedanke einer solchen Sportgroßveranstaltung hervorgehoben werden. Dies wäre für uns Österreicher mehr als nachahmenswert.
Ergebnis Samstag
Ergebnis Sonntag
Fotos
Karte AC06 Herren Elite
Karte AC06 Herren 55-
Karte AC07 Herren Elite
Karte AC07 Damen 35-
Austria Cup Endwertung
Michael Melcher
|