MTB-Oler auf Abwegen: Sieg bei 24h Indoor MTB-WM
Normalerweise ist der Winter eher eine ruhige Zeit für Mountainbike-Orientierer, Zeit für die Vorbereitung auf die neue Saison mit viel Training meist abseits des Bikes. Einige machen SkiOL, manche laufen Wintercups zu Fuss. Doch es gibt auch wieder andere die gewinnen so nebenbei die Weltmeisterschaft in 24h Indoor MTB. Andreas Rief, bekannt als Staatsmeister und Austria Cup Sieger im MTBO, gelang ein wenig unerwartet dieses Kunststück. "Eigentlich war es nie meine Absicht an diesem Rennen teilzunehmen, aber nachdem ein Teamkollege aus dem SWAT 2Radchaoten Team in der 2er Staffel ausgefallen ist, sagte ich sofort zu, nur um es kurz darauf zu bereuen. Viel lieber wäre ich in die Berge zu Skitouren aufgebrochen, als 24h im Kreis zu fahren" O-Ton Andreas. Andreas hat zwar schon einige Erfahrung im 24h Rennen, wurde er doch schon 2. und 3. bei der EM in der 4er Staffel, doch dies ist schon einige Zeit her und das Training hat er auch schon seit einigen Jahren auf kürzere Distanzen umgestellt.
Wie muss man sich ein 24h Indoor MTB Rennen vorstellen. Prinzipiell geht es nur darum wer in den 24h die meisten Runden schafft. Man könnte meinen, dass dies eine eher langweilige Sache ist und man dabei einen Drehwurm bekommen muss. Aber ganz im Gegenteil ist das Fahren in der Halle spannender und aufregender als bei einem Bewerb im Freien. Die Strecke war 850m lang und mit zahlreichen Rampen und engen Kurven gespickt (so gab es pro Runde immerhin 7Hm zu überwinden). Durch die kurze Strecken sind auch immer genug Fahrer gleichzeitig unterwegs, man fährt quasi nie alleine und ist immer am Überholen. Daneben dröhnt es die ganze Nacht mit guter Musik aus den Lautsprechern und es hat immer die gleichen Temperatur und Lichtverhältnisse. Ganz anders bei Outdoor Veranstaltungen, wo man dann oft um 3 Uhr in der Früh im Nebel, Regen und Kälte einsam seine Runden dreht, was dann sehr gerne zu einem Einbruch der Leistung führt.
Das Rennen von Andreas Rief und seinem Partner Rene Reidinger in der 2er Staffel war nicht von Beginn an auf Sieg programmiert, eigentlich rechneten beide nicht wirklich mit einem derartigen Erfolg. Lange Zeit lagen sie mit einer Runde Rückstand an der 2. Stelle und erst zwischen 2 und 3 Uhr morgens konnten sie die Führenden zurückrunden und auch gleich darauf überrunden. Von da an bauten sie die Führung konstant aus. Obwohl die letzten 8 Stunden mit überlegener Führung angegangen wurden und möglichst ohne Risiko weitergefahren wurde, konnten die beiden bis zum Schluss die Führung ausbauen und gewannen am Ende mit 10 Runden Vorsprung und insgesamt 470km und 550 absolvierten Runden. Das Tempo der beiden erstaunte auch die anderen Teams nicht schlecht, zeitweilig fuhren sie Kopf an Kopf mit den 3er und 4er Teams die selben Rundenzeiten und auch am Ende lagen sie nicht weit hinter diesen zurück.
"Wir konnten von Anfang bis Ende unser Tempo und unsere Wechsel durchhalten und sind selbst ein wenig überrascht von der guten Leistung, es gab während der ganzen 24h kleine Einbrüche und unsere Bikes (Kellys Sabotage) liefen einfach wunderbar" so Andi. Die beiden wechselten über die ganzen 24h im 20-25Minuten Rhythmus wie ein perfekt eingespieltes Team. In den Pausen zwischen 2 Einsätzen war dann Essen und viel Trinken angesagt. Dank der tollen Betreuung von Martin klappte auch die Versorgung perfekt, auch weil er oft, mehr als die Fahrer selbst, wusste was zu tun ist. Das schwierigste bei einem 24h Rennen stellt im Allgemeinen die Verpflegung dar, sonstige Beschwerden sollten bei einem perfekt abgestimmten Bike eigentlich vermieden werden. Dabei ist es ratsam möglichst keine Energieriegel oder Gele, sondern viele, sehr viele, Nudeln, ganz viel Suppe zu essen und möglichst keine Energydrinks sondern Saft und Tee und mal ein wenig Cola zu trinken. Meist ist es auch besser seinem Appetit zu folgen und einfach mal ein Wurstbrot, Chips oder vielleicht auch einen Hamburger zu essen. Das wichtigste ist, dass der Magen die 24h unbeschadet übersteht, andere Beschwerden kann man leichter ignorieren, aber wenn man nichts mehr essen kann ist es aus. Es tut einem danach zwar alles ein wenig weh, aber außer einem leichten ziehen in dem Muskeln und schmerzenden Handgelenken von die vielen Rampen und Sprüngen hatte es keine "Folgeschäden"
Auf jeden Fall ist Andreas der Einstieg in die heurige Saison mehr als gelungen und es stellt sich die Frage wie er das noch Toppen kann. Auf dem Programm stehen für die MTB Orientierer heuer zum ersten Mal seit langem wieder Weltcuprennen und zwar in Polen Ungarn und Italien. Daneben gilt es heuer die WM in Portugal zu bestreiten, eine EM gibt es erst wieder 2011.
Homepage 24h-Indoor-WM
Andi Rief
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Fotos von sportograf.de
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