Ausbildung: Nachlese zum BSO-Trainer-Seminar "Emotionen im Sport"
Südstadt am 26.März 2011
Dieses Seminar fand zwar schon vor einigen Wochen im BSFZ Südstadt statt, auf Grund der Bedeutung bzw. der Brisanz und permanenten Aktualität des Hauptvortrages der Kinderschutzzentren-Beauftragten Mag. Hedwig Wölfl wird hier eine kurze Zusammenfassung dieses Seminars nachgereicht!
Sämtliche Vorträge können auf der BSO-Homepage nachgelesen und für den Eigenbedarf heruntergeladen werden. An die 200 Teilnehmer darunter einige OL-Trainer und –Instruktoren nutzten diese Gelegenheit, um sich weiterzubilden.
Am Vormittag standen eine Reihe von Vorträgen zum Thema "EMOTIONEN", durch einige Experten der heimischen Ausbildung auf dem Programm. Der Nachmittag war für Workshops bei den einzelnen Referenten vorbehalten.
Referate gab es durch Mag. Hedwig Wölfl zum Thema "sexualisierte Gewalt und Übergriffe im Sportbereich" (Details siehe unten), dazu noch Mag. Norbert Meister "Optimierung von Emotionen in Teamsportarten sowie durch Dr. Christopher Willis "Optimierung von Emotionen in Einzelsportarten". Und vor allem Univ.Prof. Dr. Günter Amesberger "TrainerInnen-Emotionen: Entstehung und Wirkung" (Die Fähigkeit die eigenen Emotionen zu erkennen und zu nutzen, kann als zentrale Kompetenz von Führungskräften betrachtet werden). Man ging der Frage nach: Wie können Emotionen von Trainer(innen) vor, bei, nach Wettkämpfen, Athleten positiv oder negativ beeinflussen?
Die beiden Nachmittags-Workshops waren so arrangiert, dass man sowohl jenen von Mag. Norbert Meister (Krisenintervention in Teams), als auch jenen von Dr. Christopher Willis (Krisenintervention bei Einzelsportlern) besuchen konnte. Es gab hier intensive Diskussionsrunden, wo sehr viele Anfragen aus verschiedensten Sportarten gestellt wurden. Man bekam dadurch einen sehr umfassenden Eindruck über Problemstellungen, womit sich (auch) andere Sportdisziplinen so herumplagen müssen.
Sexualisierte Gewalt und Übergriffe im Sport – ein Tabuthema?
Die BSO und die "Möwe"-Kinderschutzverein sind kürzlich eine sehr bedeutende Kooperation zum Schutz von Kindern und Jugendlichen im Sportbereich eingegangen. Ziel dieser großangelegten Kampagne ist die Verhinderung sexualisierter Gewalt im Sport, sowie die Aufklärung zu diesem - immer noch - Tabuthema in unserer Gesellschaft.
BSO-Präsident Peter Wittmann und Möwe-Präsidentin Martina Fasslabend haben im Rahmen der Eröffnung dieser Kampagne zu Beginn dieses Jahres, eine Infobroschüre für Trainer, Instruktoren, Übungsleiter und Sportbetreuer präsentiert und dadurch eine höhere Sensibilisierung der österreichischen Sportgemeinschaft angekündigt.
Dieses Thema scheint genauso bedeutend zu werden, wie der Kampf gegen Doping. Natürlich ist jeder Verband, jeder Verein, jede Sportgemeinschaft davon überzeugt, dass gerade in Ihrer Gruppe solche Übergriffe gegen Kinder und Jugendliche nicht vorkommen würden – genauso wie beim Doping! Doch bedauerlicherweise wird hin und wieder, – aber dennoch in fast regelmäßigen Abständen – derartig abscheuliches Szenario einiger "schwarzer Schafe" via Medien in die Öffentlichkeit getragen.
Auch der ÖFOL darf sich diesem Thema nicht entziehen!
Das Mindeste was man tun kann, ist – so wie bei der "Antidoping-Proklamation" (mit Verankerung in den Statuten) – eine Erklärung zum Schutz aller Minderjährigen abzugeben, auch wenn dies für uns Alle eh als selbstverständlich gilt!. Auch eine entsprechende rechtliche Verfolgung eventueller Täter sollte "expressis verbis" voll unterstützt werden.
Bei der jüngsten BSO-Trainerfortbildung am 26.März im BSFZ Südstadt, war dies eines der tragenden Tagesthemen. Die fachliche Leiterin aller Kinderschutzzentren Mag. Hedwig Wölfl referierte eindrucksvoll über ihre Arbeit und v.a. über das Erkennen möglicher Anzeichen bei missbrauchten Kindern oder Jugendlichen im Alltag. Ihre Kernaussage: "Sexuelle Gewalt im Sport darf nicht tabuisiert, ignoriert oder bagatellisiert werden!" [BSO-Magazin 1/2011] "Gewalt an Minderjährigen (auch im Sportbereich) zählt nach wie vor zu den ganz großen Tabuthemen in unserer Gesellschaft und rückt eigentlich immer nur dann ins Bewusstsein der Menschen, wenn Opfer öffentlich von ihrem Leid berichten!"
