Forum: Das ist kein vom ÖFOL betriebenes Kommunikationsforum. Die Inhalte müssen sich nicht mit der Meinung des ÖFOL Vorstandes decken



70&70: Anton und Georg Hechl

Georg und Anton Hechl
Georg und Anton Hechl

Am 9. Juni 2021 feierten die Zwillinge Anton und Georg Hechl ihren 70. Geburtstag. Das ist auch Anlass für eine spezielle OL-Herausforderung am Sonntag, 4. Juli 2021, einen Tag nach den Tiroler Meisterschaften in Seefeld.

Sportlich waren die eineiigen Zwillinge Anton und Georg immer schon. Der Vater arbeitete beim Zoll, die Buben wuchsen in Gries am Brenner und später in Ginzling ganz hinten im Zillertal auf. Beim Klettern und Bergsteigen holten sie sich ihre Kondition. „Da ist es ideal, wenn der Partner aus der eigenen Familie kommt!“, sagt Georg.

Neben dem Volleyball entdeckten beide im Gymnasium ihr Talent fürs Laufen. Im Berglauf feierten sie große Erfolge, nahmen sogar an Weltmeisterschaften teil.

Mit den Skiern ins Hochgebirge

Gerade 20 geworden, begannen sie mit dem Ski-Langlauf und begeisterten sich für eine extreme Disziplin: den Hochgebirgslauf! Mit Langlaufski werden Höhenunterschiede von 2000 bis 3000 Metern bewältigt, hinauf und hinunter. Bei den steilen Abfahrten klemmte man sich zum Bremsen die Stöcke zwischen die Beine. „Das ist eine ziemlich harte G’schicht“, sagt Georg Hechl. Gemeinsam mit seinem Bruder sammelte er im Hochgebirgslauf international Medaillen.

Als Lehrer waren die Brüder zunächst vom Bundesheer freigestellt. Ganz zu Beginn unterrichteten sie an derselben Schule, in Tux, dann trennten sich die Wege.

Erst mit 30, da waren beide schon seit 1976 verheiratet, leisteten sie ihren Präsenzdienst ab. Und kamen erstmals mit Orientierungslauf in Kontakt. Anton war in der Kaserne in Schwaz, Georg in Hall.

Der erste OL: in Absam

Der erste OL, an dem sie teilnahmen, war, wenn sich Georg richtig erinnert, in Absam. Die Bahnen waren noch händisch auf der Karte eingezeichnet, quittiert wurden die Posten mit Zwickzangen auf einer Kontrollkarte. Das Zwickmuster wurde im Ziel von einem Mitglied des Veranstalterteams überprüft. Überkreuzen durften sich die Bahnen damals nicht, weil die korrekte Reihenfolge der angelaufenen Posten ohne elektronische Zeitnehmen ja nicht kontrolliert werden konnte.

„Mein Problem war, dass ich ein guter Läufer war, auch im Gelände“, erinnert sich Georg Hechl. „Ich musste die Balance finden – nicht zu schnell zu laufen, auf der Karte mitzulesen, dafür brauchte ich einige Jahre.“

Zu Beginn liefen Georg und Anton bei den Tiroler Landesmeisterschaften mit, später stiegen sie ins nationale Wettkampfgeschehen ein. Von Anfang an nahmen sie auch an Ski-O-Bewerben teil.

OL in die Schulen gebracht

„Wir absolvierten die Ausbildung zum Lehrwart“, erzählt Georg. Als Sportlehrer machten sie den OL-Sport in den Schulen bekannt und organisierten Lehrerfortbildungen. Damals gab es schon den Laufklub Kompass Innsbruck (jetzt Orienteering Innsbruck Imst), den IAC von Hermann Knoflach und der HSV Absam.

Georg Hechl gründete die Sektion Orientierungslauf bei den Naturfreunden Kitzbühel, Anton Hechl den OLC Schwaz. Die Zwillinge leisteten in weiterer Folge viel an Aufbauarbeit für den OL in Tirol.

An der Schule in Kitzbühel, an der Georg Sport, Mathematik und Geografie unterrichtete, wurde eine Sportklasse gegründet und auch andere Lehrer begannen sich für Orientierungslauf zu interessieren: „Das ist natürlich ideal“, freut sich Georg. In der Sportklasse wird OL als Schwerpunkt unterrichtet und Georg Hechl und jetzt Bernhard Prokopetz haben schon einige große Talente entdeckt.

Bruder Anton unterrichtete Sport, Biologie und Mathematik und ging dann an die Pädagogische Akademie, um künftige Lehrer/innen auszubilden.

Noch heute nehmen am Training der Naturfreunde Kitzbühel durchschnittlich 20 Läufer/innen teil. „Wir haben einen guten Ruf und sind eine nette Gemeinschaft“, freut sich Georg Hechl.

