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Myoka… Was? – Herzangelegenheiten mal anders

Beep…Beep…Beep…BEEEEEP – und los geht’s. Gleich zu Beginn komme ich nicht richtig in die Karte, und ich bringe kein Tempo in die Beine. Nach einigen Posten wird das Gelände klarer und es  kommt endlich eine Laufstrecke auf einer Forststraße. Aber was ist jetzt los – der gesamte Brustkorb drückt, und die Lunge scheint auf die Größe einer Walnuss zu schrumpfen. Ich muss stehenbleiben und einen Mitläufer (Gegner klingt so negativ) vorbeiziehen lassen. Zäh schleppe ich mich trabend und doch immer wieder etwas schneller durch den Wald. Bei dem Tempo ist wenigstens das Orientieren kein Problem. Jetzt noch zum letzten Posten und alle Energiereserven für den 500-Meter-Sprint ins Ziel rauspressen. Aber da ist nichts mehr … keine Luft … Druck auf der Brust … und nach kurzer Atempause mit gefühlten – oder waren es doch reale – 1,5 km/h über die Ziellinie.

Die Erklärung ist schnell gefunden. Zwei Wochen vor Wettkampf war ich krank (nach über 30 Jahren mal wieder Fieber), konnte kaum trainieren, und davor war die Form auch schon nicht die Beste. Der Lauf war für mich sehr lang und das Wettkampftempo bin ich auch nicht mehr gewohnt … alles klar … oder doch nicht?

Den zweiten Tag will ich ganz langsam und auch konzentriert auf mich angehen. Nach knapp einem Kilometer und einer gezwungenen luftschnappenden Pause lasse ich es bleiben. Nach dem Ratschlag eines Freundes fahre ich ins Spital nach Gmünd und empfange dort die erschreckende Aussage des aufnehmenden Arztes: "Schlechte Nachricht: Sie müssen da bleiben. Es sieht nach einer Herzmuskelentzündung – Myokarditis – aus."

Myokarditis – ungefährlich ist anders

Für 50 Prozent aller Herzmuskelentzündungen sind Viren verantwortlich, die bei einer zunächst harmlosen Erkältungskrankheit den Herzmuskel schädigen können. Dabei verwechselt das Abwehrsystem Bestandteile des Herzmuskels mit denen der Viren und greift diese irrtümlich an. Aber auch ein direktes Eindringen von Mikroorganismen kann eine Myokarditis hervorrufen, wie z.B. einer Diphterie oder Borreliose.

Typische Symptome einer Myokarditis sind Schwäche, Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen und Kurzatmigkeit. Diese sind aber sehr unspezifisch, da sie auch bei anderen Erkrankungen auftreten können. Oft kommt es auch zu Herzrasen, -stolpern, -klopfen, oder -schmerzen. Einer Virus-Myokarditis geht oft ein bis zwei Wochen vor den Herzbeschwerden ein Atemwegsinfekt voraus.

In Folge einer Herzmuskelentzündung kann es zu unterschiedlich ausgeprägten Störungen der Pumpfunktion kommen. Meistens verläuft die Entzündung unbemerkt oder sie ruft grippeartige Erscheinungen hervor. In diesen Fällen äußert sich die Myokarditis oft nur in geringen Änderungen im EKG bzw. in Rhythmusstörungen sowie in Veränderungen verschiedener Blutparameter. In den meisten Fällen heilt sie folgenlos ab. Manchmal bleibt aber eine reduzierte Pumpfunktion bestehen. Sie kann folgenlos ausheilen oder in manchen Fällen auch chronisch werden und zu einer bleibenden Herzschwäche führen. Eine Myokarditis akut (innerhalb von Tagen bis Wochen) kann auch zu tödlichem Herzversagen führen.

Bei einer viralen Myokarditis (häufigste Form) gibt es keine ursächliche Behandlung. Sind Bakterien im Spiel oder bei Herzrhythmusstörungen werden Medikamente verabreicht. Vor allem ist körperliche Schonung bis hin zur Bettruhe angesagt. Falls das Herz durch die Entzündung so stark geschädigt worden ist, dass ein chronisches Herzversagen folgt, ist eine intensivierte medikamentöse Therapie notwendig. In seltenen Fällen ist das Herz derart geschwächt, dass es kaum noch seine Funktion wahrnehmen kann. Dann kann eine Herztransplantation notwendig werden. Das Alter ist dieser Erkrankung ziemlich egal. Es trifft selbst Menschen unter 30.

Passt auf euch auf!

Ich bin 44 Jahre alt, seit meiner Kindheit Sportler und ständig mit gleichgesinnten Aktivitäts-Freaks im Kontakt. Ich hatte bisher niemanden kennengelernt der Myokarditis hatte, aber schnell ist man es selbst. Den Spruch hab ich als Jugendlicher oft genug gehört: "Aufpassen, wenn du krank bist; nicht gleich wieder trainieren, sonst geht der Virus aufs Herz." Aber wie ernst nimmt man das? Eine Woche Pause hatte ich mir meist gegönnt und hatte bisher keine Probleme. Diesmal reichten 8 Tage Ruhe bis zum ersten Training nicht – vielleicht hab ich mich auch zu früh der stressigen Arbeit hingegeben und der Körper konnte sich nicht ausreichend erholen.

Was man tun kann, ist  durchaus bekannt. Eine Virusinfektion selbst lässt sich kaum vermeiden. Was man aber verhindern kann, ist das Übergreifen der Erreger auf den Herzmuskel. Mein Rat: Verzichtet unbedingt bei jeder Infektion mit oder ohne Fieber (z.B. Grippe oder Halsentzündung) auf jegliche körperliche Anstrengung und auch danach gebt dem Körper noch Zeit. Müsst ihr trotzdem arbeiten, dann wartet ruhig noch etwas länger mit dem Laufen, Radeln oder was auch immer. Sobald ihr dann wieder lostrainiert hört in euch hinein. Zeigen sich o.a. Symptome dann geht unbedingt zum Arzt – ev. zu einem Kardiologen – und erzählt ihm von der vorangegangenen Krankheit. Myokarditis stellt man über Abhören, EKG, Blutbefund bis hin zu MRT und Gewebsprobe fest.

Lieber einmal zu oft zum Arzt und auf ein Training oder einen Wettkampf verzichten bevor es für lange Zeit "bitte warten" heißt oder gar Schlimmeres geschieht. Ich mag gar nicht daran denken, was mir im Schlager Wald passieren hätte können. Kein Posten ist das wert – Passt auf euch auf!

Martin Fruhwirth

von Martin Fruhwirth in Sonstiges

9. Juni 2016