80% der Übergriffe passieren übrigens im nahen sozialen Umfeld, durch gute Bekannte, die ein bewusst aufgebautes Näheverhältnis auszunutzen versuchen. (vgl.: TrainerIn vs. SportlerIn). Die dadurch entstandenen psychischen Schäden der minderjährigen Opfer sind kaum mehr gutzumachen und haben lebenslangen Einfluß auf deren Persönlichkeiten.
Daher hat die BSO zusammen mit der „Möwe“ den Kampf aufgenommen und rufen alle ihre Verbände eindringlich auf, hier mitzutun.
Wenn schon im eigenen Verband (ÖFOL) alles OK ist, dann gibt es etliche OLer die noch eine zweite oder gar dritte Sportart in anderen Vereinen ausüben bzw. ehrenamtlich betreuen, wo es vielleicht nicht so unbedenklich zugehen kann oder wo man Kenntnis von Ungereimtheiten mitbekommen könnte.
Gerade auf solche Fälle zielt diese Aktion "GEMEINSAM STARK" ab, mit einem ihrer Leitsätze: "Schweigen und Wegschauen schützt die Falschen"!
Wie bemerkte Mag. Gerhard Scherbaum (Vorsitzender der Kommission für Trainerangelegenheiten und Leistungssport) am Rande des Seminars vortrefflich: "...wenn bloß einer einzigen Person durch diese Aktion geholfen werden kann, so ist dies bereits als Erfolg zu werten!"
Dieses Referat von Mag. Wölfl war zwar nicht das Einzige an diesem Vormittag, dafür aber das Eindrucksvollste und Impulsivste.
Günter Amesberger (Universität Salzburg, Geschäftsführer Österreichisches Bundesnetzwerks für Sportpsychologie und Sportpädagogik /ÖBS) versuchte hingegen in seinem Auftakt-Vortrag, den Begriff und die komplexen Vorgänge der Emotionen physiologisch zu erklären. Wer mehr darüber erfahren möchte, dem wird die Präsentation dieses Referates zum Nachlesen empfohlen (Link siehe unten):
"Emotionen bewegen uns Alle und sind in kaum in einem Bereich so stark ausgeprägt und mitreißend wie im Sport. Wie Trainer Emotionen ausdrücken, wirkt wiederum auf die SportlerInnen. Eine Kompetenz von Führungskräften ist es, die eigenen Gefühle wahrnehmen zu können und effizient zu nutzen, um die Sportler in einer gewünschten Zielrichtung bestmöglich unterstützen zu können.
Welche Emotionen wir erleben und wie sie unser Verhalten und Denken beeinflussen hängt einerseits von aktuellen Faktoren wie Sieg oder Niederlage ab, hat aber auch sehr viel mit unseren Erfahrungen zu tun.
Im Sinne der Professionalisierung von Führungsverhalten sind Emotionen nicht bloß "Privatsache", in dem wir eben so sind, wie wir sind. Sie sind vielmehr ein hoch komplexes Instrumentarium, um in sozialen Situationen effektiv zu handeln.
Unsere Emotionen liefern uns nicht zuletzt auch im Sinne der Gegenübertragung wesentliche Hinweise darüber, was in Gruppen (Sport-Teams) oder bei anderen Personen (Sportlern) abläuft und stellen so auch ein soziales Spiegelungssystem dar.
Experten des ÖBS gehen in ihren wissenschaftlichen Arbeiten auch der Frage nach, in welchem Bezug Denken, Emotionen und Verhalten stehen, und wie Emotionen im Trainerverhalten genutzt und optimiert werden können, dies sowohl für den Bereich des Einzel- und des Mannschaftsports."
(G.A.)
Von den beiden Nachmittags-Workshops war vor allem derjenige von Dr. Christopher Willis für uns OLer von Bedeutung ("Emotionelle Krisenintervention bei Einzelsportlern"). Unter anderem wurde das Thema "Eltern als Trainer und Betreuer" intensiv behandelt. Auch bei uns im OL-Sport ist ein solches – oft nicht ganz einfaches – Verhältnis zwischen OL-betreibenden (auch selbst erfolgreichen) Eltern(teilen) und ihrem Nachwuchs bemerkbar.
Da es von (späterem) gänzlichem Aufhören bis zum/zur Spitzen-OLer(in) alles dabei ist, ist die Bandbreite und Streuung im OL-Sport (in unserem Fachverband) auch ziemlich mannigfaltig. Ein allgemein gültiges Kochrezept für ein optimales Zusammenwirken gibt es hierfür allerdings nicht. Eines ist allerdings all diesen Beziehungen gemein: dauerhaft funktioniert ein solches System nicht, nur temporär (mit Ablaufdatum). Es benötigt irgendwann Auffrischung und Erneuerung. Die Loslösung vom "Elternsein" der Betreuer-Väter und -Mütter und der nötige "Freiraum" für die jugendlichen Sportler dürfen hierbei keineswegs außer Acht gelassen werden. Sie bilden eine wesentliche Basis des Erfolgs.
Alles in Allem ein sehr gelungener und Eindruck-hinterlassender Fortbildungs-Tag.
Die nächste BSO-Fortbildung mit dem Thema "Trainingsunterstützung durch sportphysiotherapeutische Maßnahmen" findet am 28.Mai im ULSZ RIF (Hallein / Sbg.) statt.
Weitere Informationen finden sich unter:
Kooperation BSO - die Möwe
Die Präsentationen der Vortragenden
für das ÖFOL-Ausbildungsreferat
Michael Melcher
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