Neue Karten braucht Tirol

Da es in Kitzbühel keine OL-Karten gab, ließ Georg die Umgebung nach und nach aufnehmen. Die erste Karte mit dem Namen „Bichlach“ deckt das Gebiet zwischen Kitzbühel und St. Johann ab. Zwei- oder dreimal gab es dort auch schon österreichische Meisterschaften im MTBO.

Die aktuellste Karte wird im September 2021 vorgestellt. Auf 1550 bis 1750 Meter Höhe finden am 18. September am Kitzbüheler Horn die Staatsmeisterschaften über die Langdistanz statt, in einer diffizilen Berglandschaft, wie Georg Hechl verrät. Ein besonders interessantes Teilgebiet wurde intern bereits „Bermudadreieck“ genannt, weil man sich in der karstigen Struktur mit Dolinen und Felsen nur schwer zurechtfindet. Dazwischen dürfen die Läufer/innen aber auch „super belaufbares Almgebiet“ erwarten.

AC-Wochenende im September

Vier junge Ukrainer haben unter Anleitung des erfahrenen Kartenzeichners Viktor Kiryanov die neue Karte aufgenommen. Sie wohnten in einem Bauernhof mit Schwimmteich und Aussicht auf den Wilden Kaiser, das Kitzbüheler Horn und den Hahnenkamm. Jeden Tag bekamen sie frische Kuhmilch. „Viktor Kiryanov nannte sie seine Kälber, sie tranken nur Milch“, lacht Georg Hechl.

Nach der Langdistanz findet am 19. September anlässlich 750 Jahre Kitzbühel in der Stadt ein Sprint statt. Auch hier dürfen die Teilnehmer/innen interessante Bahnen erwarten: „Es wird ziemlich schwierig, mit Durchgängen, Stiegen und Hinterhöfen“, verrät der Wettkampfleiter.

Ein besonderes Geschenk

Von den Schwestern bekamen die Zwillinge zum runden Geburtstag zwei Flügel eines alten Fensters geschenkt. Anstatt der Fenster sind je drei Bilder eingesetzt. Eines davon zeigt Georg und Anton bei der Erstkommunion. „Nur an der Kerze erkenne ich, wer ich bin“, schmunzelt Georg. Seine Erstkommunionskerze war ihm hinuntergefallen, am Foto hat sie einen leichten Knick.

Heute kann man die 70er unterscheiden, zumindest solange sich Georg den Bart nicht abrasiert. Aber während der fünf Jahre Gymnasium und der zwei Jahre an der PädAk in Innsbruck schaffte es kaum ein Klassenkollege, die jungen Hechls auseinanderzuhalten. Nur die Mädchen taten sich dabei leichter: „Die beobachten genauer!“

Immer noch gehen die Brüder gerne auf Tour. Im Winter 2020, vor Corona, unternahmen sie eine „Backcountry Ski-Tour“ durch Schweden. Gepäck, Lebensmittel, Kochgeschirr und Zelt wurden auf einer Pulka, einem Schlitten, mitgezogen. Täglich absolvierten die Brüder 20 bis 25 Kilometer mit den Langlaufski, bis die Tour nach einer Woche wegen einer Schlechtwetterfront abgebrochen werden musste.

70 Posten zum 70er

Wer mit Georg und Anton standesgemäß – nämlich mit einem OL – feiern möchte, ist herzlich eingeladen, am 4. Juli 2021 am 70-Posten-OL teilzunehmen, den Wolfgang Pötsch zu Ehren der Jubilare organisiert.

Treffpunkt ist um 10 Uhr am Badesee in Kirchberg. Los geht es um 10.30 Uhr mit einem Massenstart.

Angeboten werden folgende Kategorien:

  • 70 Posten – zirka 7km
  • 50 Posten – zirka 5km
  • 30 Posten – zirka 3km
  • 20 Posten – zirka 1,5km für Neulinge im Bereich des Badesees

„Die 70er- und 50er-Bahn kann auch als Mannschaft zu zweit oder zu dritt mit einem Chip gelaufen werden“, erklärt der Wettkampfleiter und Bahnleger Wolfgang Pötsch.

Mehr Infos auf ANNE, Anmeldung bei wolfgang-poetsch@aon.at

Fotos:

Georg und Anton in den Zillertaler Alpen 2013

Anton und Georg bei den Tiroler Meisterschaften 2017

Georg Hechl mit einem ganz besonderen Geschenk, das beide Brüder zum 70er bekamen: Ein Fensterflügel mit drei schönen alten Fotos.

Training am 70. Geburtstag der Zwillinge. Georg schreibt dazu: “Wegen Gewitter mussten wir abbrechen und haben dann bei mir zu Hause die Torte gegessen.”

in Sonstiges

27. Juni 2021

Weitere Bilder